Kerniger Extremsportler

Sie sind schon wieder vorbei, die Olympischen Winterspiele. Früher war bei mir mehr Winterolympiade, soviel steht fest. Dieses Mal zog es mich nicht mehr so arg vors TV, um vom warmen Wohnzimmer aus mitzufiebern. Das war auch mal anders, und zwar bei den Spielen in Lake Placid. Ich habe nachgeschaut, das war 1980. Neunzehnhundertachtzig? So lange ist das schon her?! Du lieber Himmel, aber immerhin konnte ich einen kleinen Spaziergang auf der „Memory Lane“ unternehmen: Die Schweizer Eiskunstläuferin Denise Biellmann und ihre berühmte Pirouette – unglaublich, dass sie keine Medaille bekam! Eiskunstlauf haben meine Freundinnen und ich recht gern geguckt, das war damals so eine Art Paradedisziplin. Heute könnte ich keine einzige Eiskunstläuferin beim Namen nennen – man hört so wenig davon. Denise sieht übrigens immer noch blendend aus und beherrscht die Pirouette immer noch aus dem Effeff. Dabei ist 1980 auch für sie schon eine ganze Weile her. Ich habe ein paar ziemlich aktuelle Videos auf YouTube geschaut  – holla, die Waldfee. Da kriege ich vom Zugucken schon Rücken. Aber neben den ganzen weiblichen Lichtgestalten gabs auch einen männlichen Helden, das war ein kerniger Kerl und der Traum aller Schwiegermütter: Eric Heiden Nie gehört? Schrieb man „Eisschnelllauf“ damals auch schon mit drei „l“? Weiß ich nicht mehr, ist auch egal. Ehrlich gesagt war uns Eisschnelllauf an sich ja eigentlich wurscht, nur der Typ war halt echt süß. 😉 Hat nach Lake Placid aufgehört und Medizin studiert – ein echter Schwiegermuttertraum, sag ich doch! 😉 Wie gesagt, im Wohnzimmer war bei uns wenig Winterolympiade angesagt, dafür aber im aktuell sehr frostigen Garten, denn wir haben den Disziplinen-Pool um „Arctic Bungee Jumping for German Piepmätze“ erweitert.

Bungeejumper_voll Da hängt er, unser kernig-dicker Strahlemann mit der permanent guten Laune. Der Körper besteht aus selbstangerührtem Fettfutter mit Haferflocken, Erdnuss- und Sonnenblumenkernen. Ich habe diese Vogelfütterung letztes Jahr in einem Katalog entdeckt. Man kriegt einen kleinen Bausatz, in dem außer Vogelfutter und Fett alles drin ist, um den tollkühnen Springer herstellen zu können. Bungeejumper_fertig

Schon der erste Prototyp war ein Medaillenfavorit. Vor allem die kleine Holzplattform hat mich begeistert, in die man den Holzstecker im Becher ganz stabil zum Befüllen abstellt. Das Konzept ist wirklich durchdacht und funktionell, denn auch das Rausziehen aus dem Becher klappt einwandfrei, wenn das Fettfutter fest geworden ist. Dabei hatte ich das für die größte Hürde gehalten, aber nein, klappt problemlos mit ein bisschen Gefühl. Die Füllung muss einfach nur gut fest und kalt genug sein, aber das ist ja momentan absolut kein Problem.Bungeejumper_leerInzwischen hat das an sich magere Holzkerlchen seinen kernigen Astralkörper zum dritten Mal wieder aufgefüllt bekommen und hüpft fröhlich auf und ab, wenn sich ein hungriger Vogel auf seinen ausgebreiteten Armen niederlässt. Es hat einige Tage gedauert, bis die Piepmätze sich an den wackeligen Grinsemann in der Felsenbirne gewöhnt hatten, aber inzwischen haben sie das Prinzip kapiert und nagen ihn wie Piranhas runter bis aufs Skelett. Seitdem sind wieder mehr Spatzen im Garten, was mich sehr freut, denn diesen Winter sehen wir zum ersten Mal deutlich weniger Vögel als früher. Ich kann das nicht ganz nachvollziehen, weil wir im Frühjahr und Sommer noch vor allem wesentlich  mehr Spatzen hatten. Hoffentlich normalisiert sich der Eindruck wieder, wenn es wärmer wird. Bis dahin soll unser kerniger Extremsportler aus Piepmatzsicht ein echter Schwiegermuttertraum bleiben. Aus meiner Sicht ist er jetzt schon ein verdienter Goldmedallist im Winter 2017/18.

