Warum sterben immer die Falschen?

Oder anders gefragt: Wer wären denn eigentlich die Richtigen? Heute ist Totensonntag und da passt das Thema, das mich seit Tagen beschäftigt doch eigentlich ganz gut. Die Frage fiel mir ein, nachdem ich ein bisschen in der November-Blogaktion auf dem Totenhemd-Blog geschmökert hatte (da ist ein Link hinterlegt, sieht man vielleicht nicht so gut). „Welches ist deine heimlichste Frage zum Sterben und zum Tod?“, heißt es da. Interessante Fragen werden dort gestellt, schaut mal rein. Interessante Fragen und Antworten gibt es dort zu lesen, schaut mal rein.

Die Zeiten haben sich geändert, der Tod gehört nicht mehr so wirklich zum Leben dazu. Wir verdrängen, wollen immer länger jung bleiben, bloß nicht alt werden, so  scheint mir wenigstens. Hier im ländlichen Bayern haben viele Menschen noch eine andere Beziehung zu Leben und Tod. Generationen hocken näher aufeinander (was nicht immer gut sein muss) und es ist oft noch üblich, den Verstorbenen oder die Verstorbene im Haus aufzubahren fürs Totengebet und die letzte Ehre. Ganz normal, genauso wie der Gang zum (konfessionsgebundenen) Begräbnis mit anschließender Einladung zum Leichenschmaus im Wirtshaus. Aber ich schweife ab. Warum also sterben immer die Falschen? Und wer sind „die Falschen“? In meinem Fall waren es dieses Jahr  jeweils noch relativ junge Menschen, die in meinen und wohl in den Augen aller Trauernden ihren Lebenskreis eigentlich noch nicht beendet hatten. Wenn ein Mensch 70 oder 80 Jahre alt geworden ist, okay, aber mit knapp oder noch nicht mal 50? Natürlich weiß ich, dass auch noch viel jüngere Menschen und oft auch Kinder viel zu früh sterben müssen, sei es aus Krankheit, Krieg oder Terror. Im Grunde sterben aus Sicht von Verwandten und Freunden immer „die Falschen“. Das waren Menschen, die man geliebt, gemocht, geachtet, respektiert hat. Ob die „Richtigen“ dann im Umkehrschluss Menschen sind, mit denen wir genau diese Beziehung nicht haben und die wir vielleicht sogar gar nicht mögen? Kann sein. Gibt es „die Richtigen“ überhaupt? Kommt drauf an, wen man fragt, würde ich angesichts der aktuellen Weltentwicklung sagen. Eine wirklich Antwort habe ich nicht, und das Thema führt in sehr tiefe Untiefen, wenn man sich nur ein bisschen damit befasst. Für den Betroffenen sterben immer die Falschen.

Efeu_Zentralfriedhof

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6 Kommentare zu “Warum sterben immer die Falschen?

  1. Liebe Doris, ich verstehe dich sehr gut, denn auch bei uns dreht sich gerade viel um Krankheit und Tod. Ist wohl normal, wenn man älter wird und sich die Reihen lichten. Das mit richtig und falsch hast du gut ausgedrückt. Und ja, ich denke auch, der Tod ist einfacher zu akzeptieren, wenn er im hohen Alter kommt. Leider ist das nicht zu beeinflussen, deshalb ist mein Motto ‚Carpe diem‘. Alles Liebe, und ich hoffe, der Novemberblues weicht bald fröhlicheren Gedanken 🙂

    • Liebe Annette, danke für Deinen Kommentar. Es ist gar nicht so sehr der Novemberblues, der mich bewegt. Mir fiel nur plötzlich auf, wie leicht man das so dahin sagt von wegen, „Ach, es trifft doch immer die Falschen“. Als ob es eben „weniger Falsche“ gäbe. Ich wünsche Dir auch eine gute Zeit – bald schwingen wir uns ja in den Advent!
      Herzliche Grüße,
      Doris

  2. Darüber könnte ich dir jetzt viel erzählen. Aber natürlich, es sind immer die Falschen. Jedenfalls für die Hinterbliebenen. Selbst wenn wir denken,ach der war doch schon so alt…
    wenn man geliebt wird, ist es immer schlimm. LG Gaby

  3. Hallo Doris
    Meine Mutter ist dieses Jahr gestorben, sie war zwar schon 85 und trotzdem war es für mich zu früh. Meine Mutter lebte im Pflegeheim und dort leben/vegetieren manche ältere Menschen so vor sich hin – bekommen nie Besuch – keiner denkt an sie. Wenn ich ganz ehrlich bin habe ich mir auch gedacht warum Sie und nicht der demenzkranke alte teilweise bösartige Mann.
    Aber das steht mir nicht zu und das ist auch gut, dass niemand darüber entscheiden kann wer der Nächste ist.
    Den Blog muss ich mir noch anschauen.
    Liebe Grüße
    Claudia

    • Hallo Claudia,
      das tut mir sehr leid zu hören, mein herzliches Beileid zum Tode Deiner Mutter. Es ist immer zu früh, auch wenn man vielleicht weiß oder zumindest ahnt, dass der Tod bald eintreten könnte. Das ging mir mit meinem Vater so. Gedanken wie Deine sind ganz menschlich und das ist eben das, was ich meinte. Man denkt oder sagt solche Dinge aus der Trauer und auch aus der Wut heraus so schnell, aber wir haben da nichts mitzureden. Zum Glück.
      Ganz liebe Grüße,
      Doris

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