Herbstkraft

Besser hätte man die Septembermorgen der letzten Tagen kaum beschreiben können. Und wisst Ihr, was das Schöne ist? Dass das Schauspiel sich jedes Jahr aufs Neue wiederholt. Ich finde, das ist ein beruhigender Gedanke für die Zeit, in denen die Morgennebelschleier wieder dichter und grauer werden und sich nicht mehr so leicht von der Sonne wegwischen lassen. Herbstkraft – was für ein wunderbares, was für ein geniales Wort. Wie schade, dass man solche Perlen der deutschen Literatur meistens in einer Lebensphase vorgesetzt bekommt, in der man noch so gut wie nichts damit anfangen kann und sich einen Sch … für sowas interessiert. Wie schön, dass man sie oft in späteren Lebensphasen wiederentdeckt und die Kraft ihrer Sprache endlich schätzen kann.

Essen hinter Rädern

Mein Arbeitsweg birgt manchmal Überraschendes. Gut, leider ist die Überraschung öfters mal ein Stau oder zwei oder drei (Kategorie „böse Überraschung“), aber das letzte Stück Landstraße bietet immer wieder tolle Anblicke, die den Stresspegel senken und die Laune heben. Manchmal überfällt mich dann nur eine dringende Unlust aufs Büro, weil ich den Tag lieber anders verbringen würde. 😉 Im Vorbeifahren erhaschte ich gestern einen Blick auf …. Störche! Oder doch Reiher?! Zum Glück hatte ich die Kamera dabei und kam per Ehrenrunde durch den nächsten Kreisverkehr wieder zurück, um mir die Szene genauer anzuschauen. Stoerche_TraktorNein, es waren tatsächlich Störche, die hier in aller Ruhe ihrem Tagwerk oder besser gesagt, ihrer Mahlzeit nachgingen. Essen hinter vier Rädern, so einfach kann das Leben sein. Wozu bis nach Afrika ziehen, der nächste Fly-In liegt doch direkt vor der Haustür. Vielleicht ging es aber auch um Reiseproviant in Form von Speck auf den Rippen. Hier musste sich jedenfalls garantiert keiner  die langen Beine in den Bauch stehen und aufs Frühstück warten. Stoerche_FeldInsgesamt waren es fünf Adebare, die sich aber partout nicht zum Gruppenfoto sammeln wollten. Einer hielt sich immer abseits und stakte allein durchs frisch gepflügte Feld. Solche Landszenen machen doch gute Laune. So kann der Arbeitstag kommen, und mein Freitag war dann echt okay…

Hattu Möhrchen?

Wie heißen die Dinger denn bei Euch landläufig so: Möhre, Mohrrübe, Karotte, Rübli, gelbe Rübe? Wenn man in einem oberbayerischen Gemüseladen ein Pfund Karotten bestellt, hat man je nach Landstrich und Laune des Verkaufspersonals unter Umständen schon verloren: Oje, a Preiss, das geht ja gar nicht. „Des hoaßt Gelbe Ruam, Karotten ham mia fei ned!“ Jo, dann weiß man das auch. Sprachenlernen auf die harte Tour führt manchmal zum schnelleren Erfolg. Häschenwitze mit „Hattu Gelbe Ruam“ funktionieren nur leider überhaupt nicht, das passt einfach nicht zusammen. Seien wir doch mal ehrlich – jeder liebte damals die Häschenwitze, über alle Bundeslandgrenzen hinweg. Auch die Bayern, da bin ich sicher. Möhrchen waren plötzlich in jedem Dialekt gesellschaftsfähig. Vielleicht waren die Häschenwitze ja sogar der Anfang vom Ende … wo einen doch heutzutage so manche bayerische Kassiererin oder Bedienung mit einem herzhaften „Tschüss“ verabschiedet. Aber ich schweife ab, zurück zum Thema.

