Rauchzeichen selbstgemacht

Nebel, Novemberstimmung, Grau in Grau. Alles wie in Watte. Augen und Ohren kommen nicht mehr mit, laufen gegen weiße Wände. Blödes Gefühl. Da müssen andere Sinne her. Die Nase! Gerüche von nasser Erde und welkem Laub, aber auch ein paar Spuren von vergehenden Düften des Sommers ziehen durch die feuchte Luft. Es sind letzte Kräuter aus dem Garten und aus Wald und Flur, die sich langsam in die Winterruhe zurückziehen, aber noch einmal Zeichen geben und sagen, „Hier bin ich, meine Kraft ist leichter, dezenter geworden, aber sie ist immer noch da.“ Gedacht, getan: Rauchzeichen steigen auf, in die Luft, in den Äther. Rauchender, reinigender Duft zieht vorbei. Was fürs Auge, für die Nase, für die Seele. Smudge_stick_smokeDie Idee an sich ist ja nicht neu: Viele, wenn nicht sogar alle Kulturen nutzen Rauch und Duft zur Kommunikation mit den Göttern und/oder Geistern. Das Duftelement dient dabei oft der Reinigung. Beifuß, Lavendel, Salbei, Currykraut, Melisse und Thymian getrocknet und locker mit einem Stück Garn zusammengebunden wurden zu meinen ersten selbstgemachten Räucherbündeln. Ich wollte das schon lange mal ausprobieren. Sie brennen nicht ganz so gut wie gekaufte, aber hier weiß ich genau, was drin ist. Fürs Wohnzimmer ist der Qualm vielleicht doch etwas zu heftig, aber draußen in der Natur oder auf der Terrasse im Garten ist das wunderbar. Falls es beim Outdoor-Räuchern zu kalt werden sollte, kann man so ein grünes Bündel auch als Kräutertee aufbrühen. Da muss man ganz pragmatisch sein. Geht alles.Smudge_stick

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Rettung im Eimer

Saved_dahliasGerade noch geschafft vor dem ersten Herbstturm und dem Temperatursturz in der letzten Nacht und die noch reichlich blühenden Dahlien abgeschnitten, bevor Regen und Kälte sie zu Pflanzenmatsch dezimiert hätten. Die prallen Blüten bringen letzte Herbstsonnenstrahlen ins triste Regengrau. Dahlien sind was Wunderbares. Geballte Herbstkraft…

Noch’n Gedicht

HerbstroseDas Foto ist unscharf. Ich weiß. Dabei ist das hier noch mit das Beste, Ihr solltet mal die anderen sehen. Nahaufnahmen und meine japanische Automatik-für-Fotodeppen-Knipse gehen nur selten wirklich gut zusammen. Was mit großer Wahrscheinlichkeit an mir und meiner mangelnden Knipskenntnis liegt, aber sei’s drum. Eigentlich hätte hier ja auch eine weiße Wildrose abgebildet sein sollen, nämlich die letzte Rose aus meinem Garten. Aber mangelnde Kontraste und weiße Farbe überfordern meine Kamera und mich endgültig, deshalb wurde es doch eine rote Rose. Eine Münchner Rose, um genau zu sein. Warum der ganze Aufriß? Ganz einfach: Herbstluft macht pötisch. P-o-e-tisch, meine ich natürlich. Letzte Rose des Sommers, last rose of summer, naaa? Rings a bell? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Am ehesten wahrscheinlich bei Freunden des Irish Folk oder bei Fans von Andre Rieu. Googelt „Last rose of summer“ auf YouTube, dann wisst Ihr, was ich meine.

Jedenfalls kam mir neulich beim Anblick der einsamen, aber immer noch vehement blühenden letzten Rose in meinem Herbstsonnengarten das Lied „Last rose of summer“ in den Sinn, das ich vor Jahren zum ersten Mal von der irischen Band Reeltime gehört hatte. Leider machen diese exzellenten Musiker kaum noch was zusammen und sind dadurch zumindest hierzulande in der Versenkung verschwunden. Schade, wirklich schade. Keine Auftritte beim Müncher Irish Folk Festival mehr, sonst wäre ich mal wieder hin. Also CD rausgekramt, geschwelgt und anschließend das Lied gegoogelt. Es war mir nicht so ganz klar, dass es ein Riesenklassiker ist, der in Musikschulen weltweit rauf und runter gespielt wird. Und bei Großereignissen auch. „Des Sommers letzte Rose“ stammt von dem irischen Dichter Thomas Moore, der fast schon sowas wie ein früher Singersongwriter war, weil er seine Texte mit traditionellen Melodien vertont hat. Das Lied ist gut über 200 Jahre alt! Kann man immer wieder hören, aber vor allem jetzt im Herbst. Iren findens vermutlich abgedroschen und öde, mir gefällts. Schließlich fanden Tom Waits und Judas Priest die Titelzeile auch nicht schlecht und haben die gleich mal übernommen. Leider konnte ich keine Version von Reeltime bzw. deren großartiger Sängerin Máirín Fahy im Netz finden, aber wenigstens eine von Clannad. Ist für meinen Geschmack etwas zu getragen, aber immerhin. Ist nämlich nicht so einfach, Fassungen ohne Orchestergefidel oder Opernstimmen zu finden. Fürs bombastische Großereignis mit Andre Rieu wie gesagt bitte googlen. Das Ding so in Dublin aufzuführen hat direkt wieder Stil… Und wenn Ihr Lust habt, summt den letzten Herbstrosen doch was vor.

