Quasi wie aus Madonnas Bäckerei

Nach diesem Regenwochenende gibt es wohl kein Leugnen mehr: Der Spätsommer ist vorbei und der Herbst steht vor der Tür.

wilde_traubenDa erscheinen wilde Farbmixereien, in denen die Rot- und Gelbtöne immer dominanter werden, je weiter der September ins Land geht. Jahr für Jahr das gleiche Spiel. felsenbirne_herbst_2016Eben, Jahr für das Jahr das gleiche Spiel, und zwar nicht nur in der Natur. In manchen Jahren tauchen die vertrauten Verpackungen, Düfte und Verlockungen in den Supermärkten schon ab Mitte August auf, aber dieses Jahr sind sie direkt spät dran. Wisst Ihr, was ich meine?

herbstgebaeckGenau. Die Lebku…, was sage ich, das HERBSTGEBÄCK ist wieder da! Äh, was fürn Gebäck?!  Madonna wird nachgesagt, das Sich-neu-erfinden sozusagen erfunden zu haben. „Aus alt mach neu“, das wäre meine lapidare Übersetzung, die mir gerade spontan eingefallen ist, aber findige Marketingstrategen erklären das Prinzip sicher ganz anders und viel fundamentaler. Aber nur weil man was anderes anzieht, eine anderen Religion Glaubensrichtung hip findet oder einen neuen Sound auflegt, ist er oder sie doch kein anderer Mensch. Naja, jedenfalls hat der deutsche Handel endlich eine stichhaltige Erklärung dafür gefunden, typisches Weihnachtsgebäck schon zum Sommerende anbieten müssen: Es ist ja kein reines Weihnachtsgebäck, nein: Der Kunde verlangt nach seinem geliebten Herbstgebäck. Als ich das neulich in der Zeitung gelesen habe. wäre ich vor Lachen fast unter dem Tisch gelegen. Ich finde das dermaßen grandios, Wahnsinn! Die Idee ist so einfach wie clever: Man benennt das Produkt einfach um, damit der Kunde entweder überhaupt erst zum Kauf animiert wird oder damit er kein so schlechtes Gewissen mehr hat, wenn er es kauft. Diese Marketingagentur war definitiv ihr Geld wert. Früher hätte die Oma einen Apfelkuchen gebacken. Wenn das kein Herbstgebäck ist, weiß ichs auch nicht. Jedenfalls finde ich es super, dass ich jetzt breit grinsend an den Verlockungen vorbeilaufen kann, mit meinem persönlichen Wort des Jahres vor Augen und einem glucksenden Kichern auf den Lippen. Bekannte haben mir bereits vor gut drei Wochen vom Genuss des ersten Lebkuchen der Saison berichtet – der Markt ist also tatsächlich da. Irgendwer kauft das Zeug. Seltsam, dass ich nie jemanden damit an der Kasse sehe … schleicht sich die Kundschaft durch den Hinterausgang raus? Leute, alles gut, es ist doch nur Herbstgebäck! 😉

Vielleicht ist das mit den Lebkuchen so wie mit Mon Cherie und den vermeintlichen Piemontkirschen: Man könnte das Sach eigentlich das ganze Jahr über anbieten, aber eine zeitweise Abwesenheit steigert nun mal die Nachfrage und außerdem wären die Kühlkosten im Hochsommer doch vergleichsweise hoch. Vielleicht hat Madonna aber auch einfach nur nicht das ganze Jahr über Zeit zum Backen. Man weiß es nicht.

 

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12 Kommentare zu “Quasi wie aus Madonnas Bäckerei

  1. Herbstgebäck – hahaha !!!! Die Wortschöpfung ist so klasse, liebe Doris. Also ich kaufe keins – da backe ich lieber leckeren Apfelkuchen !!! Liebe Grüße und eine schöne herbstliche Woche. Hier ist es heute recht kühl, aber die Heizung bleibt aus !!!!!!!!!

