Völlig verkannt, dabei sooo gut!

Krankenhaus. Viel mehr fiel mir jahrzehntelang nicht zum Stichwort „Pfefferminztee“ ein, zusammen mit ein paar recht unschmeichelhaften Adjektiven wie „gruselig“, „abgestanden“, „grausig“ oder auch einfach nur „bääääh“. Mich schüttelt es immer noch, wenn ich allein an den Geruch denke. Also, Teetrinken war in meiner Jugend an sich schon cool – von meinem Teenager-Teeservice habe ich heute noch ein paar Becher im Schrank stehen -, aber um Himmels Willen bloß keine Pfefferminze. Pfefferminztee war uncool. Pfefferminztee gab es nur, wenn man ernsthaft an Magen oder Darm erkrankt war, maximal, und dann auch nur als Beuteltee. Wer wusste denn damals schon, dass  es Minze auch in Frisch und Grün gibt statt nur zerkrümelt im Doppelbeutel? 😉 Tatsächlich, man kann Pfefferminztee auch dann trinken, wenn man gesund ist, unglaublich. Zu dieser Erkenntnis kam ich erst viele Jahre später, als eine Freundin mir einen Tee aus frischen Pfefferminzblättern servierte. Ein Unterschied wie Tag und Nacht! Damals kamen wir auch auf die Idee, kaltes Wasser mit Minze zu aromatisieren, zu „infusen“, wie das heute ganz hip heißt. Ja, es war alles schon mal da, nur wurde damals kein so großer Hype drum gemacht. Geht heute ja nicht mehr ohne.

Merke: Minze wächst nicht im Doppelbeutel an irgendwelchen marokkanischen Bäumen. Man kann sie im Garten, auf der Fensterbank oder sogar wild an Bächen und in feuchten Wiesen finden. Die wilden Sorten wie Rossminze (Mentha longifolia), Wasserminze (Mentha aquatica) oder Ackerminze (Mentha arvensis) sind für meinen Geschmack nicht so gefällig wie die kultivierte Verwandtschaft, aber auch ihr Duft kühlt und macht den Kopf frei, wenn ein Windhauch über die Blätter streift. 

Wenn Ihr eine Minze im Garten haben solltet, kennt Ihr sicher ihren Hang zum Wuchern. So viel Tee und „infused water“ braucht ja dann doch keiner, noch nicht mal bei den Hitzerekorden der letzten Zeit.In meinem Garten wachsen zwei oder drei Sorten durcheinander, die ich ein- bis zweimal pro Jahr radikal abschneiden muss. Mit der geernteten Grünmasse probiere immer wieder andere Sachen aus, zum Beispiel einem Sirup nach dem Prinzip von Hollersirup; der schmeckt gut im Tee oder im Sprudel. Oder Pfefferminzlikör – der schmeckt wie hochprozentiger Kaugummi, kühlt und wärmt zugleich und tut auch dem Magen ganz gut, wenn es mal zwickt. Neulich bin ich über ein Rezept für einen Kopfwehbalsam gestolpert, das sich richtig gut anhört. Dafür setze ich gerade ein Minze-Lavendelöl an, aus dem man bestimmt auch ein Körperöl machen könnte. Dann habe ich noch was von einem Gewürz aus Minze und Kreuzkümmel gelesen, wo war das nur gleich wieder?! Und, ganz der feinen englischen Art verpflichtet, versuche ich irgendwann einen Pfefferminzfondant für eine selbstgemachte Pfefferminzschokolade. Dafür habe ich mir extra aus England ein Fläschen Minzaroma mitgebracht. Das wird garantiert eine schöne Matscherei, aber hoffentlich eine leckere. Habt Ihr vielleicht auch noch ein paar „minty recipes“ auf Lager?

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15 Kommentare zu “Völlig verkannt, dabei sooo gut!

  1. Hallo Doris, ich mag Pfefferminz gerne, als Tee habe ich ihn früher nur mit Kamille gemischt getrunken. Aber Minze ist so vielseitig und gestern habe ich einen Salat mit Tomaten, Pfirsichen und Minze (gehackt) gemacht. Der war super lecker.
    Pfefferminzeis liebe ich und Dein Minzesirup war auch prima. Liebe Grüße zu Euch und danke fürs Mail, bald folgt wieder mehr aus dem Bergischen.
    Ich wünsche Dir eine schöne, nicht zu hektische Woche.
    Christiane mit dem Rest.

