Von Knochenarbeit und Staubwolken

Als Schülerin habe ich am Wochenende in der Gastronomie gejobbt und in der Küche Salate vorbereitet,  das Geschirr gespült und sonst auch allerlei Hilfsarbeiten erledigt. Im Sommer habe ich oft insgeheim so gehofft, es möge am Wochenende doch bitte – vorzugsweise aus Kübeln! – regnen, denn die Hitze in der Küche war manchmal schier unerträglich. Regen wäre natürlich schlecht fürs Tagesgeschäft gewesen, drum wünschte ich mir die Abkühlung lieber so insgeheim für mich selber, aber damals kamen die Gäste ohnehin noch oft per Busreise, so dass das Lokal nie leer gewesen wäre. Manchmal wurde mein Wunsch auch erfüllt, aber was nützt es, wenn dann die Sonne gleich wieder rauskommt und alles in eine rheinlandpfälzische Dampfsauna verwandelt? Nix, das machte es fast noch schlimmer. An manchen Tagen war es wirklich ein hart verdientes Taschengeld, aber ich möchte die Zeit trotzdem nicht missen. Das Gefühl einer gewissen finanziellen Unabhängigkeit damals war schlichtweg unbezahlbar.

In unserem Teil von Bayern war es in den vergangenen Tagen wieder sehr warm und drückend. Ende Juni sah das Wintergerstenfeld nicht weit von uns noch grün-gelb und eigentlich ganz frisch aus. Field_of_barley_0617Das Gelb wurde von Tag zu Tag dominanter und der Gesamteindruck immer trockener. Und der Geruch … kennt Ihr diesen typischen Getreidegeruch? Ganz eigentümlich, den kann ich gar nicht recht beschreiben. Mein Hund muss am Feldrand noch was ganz anderes erschnuppert haben (Füchse? Katzen? Rehe? Mäuse?), denn er wollte immer wieder ins Feld rein und Duftspuren folgen. Vielleicht entstehen so die ominösen Kornkreise, wenn Hundebesitzer ihren Vierbeiner loslassen? Vermutlich eher nicht, aber es wäre zumindest mal eine Theorie!Getreideernte_072017Nun weiß ich, dass es für die Getreideernte vorzugsweise trocken und vor allen Dingen auch in den Tagen davor sehr trocken gewesen sein soll, damit das Getreide nicht zu feucht ist. Das schadet der Qualität und drückt damit natürlich den Preis. Als Landwirtskind weiß ich aber auch, wie anstrengend die Getreideernte für alle Beteiligten ist. Es muss stauben, aber toll ist das nicht, wenn man in der Bruthitze auf dem Traktor hockt und seine Runden dreht. Am Donnerstagabend fielen mir beim Heimfahren Staubwolken auf, die über dem Feld weiter weg waberten. Sieht man nicht so gut, am besten mal aufs Foto klicken. Es war der heißeste Tag der Woche gewesen und irgendwie war die Szene so unwirklich. Gut, das kann auch an einem gewissen Grad der Dehydrierung gelegen haben, nachdem tagsüber selbst Unbeweglichkeit am Schreibtisch schon Schweißausbrüche ausgelöst hatte.

Seit Freitag herrscht nun auch Kahlschlag in dem hübschen Gerstenfeld vom Juni, das Ausmaß der Staubwolken habe ich aber nicht mitbekommen. Die Spatzen sammeln die restlichen Getreidekörner auf, da ist jetzt dauernd Remmidemmi. Mein Hund freut sich über den unversperrten Blick aufs Geschehen und darüber, dass wir jetzt auch mal wieder querfeldein laufen können. Spatzen jagen wäre ein netter Zeitvertreib, aber wie so vieles … verboten. 😉Field_of_barley_0717Der Sommer schreitet voran. Jetzt ist dann wirklich Hochsommer. Letzte Nacht hat es etwas geregnet und die Luft hat sich abgekühlt. Was für eine Wohltat!

