Sommer im Hexengarten: Maggi aus dem Beet

Seit ein paar Jahren habe ich Maggikraut im Garten, offiziell „Liebstöckl“ genannt. Es ist eins der ersten Kräuter, die im Frühjahr austreiben. Der Wintereinbruch machte mir in dieser Saison Sorgen, aber den Schneeschutz hätte ich mir wohl sparen können: Liebstöckl ist mehr oder weniger unverwüstlich. Wenn es sehr trocken ist, mag es schon mal eine Dusche und wenn es sehr nass ist, dann doch eher einen Regenschirm, bevor alles verfault, aber sonst ist das Zeug so ziemlich unkaputtbar. Sehr sympathisch, denn so grün ist mein Daumen nun auch wieder nicht, dass ich sämtliche Mimöschen unter den Pflanzen durchbringen würde. In meinem Garten muss man ein bisschen robust sein!Als Kind war Maggi für mich grundsätzlich braun und kam in einer Flasche mit einem gelb-roten Aufkleber daher. Die Flasche stand immer auf dem Tisch, wenn es Suppe gab. Immer, keine Ausnahme. Wenn doch, weil vergessen, sagte mein Vater: „Do mir mol den Maggi.“. Immer, ohne Ausnahme. Nach Betätigung der Flasche mit dem roten Spritzverschluss schauten mein Bruder und ich gespannt auf die Flaschenspitze, den Esslöffel im Anschlag, und warteten darauf, ob eine kleine Maggiblase aufstieg oder nicht. Wer die Blase zuerst mit dem Löffel erwischte und platzen ließ, hatte für dieses Mittagessen gewonnen. Wir sitzen nur noch selten zusammen am elterlichen Esstisch, mein Bruder und ich, aber wenn wir nicht gerade total abgelenkt sind, werden über den Tisch Blicke ausgetauscht und die Löffel gehen in Anschlag. Kindsköpfe halt.

Ich habe eine Flasche Maggi im Schrank als Notreserve für geschmacklose Zeiten, wenn eine Suppe oder auch mal eine Salatsoße total „lädschert“ sind und so einfach nicht auf den Tisch gebracht werden können. Sie wird relativ selten gebraucht, macht dann aber auch als Design-Objekt was her. Der Liebstöckl im Garten neigt derweil zum Wuchern und jedes Jahr stellt sich die Frage, was man mit dem vielen aromatischen Grünzeug machen soll. So viel Suppengrün braucht dann doch kein Mensch, und leider wird das Kraut beim Einfrieren nicht unbedingt besser, sondern eher matschig. Nach etwas Googelei kam ich irgendwann auf den Trichter, ein Kräutersalz oder auch mal ein Pesto draus zu machen. Für beide Varianten braucht man kleingehäckselten Liebstöckl. Beim Kräutersalz gebe ich auf ungefähr Salz dazu (ich meine, mein Ursprungsrezept sprach von Gewichtsverhältnis von 1 Teil Salz auf 5 Teile Kraut). Fürs Pesto gebe ich einfach Sonnenblumenöl drauf. Beides schmeckt total intensiv und unglaublich aromatisch. Beides macht sich richtig gut in Suppen, in Gemüse, zu Nudeln oder Gnocchi, oder auch mal nur auf dem Brot oder übers Käsebrot. Vor allem das Kräutersalz kann sehr sparsam dosiert werden, sonst wird es leicht mal zuviel. Aber das ist eine prima Möglichkeit, den Liebstöckl zu verwerten und zu konservieren, denn man hat wirklich lange was davon. In einer selbstgemachten Gemüsebrühenbasis kommt ein bisschen Maggikraut natürlich auch sehr gut.

Das „gewissen Tröpfchen Etwas“ mutiert zum „gewissen Löffelchen Etwas“ und steht dem berühmten Original in nichts nach. Doch, in einer Sache schon, denn für geschwisterliche Wettstreite am Mittagstisch taugt es leider nicht. Wie so oft im Leben kann man einfach nicht alles haben!

Dieser Beitrag wandert rüber zu Miris Blog-Event.

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Magie im Suppentopf

Nein, das ist kein Vertipper. Es ist NICHT die Rede von der bekannten Suppenwürze mit dem zweiten G und ohne das E am Ende, sondern von einem Suppenrezept, das ich vor fast genau einem Jahr gesehen habe. Kann Farbe magisch sein? Aber ja, unbedingt. Es sei denn, es handelt sich um blaue Gummibären. Wer hat sich das denn bitte einfallen lassen?! Ich glaube, die hätten mich noch nicht mal als Kind froh gemacht. Weiß nicht, ein richtiger Schlumpffan war ich auch nie. Mit der Farbe „Blau“ habe ich es anscheinend nicht so, außer, sie befindet sich am Himmel und wird vom Planeten angestrahlt. Wie auch immer, wir waren beim Thema der magischen Farben. Rotkohl oder Blaukraut – beim Namen scheiden sich ja nun die Geister, was mich aber nicht weiter stört, weil ich das Gemüse im Geiste sowieso nur als „Ruude Kappes“ bezeichne. Muttersprachlich bedingt, Ihr versteht. Mein Mann kannte das Wort „Kappes“ früher nur aus Millowitsch-Theaterstücken und schaute mich sehr seltsam an, als ich es zum ersten Mal in seiner Gegenwart im Zusammenhang mit rotem oder weißen Kohlköpfen verwendete. Es kann schon auch mal Blödsinn sein, einen Kohlkopf zu erwerben, aber eigentlich liegt man damit nie verkehrt. Wir sprechen schließlich vom deutschen Wintergemüse par excellence! Rotkohl kannte ich bis zu dem Offenbarungsmoment auf chocolateandonions nur als Gemüsebeilage zu Rind oder Wild, am besten kombiniert mit reichlich Kartoffelknödeln („Tuffelsklüüß“), aber als Suppe? Nie gehört. Was soll ich sagen, die Fotos ließen mich nicht mehr los und fielen mir neulich beim Abtauchen in die Tiefkühltruhe wieder ein, als mir eine Dose mit einem großzügigen Rotkohlrest in die steifen Finger fiel. Diesen Rotkohl hatte ich selbst gezüchtet, jawoll, der würde auf jeden Fall bis zum letzten, nein, bis zum allerletzten Fitzel verspeist werden, soviel war klar. Das ist Kochen, wie es mag: Ratzfatz einmal aufwärmen, Pürierstab reinhalten, Flüssigkeit nachgießen, bisschen Gemüsebrühwürfel zugeben, aufkochen, fertig. Wow. Lecker! Ich kann nur bestätigen, dass der Geschmack für eine Kohlsuppe sehr, sehr fein und ganz speziell ist. Und die Farbe erst! Macht sich auch an den Fliesen hinterm Herd relativ gut, aber das nur nebenbei. Farblich hätten sie auch zu den Johannisbeersaftflecken an der Decke gepasst…

Beweisfotos von der magischen Suppenschüssel bekommt Ihr leider keine, denn die Sahnespirale in meiner Suppe sieht so verwackelt aus, dass sie mich beinahe an die Schlange Kaa erinnert. Das will ich Euch nicht antun, genießt lieber die schönen Fotos auf Mandarinenfalters Blog und notiert auf Eurem Einkaufszettel für nächste Woche: Zutaten für Rotkohlsuppe. Es lohnt sich.

PS: Der Brühwürfel stammte übrigens auch nicht aus der Produktreihe mit dem bekannten Namen und dem gelb-roten Logo, also war das wirklich reine Magie. 😉

Zum Schluss noch eine Sonntagsimpression von meinem heutigen Winterspaziergang. Das ist für Dich, Sabine!

Huehner