Kastanienkindergarten

Kastanienkinder_01Sie benehmen sich wirklich fast wie kleine Kinder, die Zwillingsbäumchen im ehemaligen Erbsenquadrat in meinem Gemüsebeet. Die beiden drängeln und schubsen sich ein bisschen, dann stehen sie wieder einträchtig nebeneinander und strecken sich der Sonne entgegen. Das größere Geschwister will den Kohlrabi noch überholen, ganz klar, aber das wird wohl nichts mehr, denn der Herbst zeigt schon die ersten Spuren an den noch kräftig-grünen Blättern. Ach so, den Kohlrabi habe ich fürs Foto zur Seite gebogen, den sieht man nicht.

Kastanienkinder_02Bald kommt die Zeit des Abschieds, von den ersten Blättern und wohl auch vom kuscheligen Platz im Gartenbeet. Das größere Bäumchen schattiert den kleineren auch zu sehr auf die Dauer. Ich denke eigentlich, dass der Herbst die richtige Zeit zum Verpflanzen wäre oder was meint Ihr? Gute Plätze habe ich schon, jetzt hoffe ich nur noch, dass ich die beiden unbeschadet ausgraben kann für die erste und hoffentlich letzte große Reise in ihrem jungen Leben.Kastanienkinder_03

Wenn Ihr Tipps für die Reisevorbereitungen habt – gerne. Wie wurzeln Kastanien eigentlich?! Ich sehe schon, ich muss mich noch ein bisschen informieren, bevor ich den Spaten ansetze. Komisch, wie so grüne Zwerge das Verantwortungsgefühl fordern.

Neulich bei Königs: So volksnah!

Die Majestätische hat meinen Garten in diesem Jahr verschmäht und sich lieber bei der Nachbarin angesiedelt. Auch gut oder eigentlich fast noch besser, denn sonst hätte ich vielleicht beim Morgenkaffee am Aussichtsfenster gar nicht bemerkt, wie sich das geflügelte Kleinvolk an den Brosamen aus den Blüten der hohen Dame gütlich tut.

Koenigskerze_Voegel_01Die Blaumeisen finden sich regelmäßig ein und wippen an den langen Stängeln, während sie emsig Samen aus den verblühten Blütenständen zupfen. Da lassen sich die Spatzen natürlich auch nicht lange bitten und kommen zum Stelldichein. Wie schön, dass die Königliche ihre Gaben so freigiebig mit dem Volke teilt. Koenigskerze_Voegel_02 Koenigskerze_Voegel_03Mein Kamerazoom ist leider etwas schwach auf der Brust. Sorry, das Paparazzi-razzo-razza-Dasein muss ich wirklich noch ein bisschen üben!

Spätsommer mit Einschlägen von Frühherbst

Ernte_2015Ohne viele Worte, aber ein kleiner Gruß an die Samenrotierer von der letzten Aktion, die mir eine gute Tomatenernte beschert haben. Dort ist noch kein Ende in Sicht, bei den Bohnen so langsam, bei den Zucchini auch. Die Birnen kommen jetzt erst, nachdem sie alle Trockenheitsschäden in Form von Blättern und Früchten abgeworfen haben. Die Dahlien bleiben mir hoffentlich noch ein bisschen, die fangen gerade erst so richtig mit ihrem Herbstfeuerwerk an.

Der Spätsommer neigt sich dem Frühherbst zu. Der Knöterichkranz wackelt leider ein bisschen, aber vielleicht spiegelt er auch nur das Kopfschütteln darüber wieder, dass wir uns fast schon wieder im letzten Viertel des Jahreskreises befinden sollen. Irgendwie unfassbar. Früher schienen mir sechs Wochen Ferien unglaublich, unendlich lang. Und heute? Sind sechs Wochen wie im Flug vorbei.

Knoeterichkranz

Herzhaft mit gelbem oder grünem gemeinsamen Nenner

Schnell, bevor die Zucchini-Ernte vorbei ist! Zucchini im Rührteig geht nicht nur süß, sondern natürlich auch herzhaft. Das ist eine nette Abwechslung zum Käsebrot in der Arbeit und dient nebenbei auch noch der Schnittlauchminimierung, falls das grüne Lauchgewächs mal wieder zu sehr ins Kraut schießt. Dieses Mal kann ich leider nicht mit Grammangaben aufwarten … das ist ein amerikanisches Rezept. Statt dem „richtigen“ Tassenmaß würde ich einfach eine große Kaffeetasse nehmen und die für alle Abmessungen verwenden, die nach „Tasse“ verlangen. Das müsste doch hinhauen.

Zucchini-Käse-Muffins

Backofen auf 200 °C (Umluft: 180 °C) vorheizen.

  • 2 Tassen Mehl
  • 1 TL Backpulver
  • 1 TL Natron
  • 1 EL Zucker (ich würde nicht unbedingt mehr nehmen, sondern den Zucker sogar eher ganz streichen)
  • etwas Salz nach Geschmack

in eine Schüssel sieben.

  • gut 1½ Tassen geraspelte Zucchini, gut ausgedrückt
  • 125 g herzhafter Käse (Parmesan, Bergkäse, Cheddar …)
  • 1/4 – 1/2 rote Paprika, fein gewürfelt
  • 3 EL gehackter Schnittlauch (oder Frühlingszwiebeln)

mit den trockenen Zutaten vermengen und in der Mitte eine kleine Mulde machen. Weitere Gewürze sind durchaus denkbar – Pfeffer, Chili, Oregano, Liebstöckl, Senf, Kümmel, andere herzhafte Kräuter, usw. Da kann man ruhig experimentieren. Oder getrocknete Tomaten nehmen anstatt dem Paprika oder Schinkenwürfel oder Fetawürfel, was einem so einfällt oder was der Kühlschrank gerade hergibt.