Den Bungee Jumper gibt es unter anderem hier
Mir gefällt besonders, dass er in einer Behindertenwerkstätte hergestellt wird. Solche Produkte unterstütze und kaufe ich gern. Das ist keine Werbung und Geld kriege ich auch keins, aber wenn man was Sinnvolles sieht, hinter dem eine kreative Idee mit Nachhaltigkeit steckt, kann man das doch mal weitersagen.

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Sauer macht besinnlich

„Der Advent war aber auch dieses Jahr wieder kurz!“ Jawoll, dieser Satz ist wieder mal gefallen, so wie eigentlich jedes Jahr. Wenn Ihr mich fragt, dann wird der Advent sogar mit jedem Jahr kürzer. Anfangs scheint er noch ewig lang, und dann ist auf einmal Heiligabend. Was hatte ich alles für Pläne und Ideen. Dann kam ein Projektabschluss dazwischen (dass die Arbeit aber auch immer so stören muss) und das wars dann mit vorweihnachtlicher Besinnlichkeit, jedenfalls größtenteils. Aber wenigstens diese Tradition habe ich einhalten können: Eine liebe Freundin und ich schenken uns seit Jahren zu Weihnachten etwas Selbstgemachtes und als Beweis dafür, wie kurz der Advent eigentlich ist, habe ich Ihr ein Adventskalenderglas geschenkt. Adventsglas_DetailLeere Gläser durchlaufen bei mir immer eine genaue Prüfung, bevor sie den Weg in den Altglaskarton unter der Spülmaschine antreten. Sehe ich da eine Zukunft als Marmeladen- oder sonstiges Vorratsglas? Wenn nein, leider schepper und klirr. In unserem Haushalt werden gern und öfters saure Gurken verspeist, am besten die aus dem Riesenglas. Ja, und so ein Glas kann man doch nicht wegschmeißen! Da kann man Kerzen rein tun oder Essig oder Likör ansetzen, es irgendwie dekorieren, sowas halt. Und nachdem der Kalenderstempel letztes Jahr kurz vor Ostern beim örtlichen Deko- und Klimbimladen für einen Euro hergegangen war, hatte ich die Idee mit dem Adventskalender zum Ankreuzen schon länger im Kopf. Die ist auch nicht neu, sondern schwirrt schon länger durchs Netz. Wie auch immer, Ende November nahm ich eine kurze Auszeit vom Projektwahnsinn und habe den kalorienfreien Adventskalender mit Besinnlichkeitsfaktor gebastelt.Adventsglas_KorkenbaumWeil ich nun schon beim Basteln mit Material aus der Recycling-Kiste war, habe ich gleich noch einen Christbaum aus alten Weinkorken gewerkelt. Ebenfalls mit pinker Attitüde, weils grad so schön gepasst hat von wegen „Think Pink!“.KorkenbaumNein, die Weinflaschen wurden NICHT knapp vorher wegen Korkenmangels geleert. Die Korken lagen schon lange herum und sollten eigentlich zum Wertstoffhof, zusammen mit den leeren Batterien. Kann man aus alten Batterien eigentlich auch was Nettes basteln? Bestimmt, muss ich mal recherchieren. Adventsglas_KorkenbaumMeine Freundin macht also jetzt fleißig Kreuzchen und zündet die Adventskerze wohldosiert an, damit sie auch bis zum Sonntag hält. Und dann ist sie schon wieder vorbei, die Adventszeit. Ich wünsche Euch einen schönen Restadvent und dann ein wunderschönes Fest. Denkt dran: Nach Weihnachten ist vor Weihnachten! Man kann nicht früh genug anfangen mit dem Basteln. Vielleicht gibts ja mal die eine oder andere saure Gurke zum Menü?