    • Hi Christiane,
      wir haben einfach den gleichen Geschmack. 😉 Es ist erstaunlich, wie gut Minze auch im Salat schmeckt, auf die Idee wäre ich ja früher nie gekommen. Tomate und Pfirsich klingt auch nacheiner interessanten Kombi. Heute habe ich wieder ein Minzeis geschlemmt – ich probiere mich durch die hiesigen Eisdielen durch. Da gibt es aber gewaltige Unterschiede! Mein Indikator ist sonst immer Zitroneneis (wenn das gut ist, ist der Rest meistens auch gut).
      Ich melde mich in Kürze bei Dir, danke für die Karte!
      Viele Grüße,
      Doris

  2. Weil ich es meiner Minze aus Platzgründen leider nicht gestatten kann, sich beliebig auszubreiten, muss sie bei mir in einem großen Topf zurechtkommen. Dafür gehört sie auch zu jenen, die in diesen Tagen reichlich Wasser bekommen. Im Sarah-Wiener-Kochbuch habe ich übrigens einen Melonensalat mit Minze gefunden – sehr erfrischend! Verrätst du uns das Rezept für den Kopfwehbalsam? Liebe Grüße, Gaby

    • Hallo Gaby,
      ha, Du hast Deine Minze eingesperrt, sehr weise! Aber gießen muss man sie, auch wenn sie nicht im Topf steht – zur Zeit ist es einfach zu heiß. Das Rezept für den Kopfwehbalsam sollte eigentlich per Klick auf „Kopfwehbalsam“ kommen, aber ich habe den Link nicht ausprobiert, vielleicht klappts gar nicht. Ich bringe das Rezept noch mal separat und auf Deutsch.
      Viele Grüße,
      Doris

      • Oh danke, ich hatte übersehen, dass du schon einen Link eingebaut hast – hat geklappt! LG, Gaby

  3. Hallo Doris
    Ich habe es letztes Jahr geschafft meine Minze auszurotten ( bei heißem Wetter kalter Pfefferminztee mmh). Nun hätte ich gerne die Apothekerminze gekauft aber bisher noch nicht bekommen aber die englische Minze und die Schokominze sind auch sehr lecker.
    Für Minzsoße aus engl. Minze bin ich (bis jetzt ) noch nicht mutig genug 🙂
    An dem Kopfwehbalsam hätte ich auch Interesse. Wilde Minze habe ich auch aber die 2 anderen Sorten sind intensiver .
    Toller Beitrag und meine Wilde blüht auch gerade so schön.
    Gruß Claudia

    • Hallo Claudia,
      ein paar Stengel Schokominze hatte ich auch mal in meinem Chaos. Und stimmt, die Minze ist schon ein bisschen empfindlich, wenn das Wasser sparsam eingesetzt wird. Ja, die Minzsoße … probieren würde ich das auch gern, aber ob mir das dann einer isst?! 😉 Mal schauen. Die Rossminze habe ich im Wald fotografiert. Die Streuwiese dort duftet wie ein riesiges After Eight. 😉
      Liebe Grüße,
      Doris

  4. Oh ja, die Minzen sind wirklich etwas ganz wunderbares! Dieses Jahr habe ich gleich drei verschiedenen Sorten im Balkonkasten, weil sie so dankbar und vielseitig verwendbar sind. Im Moment probiere ich mich an Minzeis. Da muss ich noch etwas am Rezept tüfteln. Ansonsten mögen wir Minzcreme mit Schokoglasur sehr gerne (siehe https://www.kleine-miri.de/blog/2013/08/12/nana/). Die macht sich sogar als Creme für den Obstkuchen sehr gut (http://www.kleine-miri.de/blog/2014/07/22/minze-und-erdbeere/). Sirup und Likör habe ich natürlich auch schon gemacht. Das Kopfwehbalsam klingt sehr spannend. Ich habe Minztee bisher immer gerne als Körperspray genommen. Tut bei der Hitze gut und die Mücken mögen den Geruch nicht.

    • Hallo Miri,
      vielen Dank für Deinen Kommentar und die Links zu Deinen Minzerezepten. Dein Blog ist total interessant, da lese ich mich bestimmt noch weiter fest. Was nimmst Du denn für ein Cremepulver für die Minzcreme? Das müsste ja was relativ Neutrales sein. Minzeis mag ich auch total gern, das ist so erfrischend. Ich bin gespannt, wie Deine Experimente weiter verlaufen.
      Viele Grüße,
      Doris

      • Das Pulver heißt einfach Schlagcreme und ist eigentlich eine Art Sahneersatz. Bei uns in den Supermärkten steht es in der Ecke, wo man auch Sahnesteif und Puddingpulver findet. Es wird normal mit Milch aufgeschlagen, funktioniert aber auch mit Mandel-, Sojamilch u.ä. super. Ein Rezept für Minzeis am Stiel gibt’s in den nächsten Tagen.

        Viele Grüße,
        Miri

      • Hallo Miri,
        letzte Woche habe ich die Schlagcreme gefunden, danke für den Suchtipp. Möglicherweise haben die auch nicht alle Supermärkte. Ich dachte erst, Du schreibst aus Österreich oder so, da gibt es ja gern mal Sachen, die es in Bayern nicht gibt. Aber Du bist ja im gleichen Bundesland daheim ;-), da sollten die Sortimente doch ähnlich sein. Minzeis … mjammm .. ich lese vorbei bei Dir!
        Viele Grüße,
        Doris

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