Sommer auf der Überholspur

Der Sommer überholt sich doch gerade irgendwie selber – was haben wir denn jetzt gerade,  noch Früh- oder schon Hochsommer? Die Linden blühen schon und zumindest in meinem Garten werden die Johannisbeeren reif, was laut Wikipedia Anzeichen für den Hochsommer wären, aber  … das kann doch gar nicht sein. Oder doch? Wir gehen ja auch schon wieder auf Sonnwend zu. Das fiel mir vor ein paar Tagen direkt unangenehm auf, weil allerorten die Sonnwendfeuer und -feiern per Straßenschilderwerbung angekündigt werden. Jetzt kann es aber sein, dass in Bayern diverse Feuer wegen der akuten Waldbrandgefahr abgesagt werden müssen. Trocken ist es wirklich, und das obwohl wir irgendwann neulich noch mal Regen hatten. Wind und  Sonne dörren alles aus, wenigstens im Garten. Der „richtigen“ Natur macht die Hitze augenscheinlich noch nicht so viel aus (von den trockenen Wäldern mal abgesehen). Die Temperaturen passen zu den Augusttagen meiner Erinnerung anstatt zum Juni, die Grünheit draußen aber schon. Da kennt sich doch keiner mehr aus …

Ich nehme Euch jetzt mal mit auf einen Morgenspaziergang. Da gibt es so viel zu sehen und zu erschnuppern. Esche und Ahorn, Büsche und Kraut sind grün, der Holler blüht und duftet, die Linden auch. Vor allem abends ist der Lindenduft überwältigend! Prächtig schauts aus, überreich in der ganzen Sommerfülle.

Die Schafgarbe blüht auch, ganz zierlich und versteckt am Rand einer Heuwiese. Die schöne gelbe Sonnenblüte kann ich leider überhaupt nicht richtig zuordnen. Ist das ein Habichtskraut?

Schafe_0617Die Schafe blühen natürlich nicht. Denen ist es einfach nur warm! Hoffentlich kommt der Scherer bald mal vorbei und befreit sie vom Pelz. Die Schafskälte ist doch schon lange rum …

Die ersten Beeren wachsen schon heran, hier wohl am Gemeinen Schneeball. An Sonnenplätzen blüht das Mädesüß und verströmt seinen lieblichen Sommerduft. An schattigeren Standorten ist die Blüte noch nicht so weit.

Am Getreide sieht man am besten, wie flott der Sommer in der letzten Zeit unterwegs war: Die Gerstenfelder färben sich ins Gelbe. Da ist der Kontrast zum Mohn und den Kornblumen gleich noch schöner. Unvergleich, so ein Landsommer, auch wenn er gerade ein ganz klein wenig vom Gas gehen könnte. Damit er länger anhält …

Heute, am Freitag, verlinke ich meinen Beitrag von Dienstag rüber zum dieswöchigen Naturdonnerstag von Ghislanas Jahreszeitenbriefe-Blog.

Da gibts noch viel mehr tolle Sommergeschichten.

Saisonale Einparkhilfe

Auf einmal hatte mein Stellplatz ein Upgrade und das ohne Aufpreis und ohne Gepiepse oder andere lästige Geräusche oder Blinkereien. Kornblume_ParkplatzEin Blick genügt: Die Kornblume weist mir den richtigen Abstand zum Garagentor. Wäre doch eine Idee, Parkplätze statt mit weißen Farbstreifen mit der Saison angepassten Blumenstreifen zu versehen. Die Natur, dein Freund und Helfer. 😉

Sommer bis zum Horizont

Auch wenn es sich nicht so anfühlt: Wir haben Sommer. Doch, wirklich. Und der sah in der letzten Zeit bei mir ganz in der Nähe je nach Wetterlage und Tageszeit so aus:

Klatschmohn_Berge_2016_ Hammer? Hammer.

