#webseidank und Mauerblümchen-Blog

Was das Internet und Blogparaden angeht, bin ich grundsätzlich mit allem zu spät dran. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich sowieso den ganzen Tag am Rechner verbringe. Das tun andere Leute auch und schaffen es auch noch, superkreative Texte und Blogeinträge zu verfassen. Ich schaffs nicht. It ain’t me, das muss ich einfach zugeben. Durchschnittliche 7-8 Stunden Rechnerzeit im Dienstleistergewerbe mit eher weniger kreativen Texten, aber manchmal recht kreativen Übersetzungen derselben reichen mir anscheinend, Internetzeit mit Pausen-Gebrowse und dienstlichen Recherchen eingeschlossen. Wie machen andere Leute das nur? Ich kapiere es nicht. Jedenfalls, durch Ghislanas Post Muster-Mittwoch – nicht nur dafür #webseidank zur bereits abgelaufenen Blogparade Was hat das Web Dir Gutes gebracht? von Annette und Thomas habe ich mich heute gedanklich damit beschäftigt, wie das Internet mein Leben beeinflusst, verändert und bereichert hat.

Gleich vorweg: Ich fürchte, es hat mich nicht nur bereichert. Manchmal nervt es mich einfach nur. Zu viel Information auf allen Kanälen, sei es auf Facebook, XING, LinkedIn oder was auch immer. Auch da frage ich mich immer wieder, woher die Leute die Zeit nehmen, wenn Arbeitnehmer eindeutig während normaler Arbeitszeiten posten und sich in Foren tummeln. Habe ich nicht die Zeit für, ich mache wohl was falsch. Meine Profile sind verweist, diverse vermeintlich wichtige Statusmeldungen, Anstupser und Werbebotschaften bleiben ungelesen, zig Urlaubs- und Essensfotos bleiben unbetrachtet und unkommentiert. Genauso selten sind Statusmeldungen meinerseits, sei es beruflicher oder privater Natur. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum sich immer noch nicht DER Headhunter mit dem Superjob ohne Arbeit, aber mit viel Bezahlung bei mir gemeldet hat. 😉 Ich kann das nur begrenzt ertragen, wie toll alles ist und wie gut es allen geht, ich gebs zu. Hätte mir allerdings im Jahre 1988 jemand gesagt, ich würde Jahrzehnte später die Hochzeitsfotos von meinen damaligen Babysitting-Schützling in den USA Jahrzehnte online (was ist das denn?!) anschauen können, den hätte ich für verrückt erklärt. Klar, zuviel Raumschiff Enterprise geguckt. Dabei habe ich damals schon auf dem ersten Mac rumhacken dürfen. Amerika halt. Also, das ist definitiv toll und manchmal „mind-boggling“ – es haut mir den Schalter raus, wenn ich auf Facebook eine alte Freundin wiederfinde, die ich vor zig Jahren unter irgendwelchen Umständen in New Mexico kennengelernt habe. An ihre Wohnung kann ich mich noch erinnern, an das Drumrum nicht mehr. Ist auch egal. Kontakte halten, schauen, was Freunde, Kollegen und Bekannte so machen, wie sie sich verändern, wie ihr Leben aussieht – toll. Ginge mit altehrwürdigen Brieffreundschaften nicht, oder jedenfalls nicht so in der Masse. Was habe ich früher Briefe geschrieben, überhaupt so viel geschrieben. Auch hier: Den ganzen Tag irgendwie schreibend verbringen reicht dann auch, Batterie leer. Dabei habe ich viele Gedanken, schreibe in Gedanken Briefe oder Emails, aber die wenigsten schaffen es in die Realität. Leider!

