Noch’n Gedicht

HerbstroseDas Foto ist unscharf. Ich weiß. Dabei ist das hier noch mit das Beste, Ihr solltet mal die anderen sehen. Nahaufnahmen und meine japanische Automatik-für-Fotodeppen-Knipse gehen nur selten wirklich gut zusammen. Was mit großer Wahrscheinlichkeit an mir und meiner mangelnden Knipskenntnis liegt, aber sei’s drum. Eigentlich hätte hier ja auch eine weiße Wildrose abgebildet sein sollen, nämlich die letzte Rose aus meinem Garten. Aber mangelnde Kontraste und weiße Farbe überfordern meine Kamera und mich endgültig, deshalb wurde es doch eine rote Rose. Eine Münchner Rose, um genau zu sein. Warum der ganze Aufriß? Ganz einfach: Herbstluft macht pötisch. P-o-e-tisch, meine ich natürlich. Letzte Rose des Sommers, last rose of summer, naaa? Rings a bell? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Am ehesten wahrscheinlich bei Freunden des Irish Folk oder bei Fans von Andre Rieu. Googelt „Last rose of summer“ auf YouTube, dann wisst Ihr, was ich meine.

Jedenfalls kam mir neulich beim Anblick der einsamen, aber immer noch vehement blühenden letzten Rose in meinem Herbstsonnengarten das Lied „Last rose of summer“ in den Sinn, das ich vor Jahren zum ersten Mal von der irischen Band Reeltime gehört hatte. Leider machen diese exzellenten Musiker kaum noch was zusammen und sind dadurch zumindest hierzulande in der Versenkung verschwunden. Schade, wirklich schade. Keine Auftritte beim Müncher Irish Folk Festival mehr, sonst wäre ich mal wieder hin. Also CD rausgekramt, geschwelgt und anschließend das Lied gegoogelt. Es war mir nicht so ganz klar, dass es ein Riesenklassiker ist, der in Musikschulen weltweit rauf und runter gespielt wird. Und bei Großereignissen auch. „Des Sommers letzte Rose“ stammt von dem irischen Dichter Thomas Moore, der fast schon sowas wie ein früher Singersongwriter war, weil er seine Texte mit traditionellen Melodien vertont hat. Das Lied ist gut über 200 Jahre alt! Kann man immer wieder hören, aber vor allem jetzt im Herbst. Iren findens vermutlich abgedroschen und öde, mir gefällts. Schließlich fanden Tom Waits und Judas Priest die Titelzeile auch nicht schlecht und haben die gleich mal übernommen. Leider konnte ich keine Version von Reeltime bzw. deren großartiger Sängerin Máirín Fahy im Netz finden, aber wenigstens eine von Clannad. Ist für meinen Geschmack etwas zu getragen, aber immerhin. Ist nämlich nicht so einfach, Fassungen ohne Orchestergefidel oder Opernstimmen zu finden. Fürs bombastische Großereignis mit Andre Rieu wie gesagt bitte googlen. Das Ding so in Dublin aufzuführen hat direkt wieder Stil… Und wenn Ihr Lust habt, summt den letzten Herbstrosen doch was vor.

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4 Kommentare zu “Noch’n Gedicht

  1. hier in der waldwildnis nur noch hagebutten, aber in solchen mengen wie noch nie gesehen… wenn das wirklich ein vorzeichen eines strengen winters ist, dann kriegen wir einen… strengen… – rose und lied – herbstmelancholie… lieben gruß ghislana

    • Ich weiß es auch nicht. Hagebutten gibt es sehr viele, das stimmt. Mein Königskerzenorakel ist vertrocknet und spricht nicht mehr durch durch die Blume. Nach diesem Traumwochenende mag man nicht glauben, dass der Winter kommt.Aber das wird er….wie immer. Eine gute Woche, Ghislana!

  2. Hallo Doris
    Jetzt dachte ich du schreibst über Heinz Erhardt`s Buch Noch`n Gedicht, aus Hero und Leander ein Abschnitt:
    Und dann verliert im Meergetose
    Er erst die Hoffnung, dann die Hose … nein, die Rose
    Er murmelt nochmal: „Junge, Junge….
    Dein Foto finde ich gerade so leicht verschwommen wunderschön, andere retuschieren ihre Bilder solange bis sie so aussehen.
    Dieses Lied,diese Stimme und dazu noch Gitarre – wunderschön es passt zur Jahreszeit
    Gruß Claudia

    • Der Titel war natürlich ein Zitat. 😉 Über Heinz Erhard könnte ich mich schlapplachen, seine Gedichte sind teilweise wirklich genial. Mein Mann kann ihn auch so gut zitieren wie Du. Ich leider nicht, dafür habe ich ihn wohl doch zu spät kennengelernt. In den Filmen ist er ja manchmal nicht zu ertragen, die Hektik nervt. Aber seine Gedichte sind klasse.

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