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11 Kommentare zu “Von Knochenarbeit und Staubwolken

  1. Ja, das ist Sommer, und den Geruch von reifem Getreide habe ich noch in der Nase, obwohl hier wenig Getreide steht. Mehr Wald und – leider – mehr Mais. Liebe Grüße Ghislana, nun mit Duft von bayrischem Lavendel in der Nase 😉

  2. Bei uns wurde letzten Donnerstag bis morgens um 2 Uhr gedroschen. Und diesen unverkennbaren Geruch – das ist Sommer.
    Obwohl früher wurde immer erst im August gedroschen oder täusche ich mich.
    Also bei uns wären deine Wünsche nach viel Regen am Wochenende erfüllt worden, es hat geschüttet und mein 2000l Wasserfass ist voll.
    Liebe Grüße
    Claudia

    • Hmm, der Weizen vielleicht. Stimmt schon, bei uns daheim ist Mitte August Kirmes. Ich meine, das war immer eine Wackelpartie von wegen „muss man dann aufs Feld?“ Der Hafer kommt als letztes, glaube ich, war zumindest daheim so, wenn ich mich recht erinnere. Aber diesen Sommer ist nach dem holprigen Start im Frühjahr alles früher dran, das stimmt auf jeden Fall. Bis zwei Uhr früh gedroschen, ja, das ist halt so: Wenn die Arbeit da ist und das Wetter passt, muss sie getan werden, ob Sonntag, Feiertag, oder spät.
      Bei uns hat es auch geregnet, aber ich muss schon wieder gießen in der Früh. Es ist und bleibt trocken, aber es sieht frischer aus.
      Liebe Grüße!
      Doris

  3. Ich wusste gar nicht, dass du ein Bauernkind bist, liebe Doris!
    Den Geruch von Sommer liebe ich auch, ich war zwar kein Bauernkind, bin aber auf einem kleinen Dorf aufgewachsen und war mehr bei meinen Nachbarn (Bauern) und habe dort geholfen. Bei allem, was es zu tun gab.
    Unter anderem hab ich dem Sohn beinahe einen Finger abgehackt – beim Rüben häkseln. Eine Rübe hatte sich verhakt, der junge Mann griff in die Maschine und die schlaue Renate drehte die Kurbel …

    • Hallo Renate,
      jaja, doch … lange ists her. 😉 Wir hatten früher (mein Bruder auch heute noch) immer viele Kinder und Jugendliche am Hof, die auch anpacken wollten. Es übt schon eine Faszination aus – wenn man es nicht täglich machen muss. 😉 Na, da warst Du ja tüchtig damals. Der Bauerssohn hat Dich bestimmt niemals vergessen! Gab es Ärger damals? Oder habt Ihr das einfach mal für Euch behalten? 😉
      Liebe Grüße,
      Doris

  4. Ehrlich gesagt sah es bei uns im Juni schon aus wie im Spätsommer, weil alles gelb wurde. Zum Glück kam dann der Regen, und nun liegen wir jahreszeitlich wieder im Normbereich. Den Geruch kenne ich aus meiner Kindheit, die ich grossteils –bei Kumpeln– auf Bauernhöfen verbracht habe. Unser Hund tobt auch mit Leidenschaft über abgeerntete Felder. Bei uns verstecken sich bis zur Ernteaktion Wildschweine drin. Bei euch auch? Liebe Grüsse

    • Hallo Annette,
      nein, hier in unserer Gegend gibt zum Glück noch nicht so häufig Wildschweine. Mit denen ist ja auch nicht unbedingt zu spaßen, deshalb bin ich ganz froh, dass unser neugieriger junger Hund diese Art von Begegnung noch nicht hatte. 😉 Es hat alles schon was von Spätsommer, hier auch. Nenn mich verrückt, aber ich habe gemeint, vor ein paar Tagen in der Früh eine Spur von Herbst in der Luft zu riechen.
      Liebe Grüße!
      Doris

      • Zum Glück sind die Wildschweine meist heimlich und suchen keine Konfrontation mit Hunden. Gefährlich wird das natürlich vor allem, wenn sie Kleine haben. Den Herbst habe ich noch nicht gerochen, aber langsam wird’s wieder gelb, ich hoffe auf Regen! Liebe Grüße und eine gute Restwoche

      • Nein, die Wildschweine sind nicht scharf auf ein Meet & Greet, aber unser junger Hund würde garantiert mal gucken gehen wollen, wer da so haust. 😉
        Dir auch eine schöne Restwoche und gute Regenwünsche!

  5. Oh ja, der Duft von Getreide liegt im Moment in der Luft. Das ist mir in den letzten Wochen auch immer wieder aufgefallen. Wenn das Getreide reif wird, bekommt es so einen ganz eigenen Geruch. Neulich ist mir etwas ganz sonderbares aufgefallen. Durch die vielen Gewitter hat es das Getreide zum Teil ganz schon nieder gelegt. Allerdings bleibt es auf manchen Feldern gerade in und um die Traktorspuren stehen, obwohl es sonst flach liegt. Hast du als Landwirtstochter dafür vielleicht eine Erklärung?

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