Geschmackskaliber und Spätsommer

Man muss sich steigern können. Die Temperaturen sollen es auch wieder tun, morgen oder übermorgen, sagt jedenfalls der Wetterbericht. Gefühlt war er wie immer von heute auf morgen da, der Spätsommer, aber so war es ja nicht. Es war ein schleichender Prozess und wenn man ehrlich ist, war seine Ankunft schon Tage vorher spürbar. Aber so was verdrängt man halt gern, denn auch wenn die Sommerhitze fast schon etwas genervt hat, will man eigentlich doch, dass der Sommer nicht endet.Brombeergelee_2013

Der Spätsommer hat aber auch was Gutes neben der Tatsache, dass das Licht weicher wird und die Temperaturen erträglicher sind. Schließt die Augen und lasst Euch den Satz auf der Zunge zergehen: „Die Brombeeren werden reif.“ Herrlich. Wie gesagt, man muss sich steigern können und nachdem  meine Brombeerpflückaktion im letzten Jahr mehr als bescheidene Ergebnisse gebracht hatte, bin ich am Wochenende hochmotiviert in vielversprecherende Gefilde aufgebrochen. Dieses Jahr gibt es bei uns viele Brombeeren. Viele kleine Brombeeren, um genau zu sein, die zu pflücken fast schon was Meditatives hätte, wenn da nicht die Stacheln und das unwegsame Gelände wären. Da braucht man schon ein bisschen Durchhaltevermögen! Die Ausbeute waren 800 ml Saft, die ich zu Brombeergelee verkocht habe. „Das ist echt ein anderes Kaliber.“ meinte mein Mann nach dem ersten Geschmackstest. So ein Brombeeraroma ist nun mal unvergleich. Wie steht es bei Euch dieses Jahr, pflückt Ihr auch Brombeeren oder andere Waldfrüchte?

Übrigens registrieren nicht nur wir die Ankunft des Spätsommers. Katzen und Kater schlafen nachts manchmal wieder zuhause im Warmen, und die Schwalben treffen sich seit Tagen zur Teambildung und Lagebesprechung. „Also, wie war das noch mal da mit dem Afrika? Ach so, echt, die Straße runter, links und dann immer geradeaus? Hm, hatte ich irgendwie anders in Erinnerung. Hey, hat einer von Euch ein aktuelles Navi-Update? Nee? Na gut, okay, dann treffen wir uns morgen noch mal und reden weiter.“ So schauts aus. Bon voyage.Schwalbenversammlung

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Codewort: Pimp my Kräuterbuschen!

Was ist denn Eurer Meinung nach das absolut Blödeste, was einer Kräuterpädagogin vor einer Veranstaltung passieren kann, bei der jeder Teilnehmer einen Kräuterstrauß zu Maria Himmelfahrt mit nach Hause nehmen soll? Na? Ganz einfach: Die Anmeldeliste ist voll, das Wetter ist super … und die Wiesen und Wegränder sind frisch gemäht. Sehr frisch, nämlich erst vor ein oder zwei Tagen, und was nicht abgemäht wurde, ist in den letzten Tagen vertrocknet. Super-GAU, denn der Veranstaltungsort im Münchner Randgebiet ist per Internet und Druckwerk kommuniziert und örtliches Ausweichen unmöglich, weil der Treffpunkt an der S-Bahn liegt. Endzeitstimmung. Alles weg. Und jetzt? Ganz einfach: Nicht lange fackeln, sondern einen Rundruf unter den Teilnehmern starten: Wer kann was mitbringen für die Aktion „Pimp my Kräuterbuschen“, ob aus dem Garten oder der Wildnis, völlig egal. Je mehr Frauenkräuter, desto besser, und Blühendes wäre auch schön.

Gartenbeete voll mit Heilpflanzen sind ja nun praktisch, aber voll unsportlich und überhaupt, Ringelblumen oder die üblichen Duftkräuter wie Melisse und Salbei sind doch irgendwie nicht „wild“ genug. Also bin ich am Dienstagabend kurz vor der Dämmerung noch los gezogen auf Entdeckungstour nach passenden Wildkräutern, bewaffnet mit einer Blumenschere, aber dummerweise ohne einen Korb oder ein anderes Transportmittel. Eigentlich wollte ich nur ein paar Goldruten schneiden, aber dann … erinnert Ihr Euch noch an das Gefühl als Kind, beim Blumenpflücken?

Kräuterstrauss_XXL

Der Strauß konnte gar nicht dick genug sein und man war erst zufrieden, wenn die Hände ihn kaum noch fassen konnten. War doch so, oder? So ging es mir, als ich nach einer Stunde schwer bepackt und mit offenem Schuhband wieder daheim ankam: Goldruten, Springkraut, Blutweiderich, Rossminze, Kratzdistel, Wilde Möhre, Schafgarbe, Wasserdost und dazu noch einige mir unbekannte Pflanzen – ein Kräuterbuschen XXL, mein riesigster Wildblumenstrauß seit Jahrzehnten. Im Gegensatz zu Sieglinde hatte ich dann eine ziemlich entspannte Nacht, glaube ich. 😉

Ihre Sorge war übrigens völlig unbegründet, denn der S-Bahnhof in Neubiberg und der Randstreifen entlang der Gleise erwiesen sich als eine wahre Fundgrube. Kaum zu glauben, was da alles wächst: Wilder Dost, Seifenkraut, Kletten, Malven, Steinklee, Brennesseln, Johanniskraut, Odermenning, Schachtelhalm, Wegwarte, Nachtkerze, um nur ein paar der Schätze zu nennen, die wir gefunden haben. Sieglinde kam aus dem Erklären gar nicht mehr heraus: Was ist dies, was ist das, ist es heilkräftig, wie wirkt es, wie schmeckt es.

