Vogelwilde Aussicht

Hochsitze haben unbestrittene Vorteile, auch wenn sie oft ziemlich unbequem sind. Da sitzt man über den Dingen, der Welt entrückt mitten im Grünen mit einer wunderbaren Aussicht in der Landschaft und kann die Gedanken schweifen lassen.

Vogelkirsche_KontrastAn diesem frühen Abend sah man die Berge in der Ferne, ein ganzes Panorama, das ich mit dem Fernglas von rechts nach links und links nach rechts immer wieder angeschaut habe. Sensationell, nur leider sieht man das auf dem Foto nicht ganz so gut. Da müsst Ihr Euch halt so eine Menge sonnenbeschienener Gipfel vorstellen.

Nach dem ersten Fernblick nahm ich meine nähere Umgebung in Augenschein und stellte erfreut fest, dass sich mein luftiger Ansitz inmitten einer Vogelkirsche befand. Mit Früchten! Vogelkirsche_nahDie Sonne stand ungünstig fürs Handyfoto, aber man kann die Kirschen erkennen, oder? Die sehen hier so riesig aus, aber das waren sie nicht. Leider waren die meisten auch schon vertrocknet und hingen als Trockenkirsche am Baum. Ich habe mich dennoch gefreut, denn ich habe seit Ewigkeiten keine Vogelkirschen mehr gesehen. Das war ein schöner Abendsitz in Gesellschaft von alter Bekanntschaft.Gleichzeitig kam ich ins Sinnieren, woher das Wort „vogelwild“ eigentlich stammt. Im Bayerischen ist gern mal was „vogelwuid“ und das heißt dann ungefähr so viel wie „total chaotisch“. Kennt Ihr das Wort auch? Ich habe es erst in Süddeutschland kennengelernt. So gesehen stimmt die Überschrift natürlich nicht, denn chaotisch war da gar nichts. Aber viele Vögel waren da. Dann passt es ja irgendwie doch wieder.

Die Wilde Kirsche wandert heute zu Ghislanas Baumsammlung  Mein Freund, der Baum.

Falsches Stockwerk!

In amerikanischen Filmen gibts doch manchmal die Liftboys, die den Aufzug per Druck auf den richtigen Knopf zielsicher zum richtigen Stockwerk befördern. Tja, sowas hätte dem Baumstammhämmerer hier auch ganz gut getan, denn irgendwie sieht es so aus, als ob sich da ein Specht ganz massiv im Stockwerk vertan hätte. 😉Spechtschaden

Vielleicht war es auch ein Hackseminar für nicht schwindelfreie Spechtschüler, das an dieser toten Fichte stattgefunden hat. Jedenfalls führten keinerlei Fährten im Schnee direkt an den Ort der Verwüstung, deshalb müsste es ein geflügelter Täter gewesen sein, der hier Aggressionsabbau oder Übungsstunden betrieben hat.  Ein Specht scheint mir am wahrscheinlichsten, aber vielleicht habt Ihr noch eine andere Theorie?

Dreikönigsschmuck und Neujahrsruhe

BuchenpilzSeid Ihr geruhsam ins neue Jahr gestartet? Nach Dreikönig und den Rauhnächten kehrt der Alltag langsam wieder ein und wie jedes Jahr nehme ich mir vor, die Neujahrsruhe möglichst lange zu bewahren. Dieses Naturmandala habe ich neulich an einer Buche gefunden. Ich weiß nicht genau, was für ein Baumpilz es ist – eine Schmetterlingstramete vielleicht? Mandalas weisen den Weg nach innen, und so deute ich mein Fundstück als ein gutes Zeichen für 2016. Ich wünsche Euch ein feines, erlebnisreiches neues Jahr mit inspirierenden Begegnungen und neuen Abenteuern.

Adventsmandala in Eiche

Roteichen_MandalaDie seltsam großen Eichenblätter sind mir schon im vergangenen Herbst an einer bestimmten Stelle im Wald aufgefallen, dann aber wieder gedanklich entfallen. Diesen Herbst habe ich Beweisstücke aufgesammelt und ein paar Bücher gewälzt. Auf dem Foto sehen die großen Blätter gar nicht sooo groß aus, aber die waren länger als meine Hand. Riesenteile, eigentlich gar nicht typisch Eiche. Aber die Blattform spricht eindeutig dafür, außerdem musste es ein Kulturbaum in der Forstwirtschaft sein. Des Rätsels Lösung: Es handelt sich um eine Amerikanische Spitzeiche oder auch Roteiche (Quercus rubra), die da ihre Blätter abgeworfen hat. Diese Eichenart wird tatsächlich in der Forstwirtschaft verwendet, weil sie unter anderem etwas weniger anspruchsvoll und vor allem schnellwüchsiger als unsere gute alte deutsche Eiche ist. Die Farben waren viel intensiver in Rot und Gelb, aber leider sind meine Exemplare so schnell trocken geworden. Ob der Neubürger bewusst an diese Stelle gepflanzt wurde oder ob ein Eichelhäher sie dort angesiedelt hat, kann ich nicht genau sagen.  Der Standort kommt mir ein bisschen seltsam vor, weil der Baum ziemlich von Fichten umringt ist. Allerdings habe ich eben gelesen, dass die Roteichen gern als Brandschutz in Nadelwäldern gepflanzt werden, weil die stark säurehaltigen Blätter die Vegetation knapp halten und damit etwaigen Feuern die Nahrung entziehen. Ein interessanter Aspekt. Jedenfalls schaue ich im Frühjahr wieder vorbei, damit ich den Baum auch einmal bewusst in Grün sehe.

Einen schönen ersten Adventssonntag und einen guten Einstieg in die Adventszeit!

