Am Anfang war die Springkrautkunst

Manchmal kann man ja gar nicht so genau sagen, warum einen eine bestimmte Pflanze „anspringt“ oder nicht, aber Andreas Beitrag zum Thema Springkraut hatte mich an irgendwas erinnert. Da war doch was?! Ja, da war was, nämlich ein Bild, das mir vor ein paar Wochen versehentlich hinter die Kommode auf den Boden geplumpst war. Seitdem wartete es in einem zerbrochenen Rahmen darauf, wieder aus der Versenkung hervorgeholt zu werden.

Nur für den Fall, dass Euch meine Malweise zu expressionistisch sein sollte und Ihr das Motiv nicht erkennen könnt – das ist gelbes Springkraut. Ja, wirklich. Das weiß ich seit Andreas Blogbeitrag ganz genau. 😉

Mein Gemälde stammt aus dem August 1993, wie ich auf der Rückseite notiert habe. Die Jahresangabe hat mich schon ein bißchen geschockt – neunzehnhundertdreiundneunzig, kann doch gar nicht sein, so lang ist das schon her?! Das Bild hing über die Jahre hinweg in verschiedenen Wohnungen an verschiedenen Orten. Es begleitet mich schon so lange, dass mir sein Alter überhaupt nicht bewusst war.

Ich hatte damals bei einem Spaziergang an einem Waldrand ein ganzes Heer von diesen gelben Blütenpflanzen gefunden. Was genau es war, war mir eigentlich egal – das Blütenmeer sah einfach nur toll aus. Ich glaube, ich habe extra noch die Ölkreiden geholt (die ich zu der Zeit eindeutig mehr benutzt habe als heute), und an Ort und Stelle drauflos gemalt. Wahrscheinlich ist es das, was mir diesen Nachmittag besser in Erinnerung hält als jedes Foto es tun könnte. Leider male ich 19 Jahre später nicht unbedingt besser, aber es ist doch spannend, wie manche Interessen und Leidenschaften die Jahrzehnte überdauern – mir ist nämlich eingefallen, dass ich mich damals zