Vom Umziehen und Ausschlagen

Der Mai ist nicht ganz ungefährlich mit den ausschlagenden Bäumen und der betörenden Maibowle. Beim Ausschlagen machen auch die Allerkleinsten schon mit, selbst wenn sie nur in einem großen Blumentopf wohnen. Darf ich vorstellen – einer der Zwerge aus dem Kastanienkindergarten vom vergangenen Jahr in voller Pracht. Für einen Puppenbiergarten würde das Blattgrün schon locker reichen.Kleine_Kastanie_2016Das waren die beiden Grünlinge im letzten Herbst, nachdem sie aus dem Gartenbeet in den Übergangstopf gewandert sind. Dazu musste ich den Spaten ansetzen ….

KastanieReisefertig_02… beherzt, aber vorsichtig, um die Herzwurzeln möglichst unbeschadet aus dem Boden zu bekommen.

KastanienwurzelBeide Bäumchen haben den Winter auf der Terrasse verbracht, geschützt, aber nicht zu sehr gepäppelt. Ein bisschen Schnee und Eis durfte es schon sein, die zwei sind ja nicht aus Zucker. Die  Schwesterkastanie ist vor ein paar Wochen ins neue Heim umgezogen, noch unbegrünt, aber die Lebensgeister waren schon deutlich erkennbar. Die Beschenkten meinten schon, au prima, dann könnten sie in 30 Jahren oder so am Rollator die ersten Kastanien sammeln. Das ist doch nicht die schlechteste Perspektive fürs Alter, würde ich meinen: Der Lebensabend unterm Kastanienschirm. Hat was.

Advertisements

Kastanienkindergarten

Kastanienkinder_01Sie benehmen sich wirklich fast wie kleine Kinder, die Zwillingsbäumchen im ehemaligen Erbsenquadrat in meinem Gemüsebeet. Die beiden drängeln und schubsen sich ein bisschen, dann stehen sie wieder einträchtig nebeneinander und strecken sich der Sonne entgegen. Das größere Geschwister will den Kohlrabi noch überholen, ganz klar, aber das wird wohl nichts mehr, denn der Herbst zeigt schon die ersten Spuren an den noch kräftig-grünen Blättern. Ach so, den Kohlrabi habe ich fürs Foto zur Seite gebogen, den sieht man nicht.

Kastanienkinder_02Bald kommt die Zeit des Abschieds, von den ersten Blättern und wohl auch vom kuscheligen Platz im Gartenbeet. Das größere Bäumchen schattiert den kleineren auch zu sehr auf die Dauer. Ich denke eigentlich, dass der Herbst die richtige Zeit zum Verpflanzen wäre oder was meint Ihr? Gute Plätze habe ich schon, jetzt hoffe ich nur noch, dass ich die beiden unbeschadet ausgraben kann für die erste und hoffentlich letzte große Reise in ihrem jungen Leben.Kastanienkinder_03

Wenn Ihr Tipps für die Reisevorbereitungen habt – gerne. Wie wurzeln Kastanien eigentlich?! Ich sehe schon, ich muss mich noch ein bisschen informieren, bevor ich den Spaten ansetze. Komisch, wie so grüne Zwerge das Verantwortungsgefühl fordern.

Her mit der Helmpflicht!

Die gute Nachricht ist, diese Art von Kopfschmerz ist zeitlich begrenzt, denn sie tritt eigentlich nur im September/Oktober eines jeden Jahres auf. Das aber mit schöner Regelmäßigkeit. Präventiv hilft eine gute Unterlage in Form einer fetten Schweinshaxe oder eines rotglänzenden Liebesapfels leider nur bedingt. Andererseits ist diese Art von Kopfschmerz verbunden mit Heißhunger vermutlich nur noch nervig, deshalb würde ich sagen, eine deftige Mahlzeit kann auf keinen Fall schaden. Wenn es dann passiert ist, bringt Aspirin allerdings auch nichts. Fragt die Bedienung lieber nach einem Eisbeutel, alternativ nach einer kalten Bier- oder Limoflasche. Das Kalte muss an die Beule. Ahhh, tut das gut, wenn das Biergarten-kopfweh nachlässt.

Einige dieser Tipps sind selbstverständlich auch auf das Münchner Oktoberfest anwendbar, aber soweit ich weiß, stehen auf der Theresienwiese keine der schmerzauslösenden Bäume rum. Nein, auf der Theresienwiese kommt massives Schädelweh normalerweise vom ungezügelten Biergenuss, von rumfliegenden Maßkrügen oder anderen Grobheiten. Und für jede Variante braucht man ungleich mehr Eisbeutel, bis der Schmerz nachlässt. … Groschen gefallen? Genau, ich rede von den reifen Kastanien, die es zur Zeit in den bayerischen und sonstigen klassisch bewachsenen Biergärten regnet. Eigentlich müssten die am Eingang Helme verteilen. Dass das Gesundsheitsamt, Ordnungsamt oder sonst ein Amt noch nicht auf die Idee gekommen sind? Oder irgendein findiger Biergartenwirt, wäre doch ein prima Marketing-Gag („Unser Bier macht kein Kopfweh, unser Biergarten momentan schon. Wir schützen Sie! Helme gratis!“). Kommt vielleicht noch, denn heuer tragen die Rosskastanien sehr reichlich – das dauert, bis da alles unten liegt.

Viele Kastanienbäume sind allerdings schon fast ohne Laub oder tragen nur noch verdorrte Blätter. Schuld daran dürfte wohl die Kastanienminiermotte sein, deren Larven die Blätter so nachhaltig schädigen, dass sie vertrocknen und zum Teil schon im Sommer abfallen. Dieses Foto habe ich Anfang September gemacht, pikanterweise in einem ehemaligen Biergarten. Die Bäume sind jetzt beinahe ganz kahl. Ein trauriger Anblick, vor allem, weil rundherum noch so viel Grünes steht. Kastanie_braunAber es gibt noch Enklaven, wie das nächste Foto beweist. Durch Zufall kam ich im heute im Nachbardorf am krassen Gegenteil einer schädlingsbefallenen Rosskastanie vorbei. Kastanie_buntHeureka! Ich habe schon lange keine so bunte und augenscheinlich gesunde Kastanie mehr gesehen. Toll. So sieht er aus, der Oktober. Und wenn er noch einen oder zwei sonnig-goldene Biergartentage abwirft, ist das umso schöner. Ich setze dann auch einen Helm auf. 😉