Codewort: Pimp my Kräuterbuschen!

Was ist denn Eurer Meinung nach das absolut Blödeste, was einer Kräuterpädagogin vor einer Veranstaltung passieren kann, bei der jeder Teilnehmer einen Kräuterstrauß zu Maria Himmelfahrt mit nach Hause nehmen soll? Na? Ganz einfach: Die Anmeldeliste ist voll, das Wetter ist super … und die Wiesen und Wegränder sind frisch gemäht. Sehr frisch, nämlich erst vor ein oder zwei Tagen, und was nicht abgemäht wurde, ist in den letzten Tagen vertrocknet. Super-GAU, denn der Veranstaltungsort im Münchner Randgebiet ist per Internet und Druckwerk kommuniziert und örtliches Ausweichen unmöglich, weil der Treffpunkt an der S-Bahn liegt. Endzeitstimmung. Alles weg. Und jetzt? Ganz einfach: Nicht lange fackeln, sondern einen Rundruf unter den Teilnehmern starten: Wer kann was mitbringen für die Aktion „Pimp my Kräuterbuschen“, ob aus dem Garten oder der Wildnis, völlig egal. Je mehr Frauenkräuter, desto besser, und Blühendes wäre auch schön.

Gartenbeete voll mit Heilpflanzen sind ja nun praktisch, aber voll unsportlich und überhaupt, Ringelblumen oder die üblichen Duftkräuter wie Melisse und Salbei sind doch irgendwie nicht „wild“ genug. Also bin ich am Dienstagabend kurz vor der Dämmerung noch los gezogen auf Entdeckungstour nach passenden Wildkräutern, bewaffnet mit einer Blumenschere, aber dummerweise ohne einen Korb oder ein anderes Transportmittel. Eigentlich wollte ich nur ein paar Goldruten schneiden, aber dann … erinnert Ihr Euch noch an das Gefühl als Kind, beim Blumenpflücken?

Kräuterstrauss_XXL

Der Strauß konnte gar nicht dick genug sein und man war erst zufrieden, wenn die Hände ihn kaum noch fassen konnten. War doch so, oder? So ging es mir, als ich nach einer Stunde schwer bepackt und mit offenem Schuhband wieder daheim ankam: Goldruten, Springkraut, Blutweiderich, Rossminze, Kratzdistel, Wilde Möhre, Schafgarbe, Wasserdost und dazu noch einige mir unbekannte Pflanzen – ein Kräuterbuschen XXL, mein riesigster Wildblumenstrauß seit Jahrzehnten. Im Gegensatz zu Sieglinde hatte ich dann eine ziemlich entspannte Nacht, glaube ich. 😉

Ihre Sorge war übrigens völlig unbegründet, denn der S-Bahnhof in Neubiberg und der Randstreifen entlang der Gleise erwiesen sich als eine wahre Fundgrube. Kaum zu glauben, was da alles wächst: Wilder Dost, Seifenkraut, Kletten, Malven, Steinklee, Brennesseln, Johanniskraut, Odermenning, Schachtelhalm, Wegwarte, Nachtkerze, um nur ein paar der Schätze zu nennen, die wir gefunden haben. Sieglinde kam aus dem Erklären gar nicht mehr heraus: Was ist dies, was ist das, ist es heilkräftig, wie wirkt es, wie schmeckt es.

Da hätte es meinen Kräutereimer und die Mitbringsel der anderen Teilnehmerinnen eigentlich gar nicht mehr gebraucht, aber nach der kleinen Wanderung konnte jeder seinen Strauß nach Gusto ergänzen und zufrieden nach Hause gehen mit einem persönlichen Kräuterbuschen für Tees, Tinkturen oder Räucherwerk. Traditionell begleitet er Familie und Haushalt für die kommenden 12 Monate; kichlicher Segen kann heutzutage, muss aber nicht. Und wie unser lokaler Veranstaltungskalender zeigt, ist das Kräuterbuschenbinden eine feste Größe im Jahresablauf.

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Mein Strauß trocknet gerade. Er folgt keinen strengen traditionellen Gesichtspunkten, was die enthaltenen Pflanzen und ihre Anzahl angeht, sondern ist einfach nur „meiner“.  Ich bin gespannt, ob ich alle Kräuter auch im trockenen Zustand wiedererkenne. Schnuppern, schmecken, anfassen – wird schon klappen,  heilkräftig sind sie schließlich alle.

Mein_Kräuterbuschen

Sieglinde Schuster-Hiebl bietet übrigens viele interessante Veranstaltungen in und um München an. Einen Teil ihres aktuellen Programms findet Ihr hier. Wer sich genauer über den Brauch der Kräutersträuße zu Maria Himmelfahrt informieren möchte, findet im Internet viel Wissenswertes und Interessantes. In der gerade noch aktuellen Land Idee steht auch ein schön bebilderter Artikel zum Thema.

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9 Kommentare zu “Codewort: Pimp my Kräuterbuschen!

