Kleiner blauer Spätzünder

Von wegen, „Wer zu spät kommt, …“ – das Leben belohnt einen öfter, als man denkt! Denn wozu die Eile und im Herbst noch schnell-schnell die Blumenzwiebeln versenken? Klar ist das besser und zielführender, aber so funktioniert das Gartenleben nun mal nicht immer. Meine erste Pflanzenlektion dieses Jahr lautet: Zu spät gesetzte Vorfrühlingszwiebeln kommen einfach ein bisschen später, aber sie treiben aus. Gut, nicht alle, und manche machen eben keine Blüten, aber das macht es ja direkt noch spannender. Vor einigen Wochen habe ich von meinem kleinen Frühlingsprojekt erzählt, bei dem ich ein Frühlingsgärtchen im Glas gepflanzt habe. Zwei Gläser waren es, und aus dem größeren sind tatsächlich nur Blätter gewachsen, aber keine Blüten. Testweise habe ich daraufhin das andere Glas mal auf den Balkon gestellt, weil ich dachte, die Temperaturen wären vielleicht zu gleichmäßig und die Lichtimpulse im Zimmer nicht ausreichend. Ob das nun der Trick war, keine Ahnung, aber vor wenigen Tagen lacht mich eine kleine blaue Überraschung an: Die Traubenhyazynthe blüht!

Ich finde das so goldig, an diesem kleinen Spätzünder habe ich richtig viel Freude. Einfach, weil es geklappt hat, obwohl ich schon gar nicht mehr damit gerechnet habe. Wie im richtigen Leben halt. Eine auch erst im Februar gesteckte Tulpenzwiebel blüht ebenfalls seit zwei Wochen auf dem Balkon – mitten im asiatischen Pflücksalat. Ich pflücke um sie herum. 😉 So habe ich noch ein bisschen frühen Frühling auf dem Balkon, nachdem die Tulpensaison im Garten sich jetzt doch dem Ende zuneigt. Die hatte ja lange angehalten mit dem Kälteeinbruch im April, aber jetzt gewinnen Flieder, Pfingstrosen und Bartiris die Oberhand. Das ist doch ganz gut zu wissen, dass man vergessene Blumenzwiebeln auch früh im Jahr noch setzen und auf ein gutes Ergebnis hoffen kann. Vielleicht bringt ein Kühlschrankaufenthalt den Durchbruch, wenn es schon zu warm ist? Sollte mein Zeitmanagement im kommenden Herbst wieder versagen, wird das mein nächstes Zwiebelexperiment.

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Frühling im Glas

Der Titel liegt auf der Hand und ist nicht sonderlich originell, aber was solls: Auf meiner Fensterbank grünt was, und das verbreitet Frühlingslaune. Draußen kommt und geht die besagte Laune nach Belieben, obwohl sich der Alpenrand bei dem Bombenwetter heute wirklich nicht beschweren konnte. Es waren Massen unterwegs, jeden zog es raus. Mich auch, wenn auch „nur“ in den Garten, wo ich Knospen an Haselnuss und Kornelkirsche und die ersten Krokusspitzen gefunden habe. Diese Krokusse sitzen schon ewig, aber in meinem Fundus lagen noch Blumenzwiebeln, die es im Herbst nicht mehr bis in die Erde geschafft hatten. Das hat die Tulpen, Muscari und Krokusse aber keineswegs vom Treiben abgehalten, woraufhin sie schon vor Wochen auf meine To-Do-Liste für ein Wochenende gewandert … und erst mal auf Wiedervorlage geblieben sind. Aber vor zwei Wochen oder so hat mich der Frühlingstatendrang ganz spontan erwischt, auch ohne To-Do-Liste. Sonne, blauer Himmel und laue Temperaturen rufen mir fast immer zu: „Do what!“. Also, jedenfalls so ungefähr. Mangels Bäumen zum Ausreißen – den Sommerflieder habe ich im Herbst schon gestutzt und der Garten ist noch ganz schön matschig – musste was Kreatives her. Kurz überlegt, und mir fiel was ein, was ich schon länger ausprobiert haben wollte: Blumenzwiebeln im Glas treiben.

muscariglas

Leere Gläser horte ich ein bisschen, muss ich zugeben, denn es kann doch schließlich immer sein, dass man sowas noch brauchen kann. Kann man ja auch, so wie das große Olivenglas hier. Bisschen Blähton rein (das geht auch mit Erde, hatte ich halt zufällig da), Traubenhyazinthe, Tulpe und Krokus einigermaßen drin verankern, mit Moos aus dem Garten abdecken (Schattengarten, deshalb massenhaft vorhanden), anfeuchten, ins helle und relativ kühle Zimmer stellen und dann abwarten. Letztes Wochenende war ich nicht da, drum konnte ich nicht jeden Tag ungeduldig gucken gehen, aber wie groß war meine Freude, als ich bei der Heimkehr das erste Grün und weiße Wurzeln entdeckt habe. Es erfüllt mich immer wieder mit Staunen, wie das Prinzip „Zwiebel“ funktioniert: Kaum stimmen die Faktoren so einigermaßen, kommen die Wurzeln und fast zeitgleich der grüne Austrieb. Irre. Die Muscari wachsen gut, dafür lässt sich Krokus und Tuple noch betteln, aber ich bin sehr gespannt, wie das kleine Experiment weiter verläuft. So lassen sich auch Kälte- und Nebeleinbrüche im Vorfrühling gut verkraften, denn mein persönliches Frühlingswunder steht ja jetzt auf der Fensterbank.