Recycling auf Lateinisch

Ich benutze diesen Kaffeebecher aus einer Bäckereikette schon seit einem Jahr als Mixbecher fürs Vogelfutter, aber erst neulich habe ich den Aufdruck so richtig registriert.

pane_bavariaBayerisches Brot für bayerische Piepmätze, das ist doch nett. Wobei, stimmt das grammatikalisch überhaupt? Meine Güte, wie habe ich nur das Abi mit Latein bestanden … Brot gibts bei uns aber keins im Futterhäuschen, sondern nur Sonnenblumen- und Erdnusskerne gemischt mit Haferflocken. Ab und zu gibt es auch den obligatorischen Meisenknödel. Normalerweise mache ich das Fettfutter selber, aber diesen Winter fehlte mir die Zeit dazu. Dann muss es mal was Gekauftes tun. Die Haferflocken schmeißen die Spatzen meistens erst mal raus. Die Feinschmecker picken sich anscheinend lieber  auch die gehaltvollen Kerne raus, so wie die Kohl- und Blaumeisen. Später sind die Haferflocken aber trotzdem weg. Ab und zu höre ich ein zartes Piepsen, das es in unserem Garten nur im Winter zu hören gibt – das Rotkehlchen ist wieder da. Ich finde es jedes Jahr aufs Neue total erstaunlich, wie sich die Kunde vom Lieblingsfutter in der Gegend verbreitet. Haben Vögel Buschtrommeln?! Das Rotkehlchen jedenfalls mag die verschmähten Haferflocken recht gern. Naja, die Spatzen nehmen sie schon auch. Aber nur, so lange es nichts Besseres gibt. Es gibt halt nix Besseres als wia was Guads. 😉

Halloween Summer

Der Sommer ist dieses Jahr ja schon ein ganz klein bisschen gruselig mit dem ständigen Hin und Her zwischen Heiß und Kalt, Nass und Trocken, Sonne und Wolken. Mir kommt es so vor, als ob alle Jahreszeiten sich in diesen Sommer 2016 hineingewürfelt hätten. Nur Schnee hatten wir noch keinen! Obwohl, stimmt auch nicht ganz – auf der Zugspitze hats diesen Sommer auch schon geschneit, wenn ich mich recht erinnere. Aktuell haben wir die wohl heißeste Woche und ganz pünktlich dazu werden die Kürbisse reif. Was sagt man dazu? Kuerbis_reif_2016Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich finde das ein bisschen verrückt. Heute konnte ich bei strahlendem Sonnenschein und ostwindgekühlter Augusthitze die ersten … Kürbisse ernten. Lag es am Frühbeet mit Frühjahrs-Kuschelfaktor, dass die Ernte gefühlt ziemlich früh ansteht?

Kuerbisernte_2016.jpgDie Gemüsehändlerin sagte am Wochenende auch, dass die Kürbisse dieses Jahr früh dran seien. Den nahenden Herbst spürt man schon deutlich (und die ersten Blätter fallen bereits!), aber trotzdem ist mir noch nicht so ganz nach Halloween. Was solls – nachdem die Zucchini einen Totalausfall hingelegt haben, kommen die kleinen Brummer in Orange gerade recht. Man sollte doch einfach das Beste aus diesen verrückten Zeiten machen, im Garten und überhaupt.

Glänzt durch Abwesenheit

Müsste ich dieses Jahr in meinem Garten Zeugnisse austeilen, dann würde genau das in der Bewertung von Angelika Engelwurz stehen: Glänzt durch Abwesenheit, ist nicht da. Ja, wo isse denn? Wenn ich das wüsste! Irgendwann im Frühsommer fiel mir die Lücke am Gartenzaun unangenehm auf. Da war doch sonst was, ein Mordsdrumding an Pflanze mit einer riesigen Blütenkugel und einem  Blütenstängel mit bambusartigen Ausmaßen – ein halber Baum. Weg. Irgendwas war passiert, aber was?Angelika_2014_2Der heiße Sommer 2015 hatte ihr zugesetzt, das habe ich meinem Post Wilde Gartenecken nachlesen können. Ich erinnere mich auch wieder, dass die wirklich extrem große Pflanze nach der spektakulären Blütezeit sehr schnell in sich zusammengesackt war, aber ich dachte damals, die erholt sich wieder und treibt im Frühjahr wieder durch. Allerdings war sie in den Jahren davor mehr oder weniger immergrün gewesen – nicht so letztes Jahr. Ihre Blätter waren im Herbst komplett abgestorben. Jetzt dämmert mir langsam, dass die Engelwurz gar keine dauerhafte Pflanze ist. Das Internet gibt ihr 2 – 4 Jahre; meine wurde 3 Jahre alt, glaube ich. Da war ich ja noch gut dabei. Jungpflanzen habe ich noch keine entdeckt, aber vielleicht hat sich der Nachwuchs unter dem derzeit dichten Bewuchs mit Beifuß, Himbeere, Gilbweiderich, Berufkraut und Giersch versteckt. Das schaue ich mir im Herbst genauer an. Es wäre doch schön, wenn ich im kommenden Jahr wieder ein Fräulein Engelwurz in meiner Gartenklasse begrüßen dürfte. Ihr imposantes Strahlen fehlt mir ein bisschen.