  1. Hallo Doris, das ist ein wunderschöner Beitrag und den Artikel in der LANDIDEE, die ich seit ca. 3 Jahren im Abo habe, habe ich auch mit Begeisterung gelesen. Bin nur noch nicht so fündig geworden wie Du. Muß mich die nächsten Tage doch hier in der Gegend mal umschauen.
    Liebe Grüße von Christiane.

  2. Wie herrlich! Und ja, bei mir ist’s auch immer aufregend, wenn ich zum Sammeln und Binden wilder Sträuße einlade – Wetter und Grünordnungsamts-Ordnungssinn haben schon großen Einfluss auf das, was dann wirklich wächst ;-). Erst gestern war ich wieder eine Stunde lang unterwegs, einen Wildkrautstrauß für meine erste Stunde in einer neuen Erzieherklasse pflücken, dort ist er heute kräftig durch alle Sinne gegangen, aber genug übrig ist noch für einen Topf auf dem Gartentisch. Der Hit war die Wilde Möhre 😉 lieben Gruß Ghislana

  3. Hallo Doris
    Bei einer Kräuterwanderung an der ich teilgenommen habe war ein ähnliches Problem , der Bauer hatte am Tag zuvor gemäht. Die Leiterin hatte aber auch vorgesorgt und uns mit selbstgemachtem Löwenzahnhonig und leckeren Kräuterbrötchen verwöhnt. Danach haben wir im Wald viele interessante Pflanzen unteranderem einen Gemeinen Baumbart (Flechte) gefunden. Also ich war begeistert.
    Einen Kräuterstrauss werde ich mir dieses Jahr auch wieder binden und bei deinem Link zur LandIdee habe ich eine Veranstaltung bei uns in der Nähe gefunden, freu mich schon.
    Schönes Wochenende
    Claudia

  4. Hallo, Ihr Lieben,
    danke für Eure lieben Kommentare. Tja, als Kräuterpädagogin oder Seminarleitung ganz allgemein muss man ganz offensichtlich flexibel sein und umdisponieren können, wenn es die Umstände verlangen. Und das am besten so, dass es die Teilnehmer kaum merken, wenn das Ordnungsamt mal wieder zugeschlagen hat. 😉

    Lernt man so was eigentlich auch in so einer Ausbildung (also, wie man mit „Krisensituationen“ in einem Seminar umgeht) oder das ist persönliche Flexibilität, weiß das jemand?

    Es wächst noch sehr viel, wenn man sich ein wenig umschaut und wie ich schon geschrieben habe, ich bin der Meinung, dass ein Kräuterstrauß nicht zwingend einer strengen traditionellen Ordnung folgen muss, sondern einem selber was „sagen“ sollte. Ich finde, die gefundenen Pflanzen haben oft auch was mit einem selbst zu tun, sei es gesundheitlich, spirituell oder sonst wie. In diesem Sinne wünsche ich Euch viel Freude beim Sammeln und Binden Eurer kleinen Hausapotheke. 🙂

    Herzliche Wochenendgrüße an Euch,
    Doris

    • Ja man übt das schon, den Umgang mit den Kunden und mit den Tücken der Materie 😉 Allerdings spricht überhaupt nichts dagegen, auch mal „Keine Ahnung“ zu sagen – schließlich gibt es über 5000 Wildpflanzen allein in Zentraleuropa – die kennt keiner. Und für wildgewordene Rasenmäher kann man ja auch nichts, da kann man ja auch mal ne Rallye machen, wer zuerst was „Wildes“ findet oder so….

      Grüße!
      Martin

      • Hallo Martin,

        ja, das denke ich mir doch, dass der Umgang mit den Kunden eben auch geübt sein muss. Die Rallye ist eine prima Idee, da kommt gleich Bewegung in die Geschichte und man geht weg vom „Problem“ hin zu was Aktivem.
        Ich bin gerade aus beruflichen und privaten Gründen dabei, mich ein bisschen in Richtung „wie bringe ich das Wissen an den Mann bzw. die Frau“ umzuschauen, deshalb hat mich diese Frage auch interessiert. Aber im Grunde ist das alles einfach nur gesunder Menschenverstand gepaart mit Handwerkszeug. 😉

        Viele Grüße,
        Doris

      • Hallo Martin,

        ja, das denke ich mir doch, dass der Umgang mit den Kunden eben auch geübt sein muss. Die Rallye ist eine prima Idee, da kommt gleich Bewegung in die Geschichte und man geht weg vom „Problem“ hin zu was Aktivem.
        Ich bin gerade aus beruflichen und privaten Gründen dabei, mich ein bisschen in Richtung „wie bringe ich das Wissen an den Mann bzw. die Frau“ umzuschauen, deshalb hat mich diese Frage auch interessiert. Aber im Grunde ist das alles einfach nur gesunder Menschenverstand gepaart mit Handwerkszeug. 😉

        Viele Grüße,
        Doris

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