Internet bedeutet für mich auch Masse, die manchmal genial ist, mich aber manchmal auch schier erschlägt. Was gibt es für tolle Blogs, für tolle Kreativseiten, für tolle Texte, Bilder, Videos. Unglaublich. Wie freigiebig wird Wissen geteilt, sei es bezüglich der Reparatur einer Senseo-Kaffeemaschine oder wie man seinem Hund das Leinegehen beibringt. Wahnsinn. Das ist eine der wirklich tollen Seiten am Internet: Es wird geteilt. Leider wird auch viel gehypt, hysterisch überall der Senf dazugegeben, überreagiert, dass es einem grausen kann. Es ist gut, eine Meinung zu haben, aber die muss man a) nicht überall äußern und b) sollte man das überlegt und dosiert tun. Nur weil man das Gegenüber nicht leibhaftig sieht, muss man es doch nicht gleich in die Pfanne hauen. Internet lässt Grenzen verschwimmen, im Guten wie im Schlechten. Dazu gehören auch Whatsapp-Schlachten in irgendwelchen Gruppen. Für eine schnelle Kommunikation sind Gruppen toll, aber auch hier haben manche Leute offenbar wesentlich mehr Zeit und Elan als ich.

So. Und was ist denn nun gut für mich am Internet? Ganz einfach: Es sind so tolle Menschen da draußen, die ich sonst nie (virtuell) getroffen hätte und die so viele Sachen machen, die mein Herzen zum Klingen und Hüpfen bringen. Ghislana schreibt von ihrer vermeintlich chaotischen Gärtnerei und ich denke, ja, genau, ich auch! Ihre Fotos und Papierarbeiten begeistern mich regelmäßig, ihre Verlinkungen zu anderen tollen Blogs ebenfalls. Wow, so coole Sachen, so bunt, so kräftigend, so lebensbejahend. Wunderbar.

Ich spare mir viele, viele (Kilo-)Meter Buch. Bücher sind was Wunderbares, aber spätestens beim Umzug bereue ich es dann doch, bei den fetten Kochbüchern schwach geworden zu sein. Es gibt so geniale Foodblogs, da fällt mir echt nix mehr ein. Bis vor ein oder zwei Jahren dachte ich noch, boah, wer braucht denn sowas, aber hey – es gibt unglaubliche Rezeptinspirationen fürs Backen und Kochen, die ich nie gesucht, aber ganz überraschend gefunden habe. Beim Surfen. Andere Leute gucken TV, ich surfe halt. Das ist so ähnlich, aber wesentlich vielseitiger, dafür aber manchmal auch anstrengender. Arbeitstechniken, Organisationstechniken, Tipps zum professionellen und zum Blogschreiben  … es gibt nichts, was es nicht gibt, nur kann zumindest ich nicht alles wirklich umsetzen, weil mein Hirn ab einer gewissen Menge wegen Überfüllung schließt.

Das bringt mich zurück an den Anfang meines Monologs hier: Internet und alles, was dazu gehört kann auch ganz schön anstrengend sein. Bloggen auch. Deshalb tue ich es nicht so regelmäßig, wie ich es eigentlich gern täte. Es macht Spaß, aber kostet auch Zeit. Bilder knipsen, bearbeiten, hochladen, Themen finden und mit Worten und Leben zu füllen … es kostet Zeit. Den Blog in Schuß zu halten auch. Sina, die (gar nicht) Giftige Blonde mit dem leckeren Foodblog aus Österreich glaubt wahrscheinlich nicht mehr dran, dass ich meinen Blog mal neu organisiere. 😉 Irgendwann mal, ja. Vielleicht schneller, als ich jetzt denke. Bis dahin lebt die efeuwildnis eher  ein Mauerblümchendasein und blüht im Verborgenen. Oder so. 😉

Mauerblume_klein

 

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6 Kommentare zu “#webseidank und Mauerblümchen-Blog

  1. Was ein toller Text! Und sei bloß froh, dass dein Kopf so eine natürlichen „Überfüllt“-Sicherung gegen Überforderung eingebaut hat! Mich nervt Ähnliches am Internet wie dich und ich nehme mir zz. jeden Tag ein paar Minuten, um Überflüssiges abzumelden, schon weil mein neues Handy mir meint jeden neuen Beitrag aus diversen Gruppen mit einem Summlaut melden zu müssen (und ich den „Aus-Schalter“ nicht finde). Also melde ich die Benachrichtigungsfunktion ab und baue darauf, dass ich selber in die Gruppen schaue, wenn ich was gucken will. Und wenn ich es nicht tue, war’s vielleicht auch gar nicht so wichtig…, obwohl…, die Naturgartengruppe… ;-). Also mach wie du willst, ich komme gern hierher deine seltenen feinen Posts zu lesen, die Fotos anzuschauen, und manchmal hatte ich schon wunderbare „echte“ Post von dir! (Und weißt du was? Ich fliege da draußen auf die Mauerblümchen, ich bewundere die kleinen Zarten, die da in voller Schönheit unter kargen Bedingungen so gut zurechtkommen, können wir auch wieder was davon lernen ;-)) Liebe Grüße zu dir – Ghislana (die sich natürlich sehr freut, dir mit meinem Blog Freude und Inspiration zu bringen!)