Tauschrausch

Tauschen ist eine prima Sache. Selber hat man vielleicht irgendwas zuviel, hätte aber eigentlich lieber was anderes. Einfach wegwerfen ist unsportlich und überhaupt manchmal irgendwie doof, vor allem, wenn es sich um überzählige Pflanzensamen handelt. Da blutet das Gärtnerherz. Kann man doch nicht in die Biotonne kloppen, ist doch viel zu schade. Zum Glück gibt es die Samenrotation als Highlight am Ende des Gartenjahres mit der Möglichkeit, überzähligem Grünzeug ein neues Zuhause zu geben.  TauschrauschWas hat man selbst, was man gern teilen würde? Was hat man zuviel? Und was hätte man denn gerne, falls jemand anders genau das übrig haben sollte? Das ist Spiel, Spaß und Spannung für Balkon-, Fensterbank und Gartengärtner. Chilis, Tomaten, bunte Sommerblumen, duftende Kräuter – die Wunschliste darf endlos sein. Was geht, das geht, was nicht, das nicht. Manchmal finden sich richtige Schätzchen unter den ertauschten Gaben, die man sich selber eigentlich nie gegönnt hätte. Ziertabak, alte Möhrensorten, asiatisch anmutende Salate, exotische Chilisorten – es ist irre, was sich alles in den Gärten und auf den Balkonen findet. Gärtnern ist nicht mehr spießig und voll öde, die Zeiten von Rasenschnitt mit der Nagelschere und langweilig-akkurat gezogenen Gemüsebeeten sind vorbei. Dennoch haben Neues und Traditionelles gleichermaßen einen Platz.

Die schöne kleine Tradition der jährlichen Samenrotation unter den Blog-Gärtnern (die aber nicht zwingend einen Gartenblog haben) wird mittlerweile von Balkongärtner Marcel fortgeführt. Marcel verteilt die Wundertüten, die nächstes Jahr bestimmt viele Blüten oder auch reiche Frucht tragen. Ich freue mich schon auf meine und hoffe natürlich, dass die Samen aus meiner Sammlung ebenfalls gut aufgehen, wachsen und gedeihen.

Marcel, an dieser Stelle auch von mir ein großes Dankeschön für die Zeit und die Arbeit, die Du für den rotierenden Spaß investierst. Du kriegst in den nächsten Tagen Post von mir.

Her mit der Helmpflicht!

Die gute Nachricht ist, diese Art von Kopfschmerz ist zeitlich begrenzt, denn sie tritt eigentlich nur im September/Oktober eines jeden Jahres auf. Das aber mit schöner Regelmäßigkeit. Präventiv hilft eine gute Unterlage in Form einer fetten Schweinshaxe oder eines rotglänzenden Liebesapfels leider nur bedingt. Andererseits ist diese Art von Kopfschmerz verbunden mit Heißhunger vermutlich nur noch nervig, deshalb würde ich sagen, eine deftige Mahlzeit kann auf keinen Fall schaden. Wenn es dann passiert ist, bringt Aspirin allerdings auch nichts. Fragt die Bedienung lieber nach einem Eisbeutel, alternativ nach einer kalten Bier- oder Limoflasche. Das Kalte muss an die Beule. Ahhh, tut das gut, wenn das Biergarten-kopfweh nachlässt.

Einige dieser Tipps sind selbstverständlich auch auf das Münchner Oktoberfest anwendbar, aber soweit ich weiß, stehen auf der Theresienwiese keine der schmerzauslösenden Bäume rum. Nein, auf der Theresienwiese kommt massives Schädelweh normalerweise vom ungezügelten Biergenuss, von rumfliegenden Maßkrügen oder anderen Grobheiten. Und für jede Variante braucht man ungleich mehr Eisbeutel, bis der Schmerz nachlässt. … Groschen gefallen? Genau, ich rede von den reifen Kastanien, die es zur Zeit in den bayerischen und sonstigen klassisch bewachsenen Biergärten regnet. Eigentlich müssten die am Eingang Helme verteilen. Dass das Gesundsheitsamt, Ordnungsamt oder sonst ein Amt noch nicht auf die Idee gekommen sind? Oder irgendein findiger Biergartenwirt, wäre doch ein prima Marketing-Gag („Unser Bier macht kein Kopfweh, unser Biergarten momentan schon. Wir schützen Sie! Helme gratis!“). Kommt vielleicht noch, denn heuer tragen die Rosskastanien sehr reichlich – das dauert, bis da alles unten liegt.

Viele Kastanienbäume sind allerdings schon fast ohne Laub oder tragen nur noch verdorrte Blätter. Schuld daran dürfte wohl die Kastanienminiermotte sein, deren Larven die Blätter so nachhaltig schädigen, dass sie vertrocknen und zum Teil schon im Sommer abfallen. Dieses Foto habe ich Anfang September gemacht, pikanterweise in einem ehemaligen Biergarten. Die Bäume sind jetzt beinahe ganz kahl. Ein trauriger Anblick, vor allem, weil rundherum noch so viel Grünes steht. Kastanie_braunAber es gibt noch Enklaven, wie das nächste Foto beweist. Durch Zufall kam ich im heute im Nachbardorf am krassen Gegenteil einer schädlingsbefallenen Rosskastanie vorbei. Kastanie_buntHeureka! Ich habe schon lange keine so bunte und augenscheinlich gesunde Kastanie mehr gesehen. Toll. So sieht er aus, der Oktober. Und wenn er noch einen oder zwei sonnig-goldene Biergartentage abwirft, ist das umso schöner. Ich setze dann auch einen Helm auf. 😉