Beim Fotografieren einer anderen Pflanze hatte sich eine Wilde Möhre aufs Foto geschmuggelt. Das da in der Mitte sieht aus wie ein Käfer, ist aber die charakteristische dunkle Lockblüte, die Insekten vorgaukeln soll: „Hey, hier schmeckt’s gut, komm doch mal her!“ Das ist Daucus carota.Wilde_Moehre_BlueteVereinzelt sieht man die weißen Doldenblüten jetzt noch am Straßenrand oder auf mageren Wiesen, doch die meisten haben sich schon zu dem typischen Nest zusammengerollt, das der Pflanze im Englischen unter anderem die Bezeichnung „Bird’s Nest“ eingebracht hat. Sieht ja auch echt aus wie ein kleines Vogelnest. Wilde_Moehre_verbluehtÜberhaupt hat man im angelsächsischen Raum eine andere Beziehung zu der wilden Verwandtschaft unserer Gartenmöhre als wir in Deutschland. Glaube ich jedenfalls. Oder kennt Ihr eine Braut, die sich Blüten der Wilden Möhre in den Brautstrauß hätte binden lassen? In den USA und England scheint das durchaus gängig zu sein, wie diese eindrucksvolle Bildergalerie beweist. „Queen Anne’s Lace“ klingt richtig elegant nach Spitzentüchlein und Rosenduft, da denkt doch kein Hochzeitsgast ein dezentes Möhrenaroma. Ich habe vor einiger Zeit auf einem anderen Blog über diese Vorliebe in der Brautfloristik gelesen und war fasziniert. Sieht echt schön aus und ist irgendwie außergewöhnlich. Ach ja, Wolle oder Seide kann man mit den Blüten der Wilden Möhre beige-gelblich färben. Ostereier vermutlich auch, aber die sind zur Blütezeit ja schon längst passé. 😉 Und klar, essbar ist das wilde Gemüse natürlich, insbesondere die Wurzel.

Apropos Gemüse – es gab es ja nicht nur Vegetarisches bei den Häschenwitzen. Kennt Ihr den noch? Geht das Häschen zum Metzger und fragt: „Hattu Eisbein?“ Antwortet der Metzger: „Ja, klar.“ –  „Oh, muttu warme Socken anziehen!“

Neulich bei Königs: Größenvergleiche

„Neulich bei Königs“ – die neue Mini-Soap auf der efeuwildnis informiert über die Neuigkeiten aus dem Adelsgeschlecht derer zu Königkerze, weil mir scheint, dass das Thema „Das Gespür der Königskerze für Schnee“ noch für weiteren Blogstoff sorgen könnte. Größe ist nämlich relativ. Die Blüten an meiner Königskerze sind relativ groß, weshalb ich sie automatisch als Großblütige ihrer Art einsortiert hatte. Ganz sicher war ich mir aber eigentlich nicht und siehe da: Knapp vorbei könnte in dem Fall aber auch daneben gewesen sein, denn  bei der Größblütigen Königskerze (Verbascum densiflorum) sind die Blüten laut Literatur im Durchmesser über 4 cm groß.Koenigskerze_ZollstockSo groß sind die Blüten an meiner Gartenkönigin definitiv nicht, wie das Beweisfoto mit Zollstock (in Bayern besser bekannt als „Meterstab“) glaubwürdig darlegt, trotz zittriger Handhaltung meinerseits, im Wind wackelnder Blüten und einem Kater, der sich just im Moment des Fotografierens gegen meine Beine lehnen musste, was der Kamerastabilisierung auch nicht gerade zuträglich war.

Geben wir mal noch 0,5 cm Spiel drauf, dann sind wir aber immer noch erst bei irgendwas zwischen 2 und 3 cm Blütendurchmesser. Die Sache mit den Blättern, die irgendwie so oder anders am Stängel entlang laufen und manchmal, aber nicht immer als DAS Unterscheidungsmerkmal schlechthin gelten habe ich schon gar nicht mehr verfolgt. Das Fazit der ganzen Aktion ist für mich: Es ist durchaus denkbar, dass wir doch eine klassische Wetterkerze in Form einer Kleinblütigen Königskerze (Verbascum thapsus) im Garten beherbergen. Und die hat relativ (schon wieder dieses Wort!) viele Blüten, die meisten davon im oberen Drittel. Heißt das jetzt, dass es ab dem 1. Februar bis zum 15. April schneit?Koenigskerze_SeptemberIch habe keine Ahnung. Die Hummel hat jedenfalls noch mal ordentlich zugeschlagen. Der war es offensichtlich völlig egal, welche Blaublütige sie da gerade angezapft hat. Größe gilt bei Hummeln bestimmt als völlig überbewertet, aber die Riesenbrummer haben auch leicht reden. 😉  Ich in meiner Funktion als Hofreporterin werde die weiteren Entwicklungen beobachten und berichten. Also dann bis zum nächsten Mal bei „Neulich bei Königs“ …