Ostern auf den letzten Drücker

Hoppigaloppi ist es schon wieder soweit: Der Osterhase sitzt vor der Tür und will ins Nest. Aber in welches? Findet sich mal wieder kein passendes Körbchen, weil man die aus den letzten Jahren entweder alle weiter verschenkt oder zu Blumenkörbchen und Utensilos umfunktioniert hat. Am Ostersamstag noch einkaufen gehen und sich um Osternester prügeln? Wohl kaum, es gibt auch so noch genug zu tun. Da ist guter Rat teuer. Oder vielleicht doch  nicht? Manchmal hilft ein Blick in die „Zu-recyclen“-Ecke, denn da stapeln sich kleinere Pappbehältnisse und warten auf ihre Wiederverwendung oder Weiterverwertung. Bingo! Eierkartons, das ist es.  Die Idee ist nicht ganz neu, sie taucht saisonal bedingt immer wieder in anderen Abwandlungen im Internet auf. Aber das ist gerade das Schöne, denn so ein Eierkarton-Osternest kann jedes Jahr anders aussehen, je nachdem, was man neben dem Basismaterial (Eierkarton) gerade so greifbar hat. Da reichen ein paar Papierreste zum Überkleben von „Was steht auf dem Ei?“ und den sichtbaren Werbebannern des Eierproduzenten. Ein bisschen Ostergras aus einer Krabbeltüte (zu schade zum Wegwerfen …) und schon hat das Klammerschäfchen eine grüne Wiese zum Grasen und der Osterhase die passende Unterlage für die bunten Schokoeier. Etwas größere Sachen passen perfekt in den Deckel. Fertig. Geht schnell, macht Spaß, rettet aus der Not und hat das Potential für ein Lieblings-Bastelprojekt. Probiert’s aus.

Ich wünsche Euch schöne Ostertage!

Kalender in der Kiste

Hat jemand den November gesehen? Erst hat er sich so ewig lang angefühlt und dann war er auf einmal weg. Adventskränze, Weihnachtssterne und -kakteen, die den Namen endlich verdienen, Nikoläuse und natürlich Adventskalender … alles schreit „Adventszeit“. Wie immer musste es schnell gehen, aber wie noch auf die Schnelle einen selbstgemachten Adventskalender für den GöGa aus dem Boden stampfen? Na, zum Glück hatte ich da schon was vorbereitet.

adventskiste_zuDie Adventskiste kam vor ein Jahren schon mal zum Einsatz und stand seitdem als Sammelkiste im Schrank. Die habe ich am 30.11. abends heimlich, still und leise aus dem Schrank entführt, um sie neu zu füllen.

adventskiste_offenDie Tüten sind wie schon wie letztes Jahr einfache Butterbrotbeutel, bunt gefüllt mit verschiedenen süßen und nicht-süßen Kleinigkeiten wie zum Beispiel einem solarbetriebenen Wackelelch. Völlig überflüssig, ich weiß, aber witzig. 😉 Die Nummern auf den Tüten sind übrigens die Türchen von einem alten Adventskalender, sieht man auf dem Foto nicht so gut. Die hatte ich schon länger fertig vorbereitet im Schrank liegen, weil ich mich ja kenne und weiß, dass ich vor dem 1. Dezember meistens nicht mehr alles in Ruhe schaffe. Zumal sich der November auf einmal immer so plötzlich aus dem Staub macht. Schöne Adventstage!

Und bis zum 24. ’nen Sixpack

Wäre das schön, wenn Lebkuchen und Spekulatius den Sixpack statt das Hüftgold fördern würden. Ist aber leider nicht so. Ein paar Freundinnen sparen sich dieses Jahr ein paar  Adventskalorien dank meiner figurfreundlichen Variante. Langweilig? Ja, kulinarisch gesehen vielleicht, aber dafür gibt es was fürs Auge. Das kam so: Ich war ja im Frühsommer in London bei einer lieben Freundin, die wegen Umzugsplänen ihre Wohnung ausmisten wollte. Kein Problem, Rumkruschen und Rumkramen ist doch schön, da fallen einem immer wieder die tollsten Sachen in die Hände. Sie ist übrigens auch eine extrem erfinderische Bastlerin. Kein Papier ist vor ihr sicher. Und genau deshalb stapelten sich da alte Weihnachtskarten in Hülle und Fülle. Dazu muss man wissen, dass der Angelsachse an sich ein innigeres Verhältnis zum Verschicken von Grußkarten zu allen möglichen Anlässen hat als wir Deutschen. Da tut es keine schnöde Email, sondern da wird eine richtige Karte geschrieben. Mit der Hand, versteht sich. Es gibt wunderschöne Grußkarten in England (und Amerika auch). Also jedenfalls, was macht man nun mit diesen Papierschätzen? Entsorgen ging überhaupt nicht, wie wäre es also mit Recyclen? Einen Vormittag lang habe ich gestanzt, was der Tisch aushielt und die schönsten Motive aus den Karten rausgeholt.Advkal_15_StanzteileIm Geiste sah ich schon viele selbstgefertige Weihnachtskarten vor mir. Oder ich hatte wenigstens den Gedanken, sowas mit meinen neuen Schätzen anzufertigen. Im Herbst dachte ich über Adventskalender nach und, inspiriert durch eine Herzcollage bei Ghislana im letzten Jahr (ich finde es leider nicht mehr, Ghislana, aber hast Du da nicht Herzen wie eine Art Adventskalender aufgeklebt?) kam mir die Idee, einen Adventskalender mit den Stanzteilen zu machen. Aber auf welchem Untergrund? Es musste etwas Einfaches sein, nicht zu groß, aber auch nicht zu klein für 24 Bilder. Irgendwann blieb mein Blick hieran hängen: Advkal_15_Basis Noch was zum Recyclen, besser gehts ja kaum! Der Sixpack-Adventskalender war geboren. Der Rest ging relativ einfach und schnell: Anordnung der 24 Stanzteile austüfteln, die 24 Stellen markieren, 24 x stempeln, 24 x Nummer drauf auf Kalender und die Stanzteile, Aufhängung basteln, dekorieren, fertig.

Per doppelseitigem Fotoklebepunkt kommen die Bilder an die richtige Stelle und der Kalender füllt sich jeden Tag ein bisschen mehr. Wenn er voll ist … dann ist Weihnachten.Advkal_15_komplettUnd Weihnachtskalorien zählen bekanntlich nicht.

Vom Hölzchen aufs Stöckchen

Kleine Jungs sind ja meistens offen für so ziemlich alles, was sie am Wegrand finden: Stöckchen, Äste, Blätter, Steine, bei Gelegenheit gerne auch mal Käfer, Raupen, Schnecken oder Frösche. Kann man alles brauchen, will man alles wissen. Gut, die Mama ist vielleicht nicht immer begeistert von Art und Anzahl der neuen Fundstücke, aber der Forschergeist will genährt und gefördert werden. Da ist Ordnung zweitrangig und es kann auf Einzelschicksale und Einzelbefindlichkeiten nicht allzu viel Rücksicht genommen werden. Später, nach dem Nobelpreis, wird die Legende berichten, dass der Preisträger schon in ganz jungen Jahren eine beachtliche botanische Stöckchensammlung auf dem Balkon archiviert hatte. Und dann, spätestens dann werden alle platzen vor Stolz, die jemals ein Stöckchen vom Spazierengehen mit heimtragen durften!

WichtelbaumMir fiel neulich ein schön gemusterter Buchenzweig in die Hände, und ich musste gleich an den jungen Waldliebhaber denken, der seine Mama und deren angeborenen Ordnungssinn momentan auf eine Probe stellt. Mangels Schwedenofen wird die Sammlung nie kleiner, dafür aber der Balkon bzw. das Kinderzimmer. Dabei ist an den Wänden doch so viel freier Platz. So kam ich vom Hölzchen aufs Stöckchen und raus kam ein Wichtelbäumchen. Der Mama hat’s gefallen, dem jungen Forscher hoffentlich auch. Buche statt Plastik!