Vom Umziehen und Ausschlagen

Der Mai ist nicht ganz ungefährlich mit den ausschlagenden Bäumen und der betörenden Maibowle. Beim Ausschlagen machen auch die Allerkleinsten schon mit, selbst wenn sie nur in einem großen Blumentopf wohnen. Darf ich vorstellen – einer der Zwerge aus dem Kastanienkindergarten vom vergangenen Jahr in voller Pracht. Für einen Puppenbiergarten würde das Blattgrün schon locker reichen.Kleine_Kastanie_2016Das waren die beiden Grünlinge im letzten Herbst, nachdem sie aus dem Gartenbeet in den Übergangstopf gewandert sind. Dazu musste ich den Spaten ansetzen ….

KastanieReisefertig_02… beherzt, aber vorsichtig, um die Herzwurzeln möglichst unbeschadet aus dem Boden zu bekommen.

KastanienwurzelBeide Bäumchen haben den Winter auf der Terrasse verbracht, geschützt, aber nicht zu sehr gepäppelt. Ein bisschen Schnee und Eis durfte es schon sein, die zwei sind ja nicht aus Zucker. Die  Schwesterkastanie ist vor ein paar Wochen ins neue Heim umgezogen, noch unbegrünt, aber die Lebensgeister waren schon deutlich erkennbar. Die Beschenkten meinten schon, au prima, dann könnten sie in 30 Jahren oder so am Rollator die ersten Kastanien sammeln. Das ist doch nicht die schlechteste Perspektive fürs Alter, würde ich meinen: Der Lebensabend unterm Kastanienschirm. Hat was.

Aus eins mach zwei

Jahrzehntelang habe ich eine Art Hassliebe zu Tulpen gepflegt. Boah, nee, so piefig und laaangweeeiiilig, noch dazu im frühen Frühjahr dermaßen inflationär in jedem Supermarkt am Eingang zu haben, nee, kein Like, mochte ich nicht. Ich werde älter. Oder so. Oder mein Geschmack hat sich einfach verändert. Oder so. Seitdem ich einen Garten habe und vor Jahren ein paar Tulpenzwiebeln gesetzt habe, freue ich mich aufs Tulpenfrühjahr. Und kaufe mir doch den einen oder anderen Strauß, einfach zur Gaudi und als Farbtupfer in der Hütte, wenn die Sonne sich mal wieder bitten lässt. Die Gartentulpen sind eine ganz andere Liga, meine jedenfalls, denn die Blütenkelche werden bei mindestens zwei Sorten mit der Zeit immer größer. Sowas habe ich vorher nie bewusst wahrgenommen, aber wie gesagt, es kann auch einfach an der Sorte liegen. Ich kaufe sowas fast nie gezielt, sondern habe die wahrscheinlich irgendwann mal irgendwo mitgenommen, weil mir die Farben gefallen haben. Meine Lieblingstulpe habe ich schon in einem älteren Tulpenpost gezeigt, aber die gelb-rote-orange Variante entwickelt sich zu einem heimlichen zweiten Liebling, denn da haben die Züchter augenscheinlich zwei Blumen in eine Zwiebel gepackt.

  • Stufe 1: Normale Tulpe (habe gerade kein Foto da, aber Ihr glaubt mir das hoffentlich aus so).
  • Stufe 2: Windradtulpe!

WindradtulpeDie Blüte sieht wie eine ganz andere Blume aus. Ich finde das toll. Da soll noch mal einer sagen, Tulpen wären piefig und langweilig. 😉