Lupinensommer

Gartenlupinen

War die Hitzewelle letzte Woche nun Teil des Spätfrühlings, oder doch schon Frühsommer mit gefühlten hochsommerlichen Anteilen? Oder Hochsommer vor Sommerbeginn? Ich bin verwirrt. Man kann sich auf nichts mehr verlassen, was das ehemals jahreszeitentypische Wetter betrifft. Dieses Jahr bildet da keine Ausnahme. Die Blühpflanzen scheinen die einzige Konstante zu sein, die mir noch ungefähr den Weg durch die Jahreszeitenkapriolen weisen. Damit das Kind einen Namen hat, habe ich beschlossen, dass wir uns aktuell im „Lupinensommer“ befinden. Wenn Ihr unterwegs seid, achtet mal drauf: Entlang der Autobahnen und Landstraßen stehen blaue und rosafarbene Blütenkerzen, manchmal vereinzelt, manchmal in größeren Büscheln, die wie große Fackeln in der Sonne leuchten. In den Gärten blühen sie auch noch, aber die Hochphase geht dem Ende zu. Schuld daran sind – wenigstens in meinem Garten – unter anderem die Nacktschnecken, die relativ unbemerkt die üppig grünen Büsche von unten her kahl gefressen haben. Die Hitze hat ihr Übriges getan und dem Blattwerk den Rest gegeben. Schade, aber Lupinen sind sowieso keine Ganzsommerblume. Man muss sie einfach genießen, so lange sie da sind und fleißig Blüten für die Blumenvase schneiden; dann ist die Samenbildung verzögert und die Pflanze treibt noch mal ein paar Extrablüten nach.

Die Samen reifen ähnlich wie bei Erbsen oder Bohnen in behaarten Hülsen heran, die sich mit zunehmender Trockenheit grau verfärben. Mit viel Fantasie könnte man an einen Wolfspelz denken. Vielleicht heißt die Lupine deshalb auch Wolfsbohne und hat überhaupt diesen niedlichen Namen, der sich vom lateinischen Wort für Wolf ableitet. Die Blätter haben je nach Sorte zwischen 5 und 12 Finger und geben den Blütenfackeln einen tiefgrünen Untergrund. Lupinen gehören zur Familie der Schmetterlingsblütler, wie besagte Erbsen und Bohnen auch. Sie sind seit Jahrhunderten als Stickstoffsammler bekannt und geschätzt: Die Pflanzen holen sich den Stickstoff aus der Luft und reichern ihn mit Hilfe von Knöllchenbakterien im Boden an. So kann man gerade im Garten das Schöne mit dem Nützlichen verbinden, weil die Lupinen als Tiefwurzler auch noch den Boden lockern und ihn für spätere Kulturen vorbereiten. Die Pflanzenfamilie ist weit verzweigt und zählt an die 300 Mitglieder, von denen allerdings viele wegen ihres hohen Gehalts an Alkaloiden als giftig einzustufen sind. Als besonders eiweißreiches Nahrungsmittel oder Futterpflanze kommen deshalb auch nur die sogenannten Süßlupinen in Betracht. Im Gegensatz zu ihren wilden Verwandten enthalten ihre Samen kaum noch giftige Bitterstoffe und sind so genießbar und ungefährlich für Mensch und Tier. Achtet doch mal auf Fleischersatz aus Lupinensamenmehl – hier werden gerade interessante Alternativen entwickelt, auch zum Tofu. Im Gegensatz zu Soja wachsen Lupinen auch in unseren Breiten und machen lange kostspielige und umweltschädliche Transporte überflüssig. Sogar Lupinen-Eiscreme gibt es inzwischen, ist mir vor kurzem zufällig aufgefallen. Spätestens bei der nächsten Hitzewelle mache ich eine Testreihe damit. 😉

Lupinchen

Lupinen kann man ziemlich leicht selbst anziehen. Diese „Lupinchen“ brauchen noch eine Heimat im Garten (aber erst müssen die fiesen Schnecken weg!). Die Pflänzchen verdanke ich einer tollen Aktion von Lina Luna, die im Herbst über ihren Blog einen spannenden Samentauschvon Garten- und Wildpflanzen organisiert hat. Jeder Umschlag war eine richtige Wundertüte! Nochmals vielen Dank für die Samenrotation, LinaLuna. Ich bin schon gespannt, in welchen Farben die Lupinen aus der Eifel blühen.

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4 Kommentare zu “Lupinensommer

  1. Hallo Doris, das ist ein wunderschöner Artikel über Lupinen und ich habe dadurch einiges mehr über sie erfahren. Ich mag Lupinen auch sehr gerne und werde nächstes Jahr bestimmt welche im Garten pflanzen.
    Übrigens schicke ich Dir mal ein paar Fotos aus unserem Garten per mail.
    LG von Christiane.

  2. Hallo Doris
    Ich hatte jetzt 2 Wochen kein Internet und jetzt habe ich den Lupinensommer fast verpasst 🙂 Bei uns blühen sie noch , deine kleinen Lupinen sehen sehr hübsch aus. Ich habe vor ein paar Jahren auch mit den Schnecken um die Lupinen gekämpft aber leider verloren. Meine Samen von LinaLunas Samentausch sind auch alle etwas geworden.
    Eine schöne Woche
    Claudia

  3. Hallo Ihr Lieben,

    ja, der Lupinensommer neigt sich wirklich dem Ende zu, zumindest im Garten, nachdem es heute den ganzen Tag geregnet hat. Aber ich habe mich total gefreut, als ich letzte Woche eine lange Strecke mit dem Auto gefahren bin und gesehen habe, wie zahlreich die Lupinen am Straßenrand standen. Bundesland-übergreifend sogar. 😉 Die wilden Sorten scheinen tatsächlich fast nur blau oder rosa-lila zu sein, gelbe oder weiße habe ich eigentlich keine gesehen.
    Hoffentlich lässt der Regen bald wieder nach. Es muss ja nicht wieder dermaßen heiß werden, aber ein bisschen mehr Sommer wäre schön. Dann schmeckt das Eis gleich noch besser. Das hier http://www.lupinesse.de/ war nicht die Sorte, die vor einigen Wochen bei uns im Supermarkt beworben wurde, aber macht nichts – da wird es keine so großen Unterschiede geben, was die Inhaltsstoffe betrifft. Damals habe ich noch gedacht, was ist denn das für ein Quatsch, aber ich lerne gerne dazu. 🙂

    Eine schöne Woche Euch allen!
    Doris

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