Beinwellsalbe – Rühren bis zum Abwinken

Beinwellsalbe_kaltgerührt„Kaltrühren“ , das klingt doch irgendwie appetitlich, findet Ihr nicht? Für meine Ohren hat das einen Beiklang von Dessert, vielleicht einem Sorbet oder einer fluffigen Creme. Dabei geht es aber gar nicht darum, kalte Sachen zu einer Masse zu verrühren, sondern darum, eine warme Masse so lange zu rühren, bis sie kalt ist. Und das hat nicht viel mit Romantik und köstlichem Gaumenschmaus zu tun, sondern mit „Irxnschmoiz“, wie der Bayer sagt, also Kraft in den Armen und Schultern. Wenn die Beinwellsalbe dann fertig gerührt ist, kann man sie gleich zur Versorgung der schmerzenden Glieder verwenden. So schließt sich dann der Kreis.

Beinwellsalbe_Zutaten

Zum Glück gibt es heutzutage diese geniale Erfindung, die sich da Pürierstab nennt. In der Küche kann man das Ding so gut wie gar nicht einsetzen, denn kaum kommt ihm etwas Festeres unter das Rührmesser, ist es vorbei mit der Rotation und der Rührmechanismus steigt aus. Jedenfalls taugt unser Exemplar zu kaum mehr als zum Pürieren von Kartoffelsuppe. Aber beim Salbenrühren trumpft der Pürierstab auf, als hätte er nie was anderes getan. Den hat wahrscheinlich eine Kräuterhexe erfunden – der Beiname „Zauberstab“ kommt doch nicht von ungefähr. Wie auch immer, ich habe Euch ja noch gar nichts über das Finale im Experiment“Beinwellsalbe“ erzählt. Dabei ist sie seit Monaten fertig und fast ein Drittel davon schon weg, verschmiert auf kleinere und größere Blessuren.

Hier kommt das simple Grundrezept:

– 100 g Beinwellöl (dafür hatte ich Beinwellwurzeln in Olivenöl ausgezogen)
– 15 g Bienenwachs
– 2 TL Beinwelltinktur (Beinwellwurzeln in Wodka ausgezogen)
– ein paar Tropfen Lavendelöl (oder anderes ätherisches Öl nach Wunsch)

Bevor man mit dem Warmmachen und Kaltrühren beginnt, sollte man die Gerätschaften mit Alkohol desinfizieren, damit das Rührgut nicht verunreinigt wird. Dann schmilzt man das Bienenwachs auf kleiner Flamme, gibt das Beinwellöl dazu, vermischt das Ganze grob und lässt danach den Zauberstab rotieren, bis die Mischung cremig wird. Das ist ein Zeichen dafür, dass sie beginnt abzukühlen und man kann die Tinktur und das ätherische Öl zugeben. Weiterrühren, dabei das Becherglas oder die Schüssel ruhig auf einen kühlen Lappen oder ähnliches stellen, um den Abkühlvorgang zu unterstützen. Das Ganze wird immer cremiger und bekommt nach einiger Zeit die gewünschte salbenartige Konsistenz. Fertig. Achtung: Es kann gut sein, dass der Pürierstab recht warm wird und ein paar Pausen braucht, aber schneller als mit der Hand ist man damit allemal. Die Grimmschen Hexen wären begeistert gewesen, vielleicht sogar ein bisschen neidisch. Sind die Mädels wirklich nicht auf die Idee gekommen,  ihren Schneebesen zu verhexen? Eigentlich kaum vorstellbar.

Beinwellsalbe

Ich bin zufrieden mit meiner Beinwellsalbe, auch wenn sie definitiv „selbergemacht“ riecht. Das Lavendelöl konnte den relativ strengen Eigengeruch der Beinwellwurzeln nämlich nicht richtig überdecken. Sei’s drum, früher wurde die Salbe mit Schweineschmalz gekocht und der Geruch war vermutlich auch nicht gerade eine Offenbarung. Hauptsache, sie hilft, und das tut sie meiner Meinung nach schon. Die Tinktur wirkt übrigens auch sehr gut bei kleinen Entzündungen und Schwellungen. Es ist einfach was dran an den alten Hausmitteln und Rezepturen. Experiment gelungen!