Vogelwilde Aussicht

Hochsitze haben unbestrittene Vorteile, auch wenn sie oft ziemlich unbequem sind. Da sitzt man über den Dingen, der Welt entrückt mitten im Grünen mit einer wunderbaren Aussicht in der Landschaft und kann die Gedanken schweifen lassen.

Vogelkirsche_KontrastAn diesem frühen Abend sah man die Berge in der Ferne, ein ganzes Panorama, das ich mit dem Fernglas von rechts nach links und links nach rechts immer wieder angeschaut habe. Sensationell, nur leider sieht man das auf dem Foto nicht ganz so gut. Da müsst Ihr Euch halt so eine Menge sonnenbeschienener Gipfel vorstellen.

Nach dem ersten Fernblick nahm ich meine nähere Umgebung in Augenschein und stellte erfreut fest, dass sich mein luftiger Ansitz inmitten einer Vogelkirsche befand. Mit Früchten! Vogelkirsche_nahDie Sonne stand ungünstig fürs Handyfoto, aber man kann die Kirschen erkennen, oder? Die sehen hier so riesig aus, aber das waren sie nicht. Leider waren die meisten auch schon vertrocknet und hingen als Trockenkirsche am Baum. Ich habe mich dennoch gefreut, denn ich habe seit Ewigkeiten keine Vogelkirschen mehr gesehen. Das war ein schöner Abendsitz in Gesellschaft von alter Bekanntschaft.Gleichzeitig kam ich ins Sinnieren, woher das Wort „vogelwild“ eigentlich stammt. Im Bayerischen ist gern mal was „vogelwuid“ und das heißt dann ungefähr so viel wie „total chaotisch“. Kennt Ihr das Wort auch? Ich habe es erst in Süddeutschland kennengelernt. So gesehen stimmt die Überschrift natürlich nicht, denn chaotisch war da gar nichts. Aber viele Vögel waren da. Dann passt es ja irgendwie doch wieder.

Die Wilde Kirsche wandert heute zu Ghislanas Baumsammlung  Mein Freund, der Baum.

Von Knochenarbeit und Staubwolken

Als Schülerin habe ich am Wochenende in der Gastronomie gejobbt und in der Küche Salate vorbereitet,  das Geschirr gespült und sonst auch allerlei Hilfsarbeiten erledigt. Im Sommer habe ich oft insgeheim so gehofft, es möge am Wochenende doch bitte – vorzugsweise aus Kübeln! – regnen, denn die Hitze in der Küche war manchmal schier unerträglich. Regen wäre natürlich schlecht fürs Tagesgeschäft gewesen, drum wünschte ich mir die Abkühlung lieber so insgeheim für mich selber, aber damals kamen die Gäste ohnehin noch oft per Busreise, so dass das Lokal nie leer gewesen wäre. Manchmal wurde mein Wunsch auch erfüllt, aber was nützt es, wenn dann die Sonne gleich wieder rauskommt und alles in eine rheinlandpfälzische Dampfsauna verwandelt? Nix, das machte es fast noch schlimmer. An manchen Tagen war es wirklich ein hart verdientes Taschengeld, aber ich möchte die Zeit trotzdem nicht missen. Das Gefühl einer gewissen finanziellen Unabhängigkeit damals war schlichtweg unbezahlbar.

In unserem Teil von Bayern war es in den vergangenen Tagen wieder sehr warm und drückend. Ende Juni sah das Wintergerstenfeld nicht weit von uns noch grün-gelb und eigentlich ganz frisch aus. Field_of_barley_0617Das Gelb wurde von Tag zu Tag dominanter und der Gesamteindruck immer trockener. Und der Geruch … kennt Ihr diesen typischen Getreidegeruch? Ganz eigentümlich, den kann ich gar nicht recht beschreiben. Mein Hund muss am Feldrand noch was ganz anderes erschnuppert haben (Füchse? Katzen? Rehe? Mäuse?), denn er wollte immer wieder ins Feld rein und Duftspuren folgen. Vielleicht entstehen so die ominösen Kornkreise, wenn Hundebesitzer ihren Vierbeiner loslassen? Vermutlich eher nicht, aber es wäre zumindest mal eine Theorie!Getreideernte_072017Nun weiß ich, dass es für die Getreideernte vorzugsweise trocken und vor allen Dingen auch in den Tagen davor sehr trocken gewesen sein soll, damit das Getreide nicht zu feucht ist. Das schadet der Qualität und drückt damit natürlich den Preis. Als Landwirtskind weiß ich aber auch, wie anstrengend die Getreideernte für alle Beteiligten ist. Es muss stauben, aber toll ist das nicht, wenn man in der Bruthitze auf dem Traktor hockt und seine Runden dreht. Am Donnerstagabend fielen mir beim Heimfahren Staubwolken auf, die über dem Feld weiter weg waberten. Sieht man nicht so gut, am besten mal aufs Foto klicken. Es war der heißeste Tag der Woche gewesen und irgendwie war die Szene so unwirklich. Gut, das kann auch an einem gewissen Grad der Dehydrierung gelegen haben, nachdem tagsüber selbst Unbeweglichkeit am Schreibtisch schon Schweißausbrüche ausgelöst hatte.

