Zwei Schritte vor und wieder einen zurück

Er ziert sich, der Frühling. Mal scheint die Sonne, kurz drauf schneit es wieder und insgesamt ist es ganz schön frisch draußen. Die Natur steht in den Startlöchern, aber blühen tut noch nichts. Die Krötenwanderung dürfte auch stagnieren bei den Nachttemperaturen um den Gefrierpunkt. Märzenbecher habe ich vereinzelt gesehen, aber ob die nicht eher verwildert als wild waren, wer weiß das schon.

Alles ein bisschen zäh zur Zeit, findet Ihr nicht? In den letzten Tagen hatte ich eine dicke Erkältung, die ähnlich rumzickt wie der Frühling – einen Tag gehts viel besser, am nächsten wieder nicht mehr. Es hilft nichts, abwarten und Tee trinken mit einem ordentlichen Schuss Fichtennadelsirup drin. Das schmeckt, tut gut und inspiriert mich zu Überlegungen in Richtung selbstgemachter Hustentee mit Thymian und Spitzwegerich. Allen, die es auf den letzten Drücker zum Ende der Wintersaison ähnlich erwischt hat wie mich, sei der Kräuterklatsch-Blog empfohlen. Da gibt es eine Zusammenstellung bewährter natürlicher Hustenmittel und vieles mehr.Kornelkirschenblüte_Himmel

Es soll jetzt bitte endlich werden mit dem Frühling. Die Blüten an der Kornelkirsche sind buchstäblich kurz vorm Platzen. Ich auch. Vor Ungeduld. 😉

Gartenkonfetti? Sollte jeder haben.

Wildkräuter sind manchmal nicht so leicht an den Mann, die Frau und schon gar nicht ans Kind zu bringen. „Iiieeeh, das ist doch bestimmt giftig!“ oder „Was, ich ess doch kein Unkraut!“ – kommt Euch das bekannt vor? In den einschlägigen Frauenzeitschriften liest man immer wieder, dass man Kindern ungeliebtes, aber gesundes Gemüse (angeblich) schmackhaft machen kann, indem man die Gerichte einfach anders benennt und präsentiert. Also zum Beispiel, was weiß ich, dann wird der Gurkensalat wie eine Schmetterlingsraupe präsentiert und benannt, oder man richtet den Gemüseteller wie eine bunte Clownsmaske her – Ihr versteht das Prinzip. Ich nehme mal an, das könnte man auch bei Erwachsenen so oder ähnlich umsetzen, wenn sie beispielsweise Wildkräutern etwas reserviert gegenüberstehen. Dazu hatte ich neulich eine Idee …

Das war so:  Mangels Zeit zum Einkaufen gab es einen grünen Frühlingssalat, bestehend aus einem Rest Eissalat aus dem Kühlschrank und ein paar übrigen Feldsalatrosetten aus dem Garten. Direkt neben dem Feldsalat stand praktischerweise ein großes Büschel Gartenschaumkraut, das wurde auch gleich noch geerntet und mitgenommen für den hier bereits erwähnten Vorfrühlingskick beim Gärtnern.

Salat_mit_Gartenschaumkraut

Der Salat bekam ein fruchtiges Dressing mit (selbstgemachtem) Johannisbeeressig und als Krönung habe ich die kressig-scharfen Gartenschaumkrautblättchen darüber verteilt. Das war eine ziemlich leckere Kombination. Ich bin ja noch keine so große Wildkräuterköchin, deshalb habe ich mich echt drüber gefreut – etwas Gekauftes, etwas Selbstgezogenes und etwas Wildes, alles zusammen auf meinem Teller. Gutes Gefühl.

Außerdem sahen die fast kreisrunden Wildkräuterblättchen irgendwie lustig aus, beinahe wie dunkelgrünes XXL-Konfetti. Daher mein Flashback zu Bützje un Kamelle, mitten in der Fastenzeit. Vielleicht könnt Ihr den  ja demnächst am heimischen Esstisch verwerten, indem Ihr bei kritischen Nachfragen einfach nonchalant antwortet: „Ach so, das? Schmeckt gut, oder? Das ist Gartenkonfetti. Habt Ihr das nicht im Garten? Solltet Ihr Euch aber unbedingt zulegen!“

In diesem Sinne, Guten Appetit, und wer jetzt noch mehr Rezepte mit Gartenschaumkraut möchte, kann zum Beispiel hier suchen und fündig werden.

Grün in Sicht!

Es taut. Endlich! Die Schneedecke reißt auf, tropft davon und gibt den Blick frei auf braune Flecken im Gartenbeet und – man glaubt es kaum – erstes Grün.  Krokusse und Tulpen haben unter der isolierenden Schneeschicht fleißig durchgetrieben und auch die Mangoldstauden vom letzten Jahr zeigen schon frisches Blattwerk. Was für eine Wohltat fürs Auge nach dem ganzen Weiß und Grau der letzten Wochen – da freut man sich sogar übers Unkraut. Das Gartenschaumkraut (Cardamine hirsuta) hat unter dem Schnee eine beachtliche Rosette gebildet und streckt jetzt seine Blätter der Sonne entgegen.

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Das widerstandsfähige Kraut war anscheinend bis vor 20 oder 30 Jahren gar nicht so weit verbreitet und ist erst durch Baumschulware so richtig in die deutschen Gärten gekommen. Bis dahin dürfte das mit ihm verwandte Wiesenschaumkraut die bekanntere Pflanze gewesen sein. Ich selber kenne das Gartenschaumkraut eigentlich erst, seitdem ich gärtnere und habe schnell gemerkt, dass  immer wieder kommt, egal wie fleißig man rupft und zupft. Aber seitdem ich den Geschmack seiner Blättchen kenne, stört mich das noch weniger als vorher und seine zarten weißen Blüten sind auch hübsch anzuschauen.  Das Gartenschaumkraut macht sich mit seiner pfeffrig-scharfen Note gut in Frühlingssalaten, auf dem Butterbrot oder auch einfach nur so zwischendurch als kleiner Leckerbissen bei der Gartenarbeit.

Deshalb mein Frühlings-Tipp für die Gartenbesitzer unter Euch: Verbindet doch einfach das Nützliche mit dem Angenehmen und münzt das Un-, pardon, Wildkraut um in eine Salatzutat. Das schmeckt und bringt nebenbei auch noch den winterschlappen Organismus in Schwung.