  • 2 leicht verschlagene Eier
  • 1 Tasse Buttermilch
  • 2 EL Olivenöl

in die Mulde gießen und alles kurz verrühren. Nicht zu lange und zu viel rühren, es muss kein komplett homogener Teig sein!

Ab in die gefettete oder mit Papierfömchen versehene Muffinsform und in den Ofen damit für ca. 20 – 30 Minuten, evtl. auch länger, denn 20 Minuten scheinten mir doch knapp. Ich hatte meine länger drin, meine ich. Am besten immer eine Sicht- und Schnupperkontrolle machen. Die Muffins schmecken lauwarm am besten, lassen sich aber auch gut einfrieren und dann ein bisschen auf dem Toaster oder im Backofen aufwärmen.Zucchini_SchnittmengeFür den Schulstart kann man so eine Muffins-Schnittmenge mit dem gemeinsamen Gemüsenenner bilden. Da wird selbst Mathe richtig geschmackvoll.

Man nehme: Gemüse im Kuchen

Gemüse im Kuchen, ja sonst noch was. Dabei ist eine Rüblitorte doch schließlich auch nichts Herzhaftes, und über die wundert sich keiner mehr. Mehr Mut in der Küche, sage ich da nur! Die Amerikaner (ich nehme an, Zucchinikuchen ist wirklich eine amerikanische Erfindung) sind da ein bisschen anders gestrickt und Backexperimenten nicht abgeneigt. Mir scheint, da sind wir in Deutschland um einiges konservativer. Deshalb gerät so manches Muffin hierzulande auch mehr wie ein Rührkuchen im Kleinformat statt wie ein „richtiges“ Muffin, das allgemein von der Teigkonsistenz her kompakter, saftiger und insgesamt etwas schwerer ist. Das liegt an den Zutaten, dem Triebmittel und generell der Zubereitungsweise. „Do not overmix!“, also bloß nicht zuviel rühren, heißt es meistens an der Stelle, an der feuchte und trockene Zutaten vermischt werden. Das erfordert Übung und ein es-einfach-mal-so-lassen-Können. Es ist völlig okay, wenn man das Mehl noch als solches erkennt, ganz egal, was Dr. Oetker früher immer gepredigt hat. Also, innovatives Backen in den USA  … ach was, wahrscheinlich hatte eine Pionierin irgendwann mal einfach viel zu viele Zucchinis im Garten und hat sich überlegt, was sie nur mit dem ganzen Zeug anfangen sollte. Rein damit in den süßen Kuchen und fertig. Vielleicht mochten ihre Kinder aber auch einfach nur kein Gemüse.

ZucchiniblueteHier kommt mein süßer Beitrag wider die Zucchinischwemme: Das Rezept für den Zucchini Lemon Loaf, der sowohl in der Kastenform als auch in der muffin pan eine gute Figur macht. Es stammt aus meinem Lieblingskochbuch von Sheila Lukins und gebacken habe ich das Ganze in meiner uralten Muffinform, die ich vor über 20 Jahren aus Amerika mitgebracht habe, als in Deutschland noch kein Mensch überhaupt was von Muffins gehört hatte. Auch coffee to go war sowas von unbekannt. Wie sich die Zeiten doch ändern. Gerade heute las ich in der Zeitung von den Müllbergen, die der Kaffee auf die Hand vor sich herschiebt.

Aber jetzt zum Rezept:

Zucchini Lemon Loaf

Backofen auf 175/180 °C vorheizen.

knapp 200 g Mehl
1 1/2 TL Backpulver
1/2 TL Natron
1/2 TL Salz
1 TL gemahlener Zimt
1/2 TL  gemahlener Muskat (hatte ich nicht)
1/4 TL gemahlene Nelken (hatte ich nicht)

  • Alles in eine Schüssel sieben oder zusammenschütten und dann mit einem Schneebesen mischen und lockern.

2 Eier
125 ml Öl
250 g Zucker (war mir fast zu süß, aber GG war anderer Meinung)
3 EL saure Sahne
Vanillearoma nach Geschmack
geriebene Schale von 1 unbehandelten Zitrone

  • in einer zweiten Schüssel verquirlen. Die Mehlmischung zugeben und KURZ unterrühren.

ca. 140 g geriebene Zucchini (grün oder gelb, mit der Schale)

  • – Wichtig: Gut ausgedrückt! – unterheben.

Wer mag, kann noch 60 g Walnüsse untermischen. Hatte ich nicht, ich habe einen Rest geriebene Mandeln genommen.

Das Ganze ca. 55-60 Minuten backen, sagt das Kochbuch, aber bei Muffins reichen ca. 45 Minuten oder noch weniger. Das muss man ausprobieren, jeder Backofen ist ein bisschen anders.

  • Wer dann noch mag: Zuckerglasur mit Zitronensaft auf den noch warmen Kuchen bzw. die Muffins streichen.

Gemüse im Kuchen macht eben noch keinen Gemüsekuchen. Kann es aber, denn Zucchinimuffins gehen auch herzhaft. Mit diesem kulinarischen Cliffhanger wünsche ich Euch noch eine schöne Restwoche und nein … this is not a food blog.