Seit Freitag herrscht nun auch Kahlschlag in dem hübschen Gerstenfeld vom Juni, das Ausmaß der Staubwolken habe ich aber nicht mitbekommen. Die Spatzen sammeln die restlichen Getreidekörner auf, da ist jetzt dauernd Remmidemmi. Mein Hund freut sich über den unversperrten Blick aufs Geschehen und darüber, dass wir jetzt auch mal wieder querfeldein laufen können. Spatzen jagen wäre ein netter Zeitvertreib, aber wie so vieles … verboten. 😉Field_of_barley_0717Der Sommer schreitet voran. Jetzt ist dann wirklich Hochsommer. Letzte Nacht hat es etwas geregnet und die Luft hat sich abgekühlt. Was für eine Wohltat!

Dramatic skies – können wir auch!

Die Angelsachsen mögen es gern mal dramatisch oder wenigstens dramatischer als wir hier so, zumindest sprachlich gesehen. Mir fällt jedenfalls beim besten Willen keine richtig griffige Übersetzung für dieses „dramatic skies“ ein, dass die englische Beschreibung für eine bombastisch-umwerfend-sagenhafte Himmelsszenerie sein soll. Reicht „Boah, sieht das toll aus!“? Nee, nicht so ganz, aber Ihr versteht vermutlich, worauf ich hinaus will. Bei den wechselnden Wetterlagen der letzten Tage sieht der Himmel immer wieder anders aus und je nach Wolkenfärbung und -menge auch direkt dramatisch aus. Dass er das vorzugsweise dann tut, wenn ich gerade nur mit Handy und ohne Kamera unterwegs bin – nun ja, kann man nichts machen, aber wenn das Handy dann wenigstens noch genug Saft für ein paar Fotos hat, ist doch alles in Ordnung. Das ist bei mir und meinem nicht mehr brandaktuellen Handymodell nämlich nicht selbstverständlich.

Sommerhimmel_0617_KirchturmGrün, blau, weiß und ein Kirchturm in der Ferne, der von der Sonne noch gerade so angestrahlt wurde. Sieht man vielleicht nicht so gut … wenn ich mal groß bin, kriege ich doch mal eine gute Kamera. 😉 Eine halbe Stunde später konnte ich ein Storchenpaar auf der Suche nach dem perfekten Ausguck beobachten. Zum Glück ist ein Storch ein richtig großer Vogel, den schafft sogar meine Handy-Kamera. Also, man erkennt, es ist ein Vogel und nicht irgendein schwarzer Punkt am Horizont.

Sommerhimmel_0617_Storch

Es geht aber noch dramatischer mit Storch.Sommerhimmel_0617_Storch_darkDas lag zwar mehr an der falschen Belichtung, die mein Handy da fabriziert hat als an meinem fotografischen Können (oder einem plötzlich aufziehenden Gewitter!), aber mir gefällt der Effekt ganz gut.

Vorm Heimgehen erhaschte ich dann quer übers Haferfeld noch ein Blick auf den Wendelstein.Sommerhimmel_0617_WendelsteinSo fern und doch so nah, und hier hat der Himmel auf einmal ein mildes Lila in den Blautönen dabei. Direkt Glück gehabt, dass das Telefon ausnahmsweise mal voll geladen war, als ich zum Spaziergang aufgebrochen bin. Wie heißt es doch so schön: So muss Technik! 😉