Auch Wildkräuter können rotieren … Samenrotation 2013

Wenn Euch beim Aufräumen im Garten Samen von interessanten Wildkräutern in die Hände fallen, werft sie nicht auf den Kompost. Nein, tütet sie ein, beschriftet das Tütchen und macht mit bei der Samenrotation 2013. Dann landen sie bestimmt bei bestimmt bei Gärtnerinnen und Gärtnern, die noch Zuwachs für die Wildecke auf ihrer Scholle suchen. Und das Beste: Ihr bekommt tolle Samen zurück für Euren eigenen Garten! Warnung: Der Hibbelfaktor ist riesengroß, die Spannung fast unerträglich, aber die Aktion macht unheimlich viel Spaß und man trifft gleichgesinnte Pflanzenfans.

Die Details findet Ihr bei Claudia vom Kräuterklatsch-Blog oder direkt bei Marcel vom Balkongarten-Blog, der die Aktion in diesem Jahr organisiert. Viel Spaß beim Rotieren! 🙂

Kinderkram macht Spaß!

Die Fallzeiten der Kastanie sind offenbar regional recht unterschiedlich, aber wenn Ihr noch welche findet, macht Euch doch den Spaß und bastelt drauflos, zusammen mit den Kindern oder auch allein. Eure Kinder gucken vielleicht ein wenig verständnislos, aber … so what?

Kastanien_in_Schale

Oder wann habt Ihr das letzte Mal Kastanienmännchen gebastelt? Bei mir war es schon eine Weile her. Ich war erstaunt, wieviel Übung und Finesse man braucht, damit die Kerlchen keine Fallsucht bekommen. Hatte ich gar nicht mehr so in Erinnerung.

Kastanienmännchen

Die kleine Bastelei macht echt Laune und es ist ein sinnliches Erlebnis, die glatten Kastanien in den Hände zu drehen, anzuschauen und den richtigen Winkel zu ertasten, an dem man ein Loch bohren kann. Bucheckern gab es auch gerade, die passten genau für die Hände. Am liebsten hätte ich den Männchen noch ein Bucheckernhütchen aufgesetzt, aber der Kleber hat versagt. Damit bleibt alles „en nature“ und völlig unverfälscht, bis auf die Streichhölzer. Wenn die Kastanien trocken werden, muss man ab und zu nachjustieren, damit die Arme und Beine weiter fest im Rumpf steckenbleiben. Nichts für die Ewigkeit, aber eine lustige Begleitung durch den goldenen Oktober.

Kastanienparade

Meine Manschkerlparade wünscht Euch eine gute Woche und viel Freude bei der einen oder anderen Herbstkreativität.

Zeitlose Versuchung

Herbstzeitlose_Pferd

Hey, halt, stopp! Die kleinen lila Dinger da vorn nur angucken, nicht fressen! Pferde sind ja nicht blöd, aber was weiss denn ich, ob das hier seine Hausaufgaben in der Kräuterschule auch wirklich gemacht hatte und wissen würde, dass die zartlila Versuchung alles andere als gesunde Grünkost sein würde.

Herbstzeitlose_Pferd_nah

Wie so oft im Leben war die Sorge unbegründet. Der große Blonde hatte den richtigen Riecher und hörte auf die instinktive Warnung, an den hübschen Blüten vorbei zu fressen, denn alles, aber auch ausnahmslos alles an der Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale) ist und bleibt giftig, auch im Heu. Weidetiere sterben meines Wissens relativ selten an Giftpflanzen, aber es passiert doch immer wieder mal. Im Herbst wird es aber auch tückisch – da steht sowieso nicht mehr viel Fressbares auf den Weiden und schwupps!, hat das hungrige Maul versehentlich eine Giftpflanze erwischt. Ihr Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen und sonstige Grasfresser da draussen: Immer Augen und Nase auf beim Grasen, nicht einfach blind rein mampfen! Das gilt auch im Frühjahr und Sommer, wenn die Blätter und Fruchtkapseln der Herbstzeitlosen erscheinen. Im Herbst stellt die „Nackte Jungfer“ nämlich nur ihre betörende Blütenpracht zur Schau, an der man sie wenigstens eindeutig erkennen kann, aber im Frühling ist das eine ganz andere Geschichte. Also: Aufpassööön!

Der lila Giftzwerg kam im Mittelalter als Zierpflanze aus Westasien zu uns und zeigt seitdem idealerweise im Garten das Sommerende und den frühen Herbstbeginn an. In Wiesen und Weiden sehen die Bauern ihn aus verständlichen Gründen nicht gern, doch andererseits spricht sein Erschienen auch Bände über den Boden: Der ist meistens gut feucht und auch ohne künstlichen oder organischen Dünger recht nährstoffreich. Hat man heutzutage auch nicht mehr so oft, und drum findet man die auffällige Pflanze auch nicht überall. In manchen Bundesländern hat sie zumindest schon auf der Roten Liste gestanden oder tut es immer noch. In Norddeutschland kommt die Herbstzeitlose gar nicht vor, glaube ich, aber das können die Nordlichter unter den Lesern sicher noch bestätigen oder dementieren.

