Wilde Gartenecken

Dieses Wochenenden mache ich mir Gedanken darüber, wie wild oder halbwild mein Garten eigentlich ist und  wieviele wilde Ecken es darin gibt. Ghislana von den Jahreszeitenbriefen hat mich mit ihrem Post „Mein wilder Garten“ auf diese Frage gebracht. Und was genau bedeutet „wild“ in diesem Zusammenhang eigentlich – „chaotisch“ oder „wild“ im besten naturnahen Sinne für Mensch und Natur? Natürlich möchte ich den Garten gern in letzterem Licht sehen, aber extrem ordentliche Nachbarn denken sich bestimmt manchmal ihren Teil an unserem Gartenzaun. Ist halt so, Schönheit liegt ja immer im Auge des Betrachters. Mein Bio-Lehrer hat früher immer gesagt, Unkraut gibt’s nicht, und das zu einer Zeit, in der gestriegelte Gärten und mit der Nagelschere geschnittene Rasenflächen „in“ waren. Dieser Trend ist ja heute gegenläufig, heute sind eben wilde Gärten mit Unkraut drin modern. 😉 Das ist auch gut so, denn die große Ordnung per Monokultur hat uns ja nicht wirklich weitergebracht, ganz im Gegenteil.

GartenbeetDie großen Erträge hole ich aus meinem gut halbschattig gelegenen Gartenteil ohnehin nicht raus. Aber dafür kommen Vögel, Bienen, Hummeln und Schmetterlinge vorbei. Das ist wild, das ist gut. So mag ich das. Die Natur ist nun mal nicht strikt ordentlich und findet Mähroboter wahrscheinlich abartig. Ich nicht, ich finde sie lustig, weil ich mir immer vorstelle, wie unser Kater auf so einem Ding spazierenfährt. Das wird er mit Sicherheit nie tun, aber allein die Vorstellung bringt mich zum Grinsen. Ich mähe die Wiese („Rasen“ wäre wirklich viel zu hochtrabend) dann, wenn es mich nervt, morgens nach dem Gießen und Tomaten aufdecken nasse Füße zu haben. Oder auch mal, wenn Besuch zum Grillen kommt, okay. Den Kriechenden Günsel erwischt es nie. Mein der Wiese mit viel Mühen abgetrotztes Gartenbeet ist entgegen aller anfänglichen guten Vorsätze (alle Jahre wieder!) eine ziemlich unordentliche Mischkultur, in der Borretsch und Ringelblumen sich zwischen Kartoffeln, Bohnen und Kohl tummeln. Himbeeren gibt es dieses Jahr auch, die erste „richtige“ Ernte mit etwa zwei Handvoll.

Die Echinacea hat die Schneckenattacken vom Frühjahr inzwischen überwachsen und dürfte bald blühen. Die Lupine aus der Samenrotation 2013 hat das schon getan, sehr zu meiner Überraschung und Freude. Bei gutem Wetter brummt und summt das Beet nur so, der Borretsch ist der reinste Insektenmagnet. Die Hummeln kommen auch bei schlechtem Wetter vorbei und strecken einem aus der Stockrosenblüte schon mal ganz ungeniert den pollenbestäubten Hintern entgegen. Botschaft angekommen: Paparazzi unerwünscht.

Stockrose_Hummel

In einer anderen Gartenecke ist der Sommerflieder nach Regen und Wärme regelrecht explodiert und mausert sich zum Magneten für Schmetterlinge und Bienen. Gerade rechtzeitig, denn das Herzgespann lässt jetzt nach und wird wahrscheinlich bald wieder vom Mehltau befallen werden, so wie jedes Jahr.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Die Engelwurz dagegen steht in den letzten Zügen; allzu heftige Gewitterstürme wird sie wohl nicht mehr überstehen. Die Blattlauskolonie und die Ameisenkolonnen fordern zusammen mit den langen Regenfällen und der darauf folgenden Bruthitze ihren Tribut. Vergangenes Jahr gab sie ein recht spektakuläres Fotomotiv ab, dieses Jahr kuschelt sie ein bisschen mit dem Kanadischen Weidenröschen von nebenan.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Auch die Kräuterecke wird gern von Insekten besucht. Bei leichtem Wind vermischt sich der Honigduft vom Sommerflieder mit dem würzigen Geruch des Currykrauts. Das Johanniskraut strahlt in voller Blüte und heute bin ich endlich mal dazu gekommen, ein Johanniskrautöl anzusetzen.

Ich mag unseren Garten. Vögel und Insekten mögen ihn auch, glaube ich. Die Schnecken sowieso. 😉 Und über allem wacht unser grüner Gartengeist, vor Jahren mal aus einem Ü-Ei geschlüpft. Doch, mir scheint, der Garten ist schon ein bisschen wild …

Gartengeist

Advertisements

7 Kommentare zu “Wilde Gartenecken

  1. oh, er ist schön wild, dein Garten ;-), ich sehe es summen…, und pass mal auf, eines Tages siehst du in deiner „unordentlichen“ Mischkultur die Anfänge von Permakultur, sehr gut, da übe ich noch…, mit den Schnecken um die Wette. Leider sind hier übrigens artenarme geschniegelte Gärten mit Konifereneinheitsgrün, Rasen und Rhododendren die Regel… Oft wird erst mal alles platt gemacht („Baufreiheit“), das Grundstück bebaut und bepflastert (da können nasse Füße schon mal gar nicht passieren…), und dann… siehe oben. Ach, jammerschade… Lieben Gruß Ghislana

    • Du meinst, ich mache Permakultur und weiß es noch nicht mal, Ghislana? 😀 Möglich wäre es ja, ich muss das mal nachlesen. Ja, geschniegelte Gärten … wir haben auch so einen im Dorf, der passt null ins Ortsbild. Dann brauche ich doch keinen Garten, wenn der so aalglatt und „durch-designed“ ist, oder? Sowas hat doch keine Seele. Na ja, da halte ich mit meinem Chaos gut dagegen, damit es weiter summt, brummt und zwitschert.
      Liebe Grüße!
      Dori

  2. Ringelblume und Borretsch hatte ich auch Jahr für Jahr, bis sie auf einmal komplett weg waren. Lag es an der Mäusefamilie, die mit ihrem unersättlichen Hunger alle Samen weggefuttert hat? Deinen Holzzaun finde ich auch wunderschön! LG Gaby

    • Hallo Gaby,
      dankeschön. 🙂 Der Zaun löst sich nach und nach in seine Bestandteile auf, teilweise wackelt er wirklich schon bedenklich. Ich schiebe jedes Jahr Panik, dass der Borretsch nicht kommt. So ein Quatsch – es dauert immer nicht lange und dann ist alles überwuchert. Mit den Ringelblumen ist es ähnlich. Vielleicht war es tatsächlich die Mäusefamilie, aber dass sie wirklich ALLE Samen erwischt haben sollten, kommt mir komisch vor. Sehr gründliche Mäuse! 😉

      Viele Grüße,
      Doris

  3. Ich mag deinen Garten, meiner sieht so ähnlich aus. 🙂 Auf deine Engelwurz und das Herzgespann bin ich eifersüchtig. Borretsch und Ringelblume wollen dieses Jahr bei mir auch nicht so richtig.
    Toller Garten, tolle Fotos .
    Gruß Claudia

  4. Pingback: Glänzt durch Abwesenheit – efeuwildnis

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s