    • Echt super, oder? Ich bin echt fast abgebrochen – da muss man erst mal drauf kommen! Hier ist es auch ziemlich kühl, die ganze Woche schon, aber wenigstens hatten wir heute keine Mehlsuppe, sondern Sonnenschein. Heute wars ein richtig schöner Herbsttag. Der Kater kommt nachts wieder heim, dann weißte Bescheid, wie frisch es ist. 😉
      Liebe Grüße!
      Doris

    • Hallo Ghislana,
      jedem sein Spekulatius, gar kein Thema! 😉 Schmeckt ja auch gut. Ich kann mich halt nur an Jahre erinnern, in denen die Weihnachtssachen schon ab Mitte August im Supermarkt standen, und das finde ich einfach übertrieben. Es wird ja alles immer verrückter. Schade ist halt nur, dass es nichts Besonderes mehr ist, so wie früher die Orangen und Mandarinen und eben Lebkuchen und Spekulatius. Alles geht so ineinander über, verschwimmt, vermischt sich. Das finde ich schade. Übrigens könnte ich mir einen Apple Pie mit Spekulatiuskrümeln als Boden auch gut vorstellen. Fällt mir nur gerade so ein. 😉
      Liebe Grüße!
      Doris

  2. Hallo Doris, dass es sich bei dem neuen Aufbau im Supermarkt um Herbstgebäck handelt, wusste ich noch nicht 🙂 Ich schenke ihm noch keine Aufmerksamkeit, denn bei mit gilt die Regel: Lebkuchen gibt es erst, wenn es schneit oder zum ersten Advent. Vorher schmecken die einfach noch nicht. Aber mit der Bekleidung ist es doch auch so: Wenn man im Winter merkt, dass ein neuer warmer Pullover nötig wäre, kommt man oftmals schon zu spät und steht vor der neuen Frühlingskollektion…. Lassen wir uns den Apfelkuchen schmecken! LG Gaby

    • Hallo Gaby,
      mit den Pullovern hast Du allerdings völlig Recht, das ist mir auch schon passiert. Bei uns gibt es auch erst ab dem Advent Lebkuchen. Wobei ich mich heute gefragt habe, unter welche Kategorie denn aktuell die Lebkuchenherzen von der Wiesn fallen? Ist das auch Herbstgebäck? Oder Wiesngebäck? Brauchtumsgebäck? Keine Ahnung … her mit dem Apfelkuchen!
      Liebe Grüße,
      Doris

  3. Herbstgebäck! Das ich da noch nicht drauf gekommen bin 😉 Vielen Dank für das neue Wort in meinem Wortschatz! Jetzt müssen wir uns nur noch eine andere Bezeichnung für die Advrntskalender ausdenken. Die letzten Jahre war ich nämlich immer zu spät dran, um noch einen zu bekommen. Wer kauft auch noch im November Advrntskalender?

    Liebe Grüße,
    Mirjam

  4. Hallo Doris
    Was für schöne Herbstfarben- bei uns leider bis jetzt noch nicht-eher braun. Ein Beispiel die Buche sie hängt voller Früchte und das Laub ist braun, die meisten Holunder haben keine Früchte und Blätter mehr hoffentlich ist im Frühjahr wieder alles gut . Es war halt sehr trocken und schön warm diesen Sommer.
    Das Herbstgebäck ist eine tolle Erfindung, ich würde nie vor Ende November so etwas kaufen aber mein Mann, er hat sich schon 2 große Schachteln mit seinen Lieblingslebkuchen gekauft aber die sind bis Dezember in der Speisekammer unter Verschluss . Er hat immer Angst, dass im Dezember schon alles ausverkauft ist.
    Liebe Grüße
    Claudia

    • Hallo Claudia,
      die Befürchtungen Deines Mannes kann ich verstehen, aber da braucht er keine Sorgen haben, glaube ich – bis jetzt gab es noch jedes Jahr spätestens nach Neujahr Lebkuchen zum halben Preis. 😉 Aber dann mag man sie auch nicht mehr sooo gerne. Es ist und bleibt ein Dilemma! Bei uns ist es gerade ziemlich frisch, da finden die duftenden Seelenwärmer sicher mehr Absatz als vorher.
      So richtig bunt ist es bei uns auch noch nicht; die Fotos stammen aus dem Garten. Die Felsenbirne fing schon im August oder sowas an mit den ersten gelben Blättern. Der wilde Wein zieht jetzt kräftig nach, die Blätter fallen schon. Ansonsten lässt der Ahorn draußen schon ein paar Blätter segeln, aber so richtig im Gange ist der Blätterfall noch nicht. Bei uns war der Sommer zwar auch trocken, aber wohl doch nicht so sehr wie anderswo. Die Regentonne ist mir nur einmal leer geworden, soweit ich mich erinnere.
      Liebe Grüße,
      Doris

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