Zaungast wird Überraschungsgast

Heute vormittag hat sich neben meinem Frühbeetkasten ein Überraschungsgast eingefunden. Nein, nicht die obligatorische Nacktschnecke, die schon wieder zuhauf und in Massen anrückt, die Salatpflanzen malträtiert und damit mehr in die Kategorie „ungebetener Gast“ gehört, sondern eine Zauneidechse auf der Suche nach der Sonne.

Zauneidechse_042015 Warum heißen die eigentlich so? Weil die Zäune früher aus Mauern bestanden, auf denen sich die wärmeliebenden Tiere gern sonnten? Das scheint mir die plausibelste Erklärung, aber vielleicht gibt es auch eine andere. Wie auch immer, Zauneidechsen sind bei uns gar nicht so selten; wir nehmen an, sie wandern aus dem Naturschutzgebiet unterhalb des Ortes zu. Vor ein paar Jahren haben wir eine per Eimerrettung aus der Waschküche befreit, wohin sie sich vermutlich auf der Nahrungssuche verirrt hatte. Trotzdem war ich erst mal verdattert, als dieses Exemplar an mir vorbei in die Tulpen flitzte. Die Tarnfarbe funktioniert definitiv, denn ich musste zweimal hinschauen um zu erkennen, was da auf der braunen Erde saß und sich nicht mehr rührte. Als ich die Kamera geholt hatte, hatte sie ihr Versteck schon wieder verlassen und blieb – ganz Model – ruhig sitzen. Wahrscheinlich hoffte sie einfach nur, dass ich endlich abhaue und den Weg in die Sonne frei mache, nachdem die Nachttemperaturen doch relativ frisch gewesen waren. Ob das „unsere“ gerettete Eidechse war oder doch eine andere, kann ich nicht sagen, aber jedenfalls hatte diese keinen Schwanz mehr. Zauneidechsen können bei Gefahr ihren Schwanz abwerfen und so dem Fressfeind mittels Verwirrungstaktik oft entkommen. Wobei der Fressfeind neben Vögeln und verschiedenen Säugetieren leider auch  die Hauskatze sein kann, in diesem Fall möglicherweise sogar unsere eigene. 😦  Die Eidechse sah aber sonst okay und gut genährt aus und ist offenbar gerade dabei, ihre alte Haut abzustreifen. Der Schwanz wächst wieder nach, wenn auch nicht mehr so schön lang wie das Original. Macht nichts, es spricht für einen gesunden Kämpfergeist, wenn man mit ein paar Narben, aber lebendig aus einer Konfrontation hervorgeht.

Ich denke nicht, dass sich die Gute wirklich bei uns im Garten ansiedelt, weil der eigentlich insgesamt doch zu schattig sein dürfte. Aber vielleicht trifft man sich wieder – ein Erkennungsmerkmal weiß ich ja jetzt. Ein lieberer Überraschungsbesuch als der von den Nacktschnecken wäre es mir allemal.

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9 Kommentare zu “Zaungast wird Überraschungsgast

  1. Das ist doch ein netter Besuch! Vielleicht gefällt es ihr ja doch bei dir im Garten. Bei uns in den Weinbergsmauern gibt es auch viele Zauneidechsen. Einmal durfte ich sogar erleben, wie die frisch geschlüpften Jungen aus einem Nest krabbelten. Das war ein ganz besonderer Augenblick.

    Liebe Grüße,
    Mirjam

    • Hallo Mirjam,
      danke für Deinen Kommentar! 🙂 Oh ja, das war bestimmt ein besonderer Moment; frische geschlüpfte Zauneidechsen sieht man nicht jeden Tag. In den Weinbergen wundert es mich nicht, dass es viele Zauneidechsen gibt. Ich habe am Rhein an einem Hang auf einer Mauer auch mal viele gesehen. Trocken und warm, also perfekt. Unser Garten ist nicht wirklich trocken genug, aber wer weiß, vielleicht schaut sie wieder mal vorbei.

      Einen schönen Tag (trotz Regens)!
      Doris

  2. oh, wie schön!!! hier bei uns im schattigen wald gibt es nur wenige, aber manchmal rascheln sie aus dem laub an der warmen hauswand…, sie sind da, nur eben selten zu sehen…, seit ich keinen hund und auch keine katze mehr habe, habe ich das gefühl, es werden wieder mehr, auch die schwestern, die blindschleichen… liebe grüße ghislana

    • Ja, es kann schon gut sein, dass Hund und Katze den Echsen nicht gut tun. Bei meinen Schwiegereltern hat der Kater zu Lebzeiten die Blindschleichen richtiggehend dezimiert. Des einen Freud, des anderen Leid. Da merkt man erst so richtig, wie alles in der Natur zusammenhängt.

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