Klatschmohn ist die Sommerblume schlechthin, und wenn ein ganzes Feld davon blüht, ja, dann muss es wohl Sommer sein.

Klatschmohn_Bäume_2016Bei der Masse glaube ich nicht an eine Selbstaussaat, sondern eher an ein Programm. Mal sehen, ob ich rausfinde, wem das außergewöhnliche Getreidefeld gehört, in dem neben dem Mohn auch Gerste und augenscheinlich Roggen wachsen. Das scheinbar endlose  Mohnfeld ist auf jeden Fall spektakulär, denn Spaziergänger und Radfahrer blieben in den letzten Tagen regelmäßig stehen und zückten Smartphone oder Kamera. Sowas sieht man eben nicht alle Tage, und außerdem versöhnt das „wilde“ rote Feld mit dem abwesenden klassischen Sommer. Aber er kann ja noch kommen – nächste Woche sollen die Temperaturen laut Wetterbericht ganz massiv steigen. In diesem Sinne wünsche ich Euch eine gute und wohltemperierte Woche.

Neulich bei Königs: So volksnah!

Die Majestätische hat meinen Garten in diesem Jahr verschmäht und sich lieber bei der Nachbarin angesiedelt. Auch gut oder eigentlich fast noch besser, denn sonst hätte ich vielleicht beim Morgenkaffee am Aussichtsfenster gar nicht bemerkt, wie sich das geflügelte Kleinvolk an den Brosamen aus den Blüten der hohen Dame gütlich tut.

Koenigskerze_Voegel_01Die Blaumeisen finden sich regelmäßig ein und wippen an den langen Stängeln, während sie emsig Samen aus den verblühten Blütenständen zupfen. Da lassen sich die Spatzen natürlich auch nicht lange bitten und kommen zum Stelldichein. Wie schön, dass die Königliche ihre Gaben so freigiebig mit dem Volke teilt. Koenigskerze_Voegel_02 Koenigskerze_Voegel_03Mein Kamerazoom ist leider etwas schwach auf der Brust. Sorry, das Paparazzi-razzo-razza-Dasein muss ich wirklich noch ein bisschen üben!

Mont blanc en miniature

Sauerklee_02Im Frühjahr hinkt man mit dem Fotomaterial doch immer hinterher, weil sich alles so schnell verändert. Diese kleinen „Mont blanc“ habe ich bestimmt schon vor zwei oder doch schon drei Wochen gefunden. Der Waldsauerklee (Oxalis acetosella) blühte so erfrischend fröhlich und ganz apart in Weiß mit violetten Streifen.

Der Sauerklee ist ein feiner Durstlöscher beim Waldspaziergang, ähnlich wie der Sauerampfer. Da kann man auch einfach mal eine Handvoll mitnehmen für die Salatschüssel. Wegen der Oxalsäure sollte man es nicht übertreiben, aber ich denke, man wird nicht so viel Sauerklee essen können oder wollen, dass er einem nicht bekommt. Er soll blutreinigend wirken, was ja durchaus das Ziel einer Frühjahrkur sein dürfte.

Sauerklee_01Ein Glückskleeblatt habe ich nicht gefunden, aber dafür habe ich Mitte der Woche zum ersten Mal den Kuckuck rufen hören! So viele Kinder hätte ich gar nicht kriegen können, wenn man der Anzahl seiner Rufe geglaubt hätte. Das hat man bei mir daheim jedenfalls früher gesagt, dass der Kuckuck die Anzahl der Kinder vorhersagt bzw. -ruft. Hierzulande hält man es eher mit den materiellen Dingen und empfiehlt das Schütteln des Geldbeutels zum Kuckucksruf. Hatte ich nicht dabei, deshalb habe ich ersatzweise mit dem Schlüsselbund geklimpert. Dann brauche ich dieses Jahr vielleicht wenigstens keinen Schlüsseldienst. 😉

Belauscht

Kiefer_Huflattich

Huflattich: „Hey, was machst’n du hier unten – habe ich dich nicht noch die Tage da oben am blauen Himmel gesehen?“