Herbstzeitlose

Wieso ist die Herbstzeitlose denn nun so gefährlich? Das reichlich enthaltene Colchicin ist je nach Menge ein absolutes Problem für Mensch und Tier. Die Gärtner werden jetzt allerdings mit den Zähnen knirschen, denn Schnecken macht das Alkaloid überhaupt nichts aus. Ironie des Schicksals? Vielleicht, aber vermutlich einfach ein Trick der Natur, damit die Schleimer im Herbst auch was zu fressen haben. Spaß beiseite, man sollte wirklich aufpassen, vor allem, wenn Kinder die Blüten pflücken und sich danach mit ungewaschenen Händen etwas zu essen nehmen sollten. Die durch Zellschädigungen hervorgerufenen Vergiftungserscheinungen wie Schluckbeschwerden, Brennen im Mundraum, Erbrechen, usw. machen sich erst nach einigen Stunden bemerkbar. Nicht warten, sondern sofort ins Krankenhaus! Im Frühjahr besteht beim Bärlauchsammeln eine gewisse Verwechslungsgefahr mit den Blättern der Herbstzeitlosen; eigentlich sind die Standorte der beiden Pflanzen aber so verschieden, dass sie kaum zusammen auftreten dürften. Wie auch immer, Vorsicht ist bekanntlich die Mutter der Porzellankiste: Zusammen mit den Blättern erscheint die Fruchtkapsel, die an die einer Tulpe erinnert. Und wenn man sich unsicher ist, sollte man sowieso immer die Finger von einem Wildkraut lassen, eh klar.

*Das letzte Foto ist übrigens am Rand der Streuwiese entstanden, von der ich Euch neulich erzählt habe. Ihr seht, die ist gar nicht so tot, wie sie ausgesehen hat. :-)*

**Sorry wegen den mehrfachen Änderungen, aber WordPress  wollte mir die Macht seines Eigenlebens demonstrieren. ;-)**

Verstreut und gar nicht brach

Was ist das denn?! Eine Brachfläche, mitten im saftigen Grün? Hatte der Bauer keinen Bock zum Mähen oder was?

Streuwiese

Ja und nein. 😉 Es handelt sich um eine Streuwiese, die da so vertrocknet und – völlig untypisch – ungemäht mitten in den kurzgeschorenen Wiesen steht. Genau betrachtet ist es ein Relikt aus vergangenen Zeiten, als die Landwirtschaft noch nicht so intensiv und raumgreifend war. Früher war es ganz normal, dass bestimmte Flächen nicht gemäht wurden, weil die Wiesen nass, sauer und für Maschinen schwer zugänglich waren. Das Vieh mochte die harten Gräser nicht, die natürlich auch kein gutes Heu ergeben hätten. Doch auch damals musste das Vieh im Winter trocken in den Stallungen stehen, nur wurde Getreide wurde noch nicht im großen Stil angebaut, weshalb es auch weniger Stroh gab als heute. Gewusst wie: Man mähte die sauren Wiesen mit den harten Gräsern und Schilfpflanzen erst im Herbst und nutzte die Mahd als Einstreu. Daher der Name „Streuwiese“, wie ich heute gelernt habe. Ich dachte immer, die heißen so, weil die Pflanzen vor dem Mähen absamen und die Samen verstreuen können. Ich bin nie wirklich auf die Idee gekommen, dass diese Flächen letztendlich auch Nutzflächen waren und das in Süddeutschland sogar bis in die 60er Jahre hinein.

Streuwiese_InfotafelHeute werden Streuwiesen meistens von Naturschutzverbänden gepflegt oder zumindest finanziert. Engagierte Menschen erhalten damit  Lebensräume für Pflanzen und Tiere, die in unserer „normalen“ Kulturlandschaft mit bis zu drei oder vier Mahden pro Jahr nicht überleben können. Spätblüher wie zum Beispiel verschiedene Knabenkräuter (Orchideen!) brauchen solche Standorte, weil sie sich sonst nicht vermehren können. Brachvogel, Kiebitz und viele Schmetterlingsarten trifft man kaum noch an, aber in den Streuwiesen finden sie Schutz und Nahrung für ihre Nachkommenschaft. Im Herbst sieht das Ganze etwas tot aus, ist es aber nicht: Die Samen fürs nächste Jahr liegen schon im  dem Boden, ebenso wie viele verpuppte Raupen.

Viele ehemalige Streuwiesen sind  in der Vergangenheit drainiert worden und heute nicht mehr als solche zu erkennen. Die Zeit kann man nicht mehr zurückdrehen, aber es ist gut, dass sie in manchen Landschaften ein bisschen stehenbleiben darf.