Da hätte es meinen Kräutereimer und die Mitbringsel der anderen Teilnehmerinnen eigentlich gar nicht mehr gebraucht, aber nach der kleinen Wanderung konnte jeder seinen Strauß nach Gusto ergänzen und zufrieden nach Hause gehen mit einem persönlichen Kräuterbuschen für Tees, Tinkturen oder Räucherwerk. Traditionell begleitet er Familie und Haushalt für die kommenden 12 Monate; kichlicher Segen kann heutzutage, muss aber nicht. Und wie unser lokaler Veranstaltungskalender zeigt, ist das Kräuterbuschenbinden eine feste Größe im Jahresablauf.

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Mein Strauß trocknet gerade. Er folgt keinen strengen traditionellen Gesichtspunkten, was die enthaltenen Pflanzen und ihre Anzahl angeht, sondern ist einfach nur „meiner“.  Ich bin gespannt, ob ich alle Kräuter auch im trockenen Zustand wiedererkenne. Schnuppern, schmecken, anfassen – wird schon klappen,  heilkräftig sind sie schließlich alle.

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Sieglinde Schuster-Hiebl bietet übrigens viele interessante Veranstaltungen in und um München an. Einen Teil ihres aktuellen Programms findet Ihr hier. Wer sich genauer über den Brauch der Kräutersträuße zu Maria Himmelfahrt informieren möchte, findet im Internet viel Wissenswertes und Interessantes. In der gerade noch aktuellen Land Idee steht auch ein schön bebilderter Artikel zum Thema.

Buch-, äh, Büchleintipp für Wildkräuterfreunde

Blogs sind eine prima Sache: Meistens schnell gelesen, mit hübschen Fotos und interessantem, informativem oder auch „nur“ unterhaltsamem Inhalt. Aber ab und zu möchte man doch was Handfestes in Händen halten und einfach nur entspannt durch ein Druckwerk blättern anstatt hektisch zu scrollen. Und wer möchte schon mit dem Tablet in der Hand durch eine Wiese laufen und Wildkräuter bestimmen? Also, ich jedenfalls nicht.

Deshalb möchte ich Euch heute das Büchlein „Die heilsame Wiese“ von Karin Greiner ans Herz legen. Die Biologin und Pflanzenexpertin beschreibt darin die Wild- und Heilkräuter Bibernelle, Frauenmantel, Gänseblümchen, Gänsefingerkraut, Gundermann, Löwenzahn, Mädesüß, Schafgarbe und Spitzwegerich auf ihre ganz persönliche und unnachahmliche Weise, nämlich sehr flüssig lesbar und charmant, dabei gleichzeitig gespickt mit Sachverstand, Hintergrundwissen und Anwendungstipps. Das Ganze wird abgerundet durch detailgetreue Fotos mit hohem Wiedererkennungswert und ein sehr ansprechendes Layout, wie ich finde. Die liebe Renate Blaes hat mal wieder ganze Arbeit geleistet (Kompliment, Renate!).

Kurzum: 88 Seiten prallvoll mit Informationen über Wiesenheilkräuter und wie man sie auch heute noch nutzen kann, sei es in köstlichen Gerichten oder heilsamen Tinkturen oder Wässerchen. Das ist mein Lesetipp für Euren Wildkräutersommer, den ich hier ganz freiwillig und völlig provisionsfrei einstelle. 😉

Fotos und Bestellinfos gibt es hier auf dem Pflanzenlust-Blog von Karin Greiner.

Königlicher Honigduft

Die Luft ist wie frisch gewaschen nach dem Gewittersturm der letzten Nacht, aber kaum kommt die Sonne durch, steigen die Sommerdüfte wieder auf aus den nassen Wiesen und Feldern. Weiße Blütenwolken entlang feuchter Wiesensäume und kleiner Bäche verströmen einen honigsüßen Duft.

Mädesüß_Bachlauf

Bei uns in der Gegend gibt es relativ viele kleine Bäche und Wassergräben, die sich durch Wiesen und Kulturlandschaft schlängeln. Im Sommer verraten weißblühende Alleen aus Mädesüß schon aus der Ferne, wo sich ein Bächlein befindet. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass die Pflanze mancherorts auch „Wiesenkönigin“ genannt wird. Wenn ich mir die Bilder so ansehe, haben die prachtvollen Stauden inmitten der kurzgeschorenen Wiesen diesen königlichen Namen wirklich verdient.

Mädesüß