Kiefernstamm: „Ja, kann schon sein. Der blöde Sturm halt.“

Huflattich: „Abgestürzt, oder wie?!“

Kiefer_Rest Kiefer: „Haha. Bist ja ein echter Komiker.“

Huflattich: „‚Tschuldige, konnte ich mir nicht verkneifen. Ja, du, das ist ja voll bescheuert. Wie konnte das denn passieren?“

Kiefer: „Keine Ahnung. Es bläst, es pustet, ich biege mich so hin und her und auf einmal *KNACK* und es geht abwärts. Und jetzt liege ich hier und schau‘ blöd. Dann hat am Tag drauf so ein Typ eine Säge ausgepackt und mich durchgesägt. Jetzt liegt ein Teil von mir hier bei dir und der Rest auf der anderen Seite des Weges.“

Huflattich: „Hm. Und deine Basis steht noch und guckt in den Himmel. Die sieht aber auch nicht so glücklich aus …“

Kiefer: „Nein, tut sie nicht, aber was soll ich machen? Bin ja schließlich nicht mit Absicht abgebrochen. So eine Pfahlwurzel hält schon was aus, im Gegensatz zu den ganzen Flachwurzelweicheiern. Aber irgendwie hatte mein Stamm wohl eine Schwachstelle. Echt bescheuert. Dabei bin ich doch noch gar nicht sooo alt. Und morsch bin ich auch nicht!“

Kiefer_JahresringeHuflattich: „Nee, Dein Holz sieht eigentlich ganz frisch aus. Nur Deine Rinde ist so abgeplatzt. Muss das so sein?“

Kiefer: „Häh, wieso?“

Huflattich: „Na ja, ich dachte immer, Kiefern haben so eine dicke Borke mit ganz vielen Platten.“

Kiefer: „Ach so, ja, die alten Vettern schon, aber wie gesagt, ich bin grad mal so um die 20 Jahre oder sowas. Deshalb sehe ich noch so fuchsrot aus.“

Huflattich: „Ach so, alles klar. Irgendwie hast du so einen Tarnlook, sieht echt cool aus.“

Kiefer: „Danke. Tja, blöd, dass jetzt keine Weihnachtszeit ist. Sonst könnten sich meine Zweige wenigstens als Deko nützlich machen. Schade drum. Dabei hatte ich schon so schöne Zapfen gebildet für nächstes Weihnachten.“

Huflattich: „Ach, in irgendwelchen staubtrockenen Wohnzimmern rumzustehen ist doch auch doof. Da trocknest du vor dich hin, bis deine schönen langen Nadeln hinüber sind, und irgendwann landest du im Biomüll. Weißte was?“

Kiefer: „Nee. Aber du sagst es mir sicher gleich.“

Huflattich: „Wann treffen wir zwei uns schon mal, so Auge in Auge? Los, komm, erzähl mal, was da oben in den Baumkronen so alles abgeht. Kriege ich doch von hier unten überhaupt nicht mit, noch dazu, wo ich doch so kurzsichtig bin. Dafür erzähle ich dir, was bei uns Waldbodenbewohnern so passiert ist die letzten Jahre. Es ist sowas von öde, weil außer mir ja kaum einer da ist. Alle noch im Winterschlaf. Die paar Gräser da neben dir sind voll die Langweiler, die Stories kenne ich alle schon. Und kaum kommt ein Reh vorbei, schreien die: „Hier! Friss mich!“ Voll bekloppt, wenn du mich fragst. Also, was sagst du?“

Kiefer: „Hast eigentlich Recht. Passiert ist passiert. Ich bin ja nicht das einzige Sturmopfer, wenn ich mich so umschaue… Also, dann leg mal los … sag mal, wo sind eigentlich Deine Blätter, stehst du immer so nackig in der Gegend rum?! Ihr habt ja echt Nerven hier unten …“