  2. Ich schließe mich meiner Vorkommentatorin an: klasse Text!
    Geht mir übrigens ähnlich: ich wundere mich auch ständig, wieviel Zeit viele offensichtlich haben, um sich im Internet zu tummeln. Wenn Freiberufler das machen, ist es ihre Sache. Wenn Angestellte das machen, frage ich mich, ob ihr Arbeitgeber das auch so gut findet …
    Ich freue mich auch über Menschen, die ich übers Internet kennengelernt habe. Ich habe auch „Freunde“ bei Facebook. Aber nicht viele. Und ich beäuge sie auch aufmerksam, so habe ich gerade heute eine Freundschaft gekündigt, weil ich nichts von Freunden halte, die ihren Senf nur dann dazu geben, wenn sie was zu meckern haben.
    Das Internet ist ein Spiegel des wirklichen Lebens. Unter diesem Aspekt schätze ich es und gehe behutsam und vorsichtig damit um.
    Ich wünsche dir eine gute Woche, liebe Doris!
    Deine Freundin am Ammersee – Renate

  3. Liebe Doris, ich kann mich den beiden ebenfalls nur anschließen. Allerdings habe ich ja mittlerweile das Glück, das ich nicht mehr berufstätig bin und daher ab und an doch einiges an Zeit vor dem Rechner verbringe. Nur selbst einen Blog zu gestalten, das traue ich mich nun doch nicht. Dafür findet Ihr ja ab und an Fotos und Texte von mir auf FB, aber auch nur in Maßen. Ich habe einige nette Bekannte (Freunde will ich sie nicht unbedingt nennen) dadurch gefunden und zu den echten Freunden halte ich ja auch immer noch mehr Kontakt durch handgeschriebenes oder mal ein Telefonat oder persönliche Treffen. Wie Renate schon schreibt mit den Aussagen im Internet sollte man vorsichtig und auch sparsam sein, denn Big Brother ist watching you überall. Dir ganz liebe Grüße und noch eine schöne Restwoche
    Deine Freundin aus dem Bergischen Land – Christiane.

  4. Liebe Doris, auch ich verbringe durch meinen Job (zu) viele Stunden vor dem Kasten. Einerseits ist es toll, was alles geboten wird, wen man alles virtuell kennen lernen darf, anderseits ist es der absolute ‚overkill‘. Ich glaube nicht, dass es allen super geht und sie so viel mehr schaffen wie wir, denke aber auch manchmal andere sind Supermann. Es gehört viel Disziplin dazu, auszufiltern und nicht auch noch seine Freizeit vor dem Compi zu verbringen, oder nicht die ganze, denn da draussen ist die richtige Welt. Ich glaube, das haben viele vergessen… Zudem ist die Gefahr, dass man immer mehr kontrolliert wird, nicht zu unterschätzen, da kann ich mich manchmal nur wundern wie sich die Leute auf FB entblössen. Ein schöner Text, für den ich dir danke und der mich sicher noch eine Weile beschäftigen wird. Liebe Grüsse von der Froschfrau 🙂

  5. Ihr Lieben,
    hier verstoße ich schon wieder gegen Blogregeln, die doch besagen, dass man gleich, sofort und umgehend auf Kommentare zu einem Post antworten muss. Wollte ich auch, aber ich hatte den Kopf und die Inspiration nicht dafür. DANKE an Euch für Eure lieben Kommentare, Meinungen und Erfahrungen – ich konnte mich überall wiederfinden und saß und sitze nickend vor dem Rechner. Das Thema beschäftigt mich immer noch, auch wenn ich schon hier und da kleinere Posts zu anderen Themen losgelassen habe. Ich wollte einfach nur vermelden, dass ich Eure Reaktionen selbstverständlich registriert und mich sehr darüber gefreut habe. 🙂
    Ein schönes langes Wochenende!
    Doris

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