Jahresendstimmungen

Morgen ist es schon wieder so weit: Teile der örtlichen Blaskapelle werden durchs Dorf ziehen und das neue Jahr anblasen. Das wird von den Anwohnern natürlich hochprozentig honoriert, so dass die Melodiesicherheit am Dorfende nicht mehr unbedingt gegeben sein muss. 😉 Macht aber nichts, es ist so oder so eine Gaudi. Die Tage vor und um Neujahr scheinen mir irgendwie seltsam und schwer zu greifen. Die Stimmungen wechseln zwischen knallblauem Sonnenhimmel und aufziehenden Wolken bei eisiger Kälte oder angenehmen Plusgraden.Gestern habe ich ein Zitat gelesen, das für mich ganz gut zu dieser Jahresendstimmung passt:

„An der Schwelle des neuen Jahres lacht die Hoffnung und flüstert, es werde uns mehr Glück bringen.“

Alfred Lord Tennyson (1809 – 1892)

War es ein gutes Jahr? War es ein schlechtes Jahr? Oder war es ein Jahr wie alle anderen auch, gefüllt mit Gutem und mit Schlechtem? Vielleicht muss man nicht alles bewerten oder auswerten. Ich beschließe das Blog-Jahr mit dem Schwarznussbaum, der mich über Monate hinweg begleitet hat. Unterm Baum liegen immer noch viele Nüsse, die meisten davon inzwischen ohne die grüne Schale. Wind und Wetter haben das Auspacken erledigt, aber die Nussschalen sind noch ungeknackt, sofern nicht gerade ein Traktor drübergefahren ist. Den Baum juckt das nicht. Er wartet in aller Ruhe auf den Frühling, reckt seine kahle Krone in den Morgenhimmel und begrüsst die aufgehende Sonne. Hoffnung!Ich wünsche Euch eine zauberhafte Silvesternacht und einen hoffnungsfrohen Sonnenaufgang an Neujahr.

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Sauer macht besinnlich

„Der Advent war aber auch dieses Jahr wieder kurz!“ Jawoll, dieser Satz ist wieder mal gefallen, so wie eigentlich jedes Jahr. Wenn Ihr mich fragt, dann wird der Advent sogar mit jedem Jahr kürzer. Anfangs scheint er noch ewig lang, und dann ist auf einmal Heiligabend. Was hatte ich alles für Pläne und Ideen. Dann kam ein Projektabschluss dazwischen (dass die Arbeit aber auch immer so stören muss) und das wars dann mit vorweihnachtlicher Besinnlichkeit, jedenfalls größtenteils. Aber wenigstens diese Tradition habe ich einhalten können: Eine liebe Freundin und ich schenken uns seit Jahren zu Weihnachten etwas Selbstgemachtes und als Beweis dafür, wie kurz der Advent eigentlich ist, habe ich Ihr ein Adventskalenderglas geschenkt. Adventsglas_DetailLeere Gläser durchlaufen bei mir immer eine genaue Prüfung, bevor sie den Weg in den Altglaskarton unter der Spülmaschine antreten. Sehe ich da eine Zukunft als Marmeladen- oder sonstiges Vorratsglas? Wenn nein, leider schepper und klirr. In unserem Haushalt werden gern und öfters saure Gurken verspeist, am besten die aus dem Riesenglas. Ja, und so ein Glas kann man doch nicht wegschmeißen! Da kann man Kerzen rein tun oder Essig oder Likör ansetzen, es irgendwie dekorieren, sowas halt. Und nachdem der Kalenderstempel letztes Jahr kurz vor Ostern beim örtlichen Deko- und Klimbimladen für einen Euro hergegangen war, hatte ich die Idee mit dem Adventskalender zum Ankreuzen schon länger im Kopf. Die ist auch nicht neu, sondern schwirrt schon länger durchs Netz. Wie auch immer, Ende November nahm ich eine kurze Auszeit vom Projektwahnsinn und habe den kalorienfreien Adventskalender mit Besinnlichkeitsfaktor gebastelt.Adventsglas_KorkenbaumWeil ich nun schon beim Basteln mit Material aus der Recycling-Kiste war, habe ich gleich noch einen Christbaum aus alten Weinkorken gewerkelt. Ebenfalls mit pinker Attitüde, weils grad so schön gepasst hat von wegen „Think Pink!“.KorkenbaumNein, die Weinflaschen wurden NICHT knapp vorher wegen Korkenmangels geleert. Die Korken lagen schon lange herum und sollten eigentlich zum Wertstoffhof, zusammen mit den leeren Batterien. Kann man aus alten Batterien eigentlich auch was Nettes basteln? Bestimmt, muss ich mal recherchieren. Adventsglas_KorkenbaumMeine Freundin macht also jetzt fleißig Kreuzchen und zündet die Adventskerze wohldosiert an, damit sie auch bis zum Sonntag hält. Und dann ist sie schon wieder vorbei, die Adventszeit. Ich wünsche Euch einen schönen Restadvent und dann ein wunderschönes Fest. Denkt dran: Nach Weihnachten ist vor Weihnachten! Man kann nicht früh genug anfangen mit dem Basteln. Vielleicht gibts ja mal die eine oder andere saure Gurke zum Menü?