Mont blanc en miniature

Sauerklee_02Im Frühjahr hinkt man mit dem Fotomaterial doch immer hinterher, weil sich alles so schnell verändert. Diese kleinen „Mont blanc“ habe ich bestimmt schon vor zwei oder doch schon drei Wochen gefunden. Der Waldsauerklee (Oxalis acetosella) blühte so erfrischend fröhlich und ganz apart in Weiß mit violetten Streifen.

Der Sauerklee ist ein feiner Durstlöscher beim Waldspaziergang, ähnlich wie der Sauerampfer. Da kann man auch einfach mal eine Handvoll mitnehmen für die Salatschüssel. Wegen der Oxalsäure sollte man es nicht übertreiben, aber ich denke, man wird nicht so viel Sauerklee essen können oder wollen, dass er einem nicht bekommt. Er soll blutreinigend wirken, was ja durchaus das Ziel einer Frühjahrkur sein dürfte.

Sauerklee_01Ein Glückskleeblatt habe ich nicht gefunden, aber dafür habe ich Mitte der Woche zum ersten Mal den Kuckuck rufen hören! So viele Kinder hätte ich gar nicht kriegen können, wenn man der Anzahl seiner Rufe geglaubt hätte. Das hat man bei mir daheim jedenfalls früher gesagt, dass der Kuckuck die Anzahl der Kinder vorhersagt bzw. -ruft. Hierzulande hält man es eher mit den materiellen Dingen und empfiehlt das Schütteln des Geldbeutels zum Kuckucksruf. Hatte ich nicht dabei, deshalb habe ich ersatzweise mit dem Schlüsselbund geklimpert. Dann brauche ich dieses Jahr vielleicht wenigstens keinen Schlüsseldienst. 😉

Belauscht

Kiefer_Huflattich

Huflattich: „Hey, was machst’n du hier unten – habe ich dich nicht noch die Tage da oben am blauen Himmel gesehen?“

Kiefernstamm: „Ja, kann schon sein. Der blöde Sturm halt.“

Huflattich: „Abgestürzt, oder wie?!“

Kiefer_Rest Kiefer: „Haha. Bist ja ein echter Komiker.“

Huflattich: „‚Tschuldige, konnte ich mir nicht verkneifen. Ja, du, das ist ja voll bescheuert. Wie konnte das denn passieren?“

Kiefer: „Keine Ahnung. Es bläst, es pustet, ich biege mich so hin und her und auf einmal *KNACK* und es geht abwärts. Und jetzt liege ich hier und schau‘ blöd. Dann hat am Tag drauf so ein Typ eine Säge ausgepackt und mich durchgesägt. Jetzt liegt ein Teil von mir hier bei dir und der Rest auf der anderen Seite des Weges.“

Huflattich: „Hm. Und deine Basis steht noch und guckt in den Himmel. Die sieht aber auch nicht so glücklich aus …“

Kiefer: „Nein, tut sie nicht, aber was soll ich machen? Bin ja schließlich nicht mit Absicht abgebrochen. So eine Pfahlwurzel hält schon was aus, im Gegensatz zu den ganzen Flachwurzelweicheiern. Aber irgendwie hatte mein Stamm wohl eine Schwachstelle. Echt bescheuert. Dabei bin ich doch noch gar nicht sooo alt. Und morsch bin ich auch nicht!“

Kiefer_JahresringeHuflattich: „Nee, Dein Holz sieht eigentlich ganz frisch aus. Nur Deine Rinde ist so abgeplatzt. Muss das so sein?“

Kiefer: „Häh, wieso?“

Huflattich: „Na ja, ich dachte immer, Kiefern haben so eine dicke Borke mit ganz vielen Platten.“

Kiefer: „Ach so, ja, die alten Vettern schon, aber wie gesagt, ich bin grad mal so um die 20 Jahre oder sowas. Deshalb sehe ich noch so fuchsrot aus.“

Huflattich: „Ach so, alles klar. Irgendwie hast du so einen Tarnlook, sieht echt cool aus.“

Kiefer: „Danke. Tja, blöd, dass jetzt keine Weihnachtszeit ist. Sonst könnten sich meine Zweige wenigstens als Deko nützlich machen. Schade drum. Dabei hatte ich schon so schöne Zapfen gebildet für nächstes Weihnachten.“

Huflattich: „Ach, in irgendwelchen staubtrockenen Wohnzimmern rumzustehen ist doch auch doof. Da trocknest du vor dich hin, bis deine schönen langen Nadeln hinüber sind, und irgendwann landest du im Biomüll. Weißte was?“

Kiefer: „Nee. Aber du sagst es mir sicher gleich.“

Huflattich: „Wann treffen wir zwei uns schon mal, so Auge in Auge? Los, komm, erzähl mal, was da oben in den Baumkronen so alles abgeht. Kriege ich doch von hier unten überhaupt nicht mit, noch dazu, wo ich doch so kurzsichtig bin. Dafür erzähle ich dir, was bei uns Waldbodenbewohnern so passiert ist die letzten Jahre. Es ist sowas von öde, weil außer mir ja kaum einer da ist. Alle noch im Winterschlaf. Die paar Gräser da neben dir sind voll die Langweiler, die Stories kenne ich alle schon. Und kaum kommt ein Reh vorbei, schreien die: „Hier! Friss mich!“ Voll bekloppt, wenn du mich fragst. Also, was sagst du?“

Kiefer: „Hast eigentlich Recht. Passiert ist passiert. Ich bin ja nicht das einzige Sturmopfer, wenn ich mich so umschaue… Also, dann leg mal los … sag mal, wo sind eigentlich Deine Blätter, stehst du immer so nackig in der Gegend rum?! Ihr habt ja echt Nerven hier unten …“