Vogelwilde Aussicht

Hochsitze haben unbestrittene Vorteile, auch wenn sie oft ziemlich unbequem sind. Da sitzt man über den Dingen, der Welt entrückt mitten im Grünen mit einer wunderbaren Aussicht in der Landschaft und kann die Gedanken schweifen lassen.

Vogelkirsche_KontrastAn diesem frühen Abend sah man die Berge in der Ferne, ein ganzes Panorama, das ich mit dem Fernglas von rechts nach links und links nach rechts immer wieder angeschaut habe. Sensationell, nur leider sieht man das auf dem Foto nicht ganz so gut. Da müsst Ihr Euch halt so eine Menge sonnenbeschienener Gipfel vorstellen.

Nach dem ersten Fernblick nahm ich meine nähere Umgebung in Augenschein und stellte erfreut fest, dass sich mein luftiger Ansitz inmitten einer Vogelkirsche befand. Mit Früchten! Vogelkirsche_nahDie Sonne stand ungünstig fürs Handyfoto, aber man kann die Kirschen erkennen, oder? Die sehen hier so riesig aus, aber das waren sie nicht. Leider waren die meisten auch schon vertrocknet und hingen als Trockenkirsche am Baum. Ich habe mich dennoch gefreut, denn ich habe seit Ewigkeiten keine Vogelkirschen mehr gesehen. Das war ein schöner Abendsitz in Gesellschaft von alter Bekanntschaft.Gleichzeitig kam ich ins Sinnieren, woher das Wort „vogelwild“ eigentlich stammt. Im Bayerischen ist gern mal was „vogelwuid“ und das heißt dann ungefähr so viel wie „total chaotisch“. Kennt Ihr das Wort auch? Ich habe es erst in Süddeutschland kennengelernt. So gesehen stimmt die Überschrift natürlich nicht, denn chaotisch war da gar nichts. Aber viele Vögel waren da. Dann passt es ja irgendwie doch wieder.

Die Wilde Kirsche wandert heute zu Ghislanas Baumsammlung  Mein Freund, der Baum.

Achtsam, jetzt aber flott

Nein, das ist keine Empfehlung, im Schweinsgalopp durch die Achtsamkeit zu rasen. Das wäre ja nun auch ein Widerspruch in sich. Nein, ich bemerke einfach nur, dass die Zeit rast, das Frühjahr voranschreitet und mein Achtsamkeitsbaum von Woche zu Woche grüner wird.

Neulich noch Schwarznuss im Schnee, aber da weiß ich gerade nicht, wo die Fotos sind. Jedenfalls, da war der Austrieb noch zaghaft und wurde durch die Kälte wohl einfach aufgehalten, aber im Gegensatz zu den Walnussbäumen im Ort hat der Frost der Schwarznuss nicht viel ausgemacht. Ein paar Tage später wurde die ganze Angelegenheit schon wesentlich grüner, wie man auf den Fotos erkennen kann, und die (männlichen?) Blüten kamen gleich mit dazu. Die Krone sah aber immer noch ziemlich kahl aus, da schimmerte noch viel blauer Himmel durch die Äste.

Letzte Woche dann wieder ein ganz anderes Bild: Die Schwarznuss ist im Frühling angekommen und hat es augenscheinlich eilig: Begrünung im Schweinsgalopp.

Black_Walnut_gesamt_0517

Zwischen den Fotos liegen ungefähr 9 Tage. Nach dem Kälteeinbruch schien der Baum erst mal in einer Art Schockstarre abzuwarten, ob es nicht doch noch einmal kalt wird. Da hat sich über Tage hinweg kaum etwas bewegt, zumindest nicht für das bloße Auge. Aber wie gesagt, erfroren war nichts – die Schwarnuss scheint hart im Nehmen zu sein.

Die Walnussbäume im Ort dagegen haben sichtlich gelitten und mussten weitestgehend noch einmal von vorne anfangen.

Black_Walnut_Walnuss_Vergleich_0517

Das Wimmelbild mit Nussbäumen zeigt ganz links außen „meine“ Schwarznuss und ganz rechts einen Walnussbaum. Gut, davon abgesehen, dass die Walnussblätter ohnehin dunkler sind, kann man aber einigermaßen gut erkennen, dass der Schwarznussaustrieb weiter gediehen ist. Vielleicht ist die Schwarznuss aufgrund der geographischen Herkunft nicht gar so kälteempfindlich.

Nüsse liegen auch noch rum. Vor einiger Zeit habe ich auch mal mitten im Dorf eine gefunden, wahrscheinlich von einer entnervten Krähe fallen- und liegengelassen. Diese hier ist zumindest einigermaßen geknackt.Schwarznuss_Schale_042017Wie heißt es doch so schön: Nur die Harten kommen in den Garten. Da ist was dran …

Magnolienfrühling

Wir sind hier ja beinahe in Norditalien ;-), da verwundert der Anblick einer überreichen Magnolienblüte vielleicht nicht unbedingt, aber beeindruckend ist sie trotzdem.Rie-sen-blüten, unglaublich. Meine Schwiegereltern haben eine Magnolie vorm Haus. Die macht echt was her, macht aber auch viel Arbeit, wenn im Frühjahr die Blütenblätter fallen und im Herbst dann das Laub. Da braucht es einen guten Besen und ordentlich Schmalz in den Armen, auch mehrfach am Tag. Hier lag auch schon eine Menge Zeug am Boden, denn diese Magnolienblüte geht schon dem Ende zu. Das kommt mir so früh vor, oder täusche ich mich? Vielleicht liegt es nur an dem geschützten Platz, an dem der Baum steht, aber vielleicht war es auch zu schnell zu warm. Oder ich hinke dem Frühjahr gefühlsmäßig hinterher. 😉 Jedenfalls war das ein superschönes Frühjahrswochenende mit vorsommerlichen Temperaturen. Da bin ich gespannt, ob wir die Ostereier nächste Woche im Tiefschnee suchen werden.

Achtsam und batteriesparend unterm Märzmond

Taschenlampe überflüssig, denn es war taghell neulich beim Märzvollmond. Nach dem letzten Hundegassi bin ich noch mal heim und habe die Kamera geholt, um die Schwarznuss im Vollmond abzulichten.

BlackWalnut_Vollmond

Wie anders die Stimmung doch bei Vollmond ist. Es war absolut still, nichts rührte sich, bis auf die Pferde auf der Koppel neben der Schwarznuss. Ein Traum, hier noch mal mit Purpurstich.

BlackWalnut_Vollmond_Purple

Direkt unter der Schwarznuss gibt es übrigens auch ein Pferd, aber das bewegt sich wohl nur in der Fantasie der kleinen Reiter. Obwohl, bei Vollmond … wer weiß, ob es da nicht doch manchmal im Mondlicht die Freiheit genießt und eine Runde dreht.

BlackWalnut_Vollmond_Pferd

Achtsamkeit bei jedem Wetter

Das klingt jetzt nach Strebertum beim Achtsamsein, aber ich kann Euch versichern, dass ich phasenweise sowas von unachtsam und zerstreut und abgelenkt bin, dass es quasi auf keine Kuhhaut geht. 😉 Und wenn ich dann mal achtsam bin, habe ich meistens keine Kamera dabei, um es zu dokumentieren! Vor ein paar Tagen habe ich es aber doch mal geschafft und die Schwarznuss abgelichtet, die mich dieses Jahr begleiten soll. Wieso, weshalb, warum? Das gibt es hier bei Mirjam und der Haselmaus nachzulesen. Zeit für längere Meditationen bleibt normalerweise nicht, aber die paar Minuten am und um den Baum herum (meistens in wild schnüffelnder und hektischer Hundebegleitung) bringen tatsächlich einen Ruhemoment in den Alltagswahnsinn. Danke, Miri. 🙂

Das ist die Baumkrone, leider bei schlechtem Wetter, aber der Kontrast hat auch seinen Reiz. Man beachte den Piepmatz auf und die Mistel in der Krone.

Weiter unten gibt es noch eine Mistel. Die Zweige sind sehr verästelt, scheint mir, und das gibt dem Baum ein charakteristisches Aussehen. Was mir ohne Claudia vom Claudias Beitrag auf kraeuterklatsch.de und ihren Kommentar zu meinem Nussherz vermutlich gar nicht aufgefallen wäre , weil ich den Baum im Vorbeigehen immer für eine WALnuss gehalten hatte. Wie war das Thema noch mal? Ach ja: Achtsamkeit. 😉

Unterm Baum schauts aus bei Hempels unterm Sofa und wer genau hinsieht, erkennt auf dem (schlechten) Foto vielleicht auch die Schwarznuss, die da noch liegt. Genauer gesagt lagen noch viele Nüsse unter dem Baum. Das ist ja die Strategie der Natur, die Nüsse irgendwann doch noch knackbar zu machen. Ich habe es bei einer probiert mit dem normalen Nussknacker – keine Chance.

So sieht die Wetterseite vom Stamm aus. Die Rinde ist auch sehr charakteristisch und irgendwie knorrig. Das Moos federt die harten Furchen optisch ein bisschen ab, findet Ihr nicht? Eine schöne Vorstellung, auch für das Leben ganz allgemein: Es gibt immer etwas Schützendes, das das Harte ein Stück weit nimmt.

Zum Schluss – man verzeihe mir die unscharfe Nahaufnahme, aber dafür ist meine Kamera nicht gemacht – noch ein Bild mit blauem Himmel und den ersten vorsichtigen Knospen. Wie ist das, der Nussbaum kommt als Letzter und geht als Erster? Da war doch was, das habe ich mal so oder ähnlich gehört. Ich bin gespannt, ob die Schwarznuss wirklich erst als einer der letzten Gäste zur Frühjahrsparty kommt oder ob das auch wieder nur so ein Vorurteil ist.

Januarfeuer und Jahresmotto

Angeblich ist es noch bis zum 15. Januar okay, jemandem ein gutes neues Jahr zu wünschen. Das habe ich wenigstens am Wochenende so in der Zeitung gelesen, und zwar im Jobteil bei den Karrieretipps. Haben die Leute Probleme! Aber dann liege ich noch gut in der Zeit nach meinem ersten Arbeitstag nach der staaden Winterpause: Ein gutes, gesundes und liebevolles neues Jahr wünsche ich Euch! Ja, liebevoll, genau. In der Zeit der Rauhnächte habe ich das Walnussherz gefunden und denke, das ist ein Zeichen für mein Jahresmotto, nämlich den liebevolleren und rücksichtsvolleren Umgang mit mir selbst (und natürlich auch anderen) zu pflegen. Achtsam sein, eigene Grenzen erkennen und anerkennen. Das könnte meine Jahresaufgabe sein, an die mich das Herz in der rauhen Schale erinnern will.

walnussherzWie sieht es bei Euch aus? Habt Ihr Euch auch in der Rauhnachtzeit ein bisschen nach innen orientiert und reingehört, was so los ist und was vielleicht ansteht? Ich war nicht so konsequent und dauermeditativ, wie sich das jetzt vielleicht anhört, aber ich habe die ruhigen Tage nach dem Weihnachtswahnsinn sehr genossen. Das Walnussherz liegt auf meinem Schreibtisch und erinnert mich immer wieder daran, nach innen zu horchen. Also, zumindest dann, wenn ich im Home Office bin. 😉 Manchmal bringt es mich auch einfach nur zum Lächeln, und das ist ja auch eine schöne kleine Pause im täglichen Betrieb, der bei mir seit heute wieder anläuft.

Am Samstagmorgen sah ich zufällig dieses Januarfeuer, das mich auch mit Hoffnung und Vorfreude auf das Jahr erfüllt hat. Für einen ganz kurzen Moment war der Himmel offen und blau, und der Wald spiegelte den Sonnenaufgang in tiefen Farbtönen, die für den Januar eigentlich untypisch sind.

januarfeuer_2017Es ist alles da, was wir brauchen. Ein beruhigender Gedanke.

Oktoberfarben nachgereicht

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Ich bin schon wieder zu spät dran, denn die Fotos zeigen noch Oktoberfarben aus ein paar Tagen Österreichurlaub, wo ich in einer Schmuckwerbung das Gibran-Zitat entdeckt habe. Unser November ist trotz Kälteeinbrüchen mit Schnee eigentlich noch ziemlich mild, drum traue ich mich noch, sie zu zeigen. Es macht Spaß, die Welt unter dem Motto „Himmelsgedicht“ zu betrachten. Das war auch eine schöne Achtsamkeitsübung!