Andere Länder, andere Weckmänner

Neulich telefonierte ich mit meiner inzwischen in NRW ansässigen Freundin und wir kamen auf den bevorstehenden Martinstag und die damit verbundenen Kindheitsbräuche zu sprechen. Martinsfeuer, St. Martin auf dem weißen Pferd (oder wenigstens auf einem Haflinger und der St. Martin war sowieso meistens eine St. Martina), Laterne, Rabimmel Rabammel Rabumm – Hand hoch, wem das jetzt nichts sagt. In einigen Teilen Bayerns scheint das nämlich gar nicht so verbreitet zu sein, wie ich erst vor wenigen Jahren bemerkt habe. In Rheinland-Pfalz war das Spektakel fester Bestandteil unserer Kindheit und Jugend. Richtig cool war man als Teenie, wenn man eine Pechfackel tragen durfte anstatt so einen sicherheitsbewussten Faltballon mit elektrischem Glühbirnchen drin. Pah, das war nur was für kleine Kinder! Das Martinsfeuer bauten die Jungs aus dem Dorf, die am Martinstag von Haus zu Haus zogen, ein Lied sangen oder ein Gedicht aufsagten und als Dank für die geleistete Arbeit Süßigkeiten bekamen. (Foto: „Weckmann“ von Flammingo – selbst gebacken. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org(/wiki/File:Weckmann.jpg#/media/File:Weckmann.jpg)

Im Zusammenhang mit dem Martinsfeuer erwähnte meine Freundin dieses schicksalshafte Wort – den Weckmann. Oh, ihr süßen Kindheitserinnerungen, zumal ich noch in keiner bayerischen Bäckerei dieses wunderbare Hefegebilde gefunden habe. Weckmann, Stutenkerl, Piefekopp – je nach Ort und Region hat der süße Hefemann mit der charakteristischen Tonpfeife unterschiediche Namen, ist aber total egal, denn der schmeckt sooo gut. Jedes Jahr kriege ich lange Zähne, wenn ich nur dran denke, Damit hier keine Missverständnisse entstehen: „Stuten“ hat nix mit weiblichen Pferden zu tun, sondern bezeichnet ein vom Geschmack her süßes Hefegebäck. Beim Schwelgen in besagten Kindheitserinnerungen kamen wir aber dann ins Diskutieren, meine Freundin und ich. Sie war sicher, den Weckmann gibts zu St. Martin, aber in meiner Erinnerung gabs den Weckmann zu Nikolaus. Ja, watt denn nu? Ich muss meine Geschwister fragen, ob die das noch wissen, aber siehe da, Internet bildet! Unter anderem laut dieser Quelle hier war der Weckmann ursprünglich ein Gebildebrot, das dem Heiligen Sankt Nikolaus geweiht war. Nachdem St. Martin und St. Nikolaus quasi Berufskollegen waren, kam der Weckmann (vor allem im Rheinland) auch zum Martinstag in Mode. Was nun genau in meiner Kindheit in Mode war, weiß ich eben ich nicht mehr ganz genau, aber nachdem die Sitten und Gebräuche durchaus von Dorf zu Dorf variieren, kann es ja sein, dass es ganz früher noch den Weckmann zum Nikolaus gab. Weil, meine ganz frühere Kindheit ist ja nun doch schon ein paar Jahre her. 😉

Wie dem auch sei, es ging also wieder ein Martinstag ohne Weckmann oder Stutenkerl an mir vorüber. Stellt Euch meine Überraschung vor, als ich heute abend den gestern gekauften Brotlaib anschneiden wollte. Ist das nicht super? Von der „Message“ her ist dieses Gute-Laune-Brot doch ein würdiger Weckmann-Ersatz für 2017. Ich finds genial. Vielen Dank an den Bäcker mit Humor!

Der Reiher wirds wissen

Weiß der Geier, warum ich noch dazu gekommen bin, über den bzw. die Reiher zu bloggen, die ich seit Monaten immer wieder mal sehe, wenn ich mit unserem Hund unterwegs bin. Da ist dieser kleine verborgene Fischweiher, der sie magisch anzuziehen scheint. Kommt es Euch auch so vor, als ob es irgendwie viel mehr Graureiher gibt als früher? Mir schon, die stehen hier öfters pulkweise in der Landschaft rum. Meine Spazierroute scheint das Revier von mindestens einem Graureiherpaar zu sein, und einer davon landet gern in seinem Ausguck auf einer Fichtenspitze.Ich bin immer wieder platt, dass diese Riesenviecher überhaupt in einem Baum landen können und das auch noch so präzise. Wobei, der oder die Gute hat schon manchmal Gleichgewichtsprobleme. Wahrscheinlich waren die Fische, Frösche und Mäuse im Kropf gerade ungünstig verrutscht oder sie hatten noch mal gezappelt!  😉 Die Verwandtschaft oder die Nachbarschaft aus der Kolonie kommt gern vorbei und schaut, ob sich der Fichtenspitzenreiher vielleicht von seinem Plätzchen vertreiben lässt. Mitnichten, das fällt dem im Traum nicht ein. Stoisch bleibt er/sie sitzen und kreischt den Fliegern höchstens mal empört hinterher. Auf dem Foto (das natürlich nicht brandaktuell ist, sondern aus dem Frühjahr stammt) erkennt man leider nur zwei Punkte, denn kaum zücke ich Kamera, drehen die Reiher ab. Das konnte ich heute auch wieder beobachten. Die müssen eine extrem gute Sicht haben und sind außerdem ganz schön vorsichtig. Und dass, obwohl sie nur eine relativ kurze Jagdzeit haben (in Bayern: 16.09.-31.10. im Umkreis von 200 m um geschlossene Gewässer, d.h. angelegte Fischgewässer) und meines Wissens auch nicht sonderlich bejagt werden.Heute nachmittag hatte ich mich kurz auf die untersten Leitersprosse von einem Hochsitz gesetzt, der auf dem Hügel vor dem Reiherausguck steht. Während ich so meinem Hund beim Mäusesuchen und den Eintagsfliegen beim Schwärmen zuschaute, fiel mir der nie gepostete Reiher-Post ein. Genau in dem Moment tauchte besagter Reiher in meinem Sichtfeld auf! Zufall oder Gedankenübertragung? Der Reiher wirds wissen, der Geier eher … nicht. Er kam direkt auf mich zu geflogen, aber als ich nach einiger Pfriemelei endlich die Kamera aus der Jackentasche und in der Hand hatte, drehte er wieder ab. Kamerascheu, sag ich doch! Er ließ sich auf einem Baum ganz weit weg nieder, wo ich ihn kaum noch sehen konnte. Na gut, dachte ich, dann tue ich desinteressiert und warte einfach ab. Es dauerte tatsächlich nicht lange, bis er wiederkam. Aber nicht wegen mir oder um zu schauen, wo mein Hund die Mäuse vermutete, sondern um eben die nervige Verwandtschaft in die Schranken zu weisen. Auf der Fichte ist nur Platz für einen, basta!Die Aussicht da oben muss ziemlich gut und erfolgversprechend sein. Wiesen, Felder, Weiher – was will Reiher mehr? Ich sah ihm noch eine Weile zu, wie er den Kopf nach hier und nach da verdrehte, und fühlte mich ein kleines bisschen beobachtet.Die Reiher wissen wohl nicht, wie sehr sie gegen einen dunklen Hintergrund hervorstechen, aber ist es ihnen wahrscheinlich auch ziemlich egal. Wenn man das Bild vergrößert, erkennt man links bei den Fichten etwas Weißes – das ist der Fichtenspitzenreiher. Warum er da so gern sitzt … er wirds wissen.

Verlinkt zum Naturdonnerstag bei Ghislana

Herbstübergänge

In Übergangszeiten läuft das Leben manchmal schneller ab als in Zeiten, in denen alles gesetzt und geordnet ist. Was waren das noch für goldene Tage in der Monatsmitte, und jetzt ist alles dahin. Dabei war am 11. Oktober noch alles ganz prächtig golden und saftig. So hätte es ewig bleiben können!

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Doch mit jedem Tag und jedem Windstoß wurde die Blätterpracht ein klein bisschen weniger und dafür die Zahl der Nüsse am Boden immer mehr. Manchmal lief man direkt wie auf Eiern, das war echt der Wahnsinn. Am 18. Oktober war die Stimmung schon ganz deutlich spätherbstlich.

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Seit dem Wochenende ist alles dahin: Die Schwarznuss ist von allen Blättern befreit. Novemberstimmung!Schwarznuss_01_20171023Die Misteln künden schon von der bevorstehenden Weihnachtszeit. Dieser Übergang ging wahnsinnig schnell. Gern hätte ich die goldenen Tage noch ein bisschen festgehalten, aber es geht nicht. Die Welt bleibt ganz kurz stehen und dreht sich dann ruckelnd weiter. Gut so. Die Walnussbäume haben ihr Laub noch nicht abgeworfen, so wie viele andere Bäume auch nicht. Das scheint alles irgendwie verrückt, aber wahrscheinlich ist es ganz normal. So wie das Leben an sich halt auch oft.

Farbwechsel zum Endspurt

Der Herbst hält unübersehbar Einzug, auch beim Achtsamkeitsbaum. Die Blätter der Schwarnuss verfärben sich augenscheinlich schneller als die der Walnussbäume in der Nähe und seit ein paar Tagen fällt mir die Gelbfärbung auf.  Ich bin gespannt, wie es im Jahresendspurt weitergeht.Schwarznuss_Blatter_02_102017Die Nüsse haben noch einmal zugelegt und sind inzwischen so groß wie kleine Äpfel. Sie sehen beim flüchtigen Hinsehen auch so ähnlich aus. Die Fruchthüllen sind nicht mehr so pelzig wie noch im September, sondern viel glatter. Sie duften immer noch ein bisschen nach Zitrone.Schwarznuss_Frucht_01_102017Gegen einen blauen Himmel sieht die grün-gelbe Komposition recht hübsch aus und wiegt mich noch in Sicherheit, dass es ja doch noch nicht soooo herbstlich ist.Schwarznuss_Blatter_01_102017Aber der Nebel und die kalten Regenfälle der letzten Tage lassen keinen Zweifel zu – der Herbst ist da. Wie immer mischt sich ein kleines bisschen Trauer in die Freude über bunte Ahornblätter und schöne Nebelmorgenstimmungen. Typisch Übergangsphase.Schwarznuss_Krone_01_102017Morgen früh schaue ich wieder bei der Schwarznuss vorbei und gucke, was sich verändert hat.

Wachstumsfortschritte

Mensch, schon Anfang September und seit Monaten kein Post mehr zum Thema „Achtsamkeitsbaum“. Dabei gab es dort durchaus öfter Neues zu beobachten, unter anderem eben die Wachstumsfortschritte. Die Schwarznüsse machen ganz schöne Sprünge!

Die beiden linken Bilder sind vom Juni, das rechte ist von ungefähr Anfang August. Die Früchte werden immer dicker und praller. Der Wind hatte auch schon einige Nüsse vom Baum geholt, die waren wohl überzählig? Die Natur hilft sich selber, denke ich mal, und verwirft die Früchte, die überzählig sind oder sowieso nichts werden. Eine – inzwischen getrocknete – Schwarznuss liegt hier vor meiner Tastatur. Ich war total überrascht über den zitrusartigen Duft der grünen Fruchthülle, der scheint mir recht ungewöhnlich. Übrigens habe ich gestern gesehen, dass wenigstens ein Walnussbaum hier im Dorf doch Früchte trägt. Nachbarn haben mir von Komplettausfällen ihrer Walnussbäume erzählt, aber demnach hat der Frost nicht alles erwischt. Ein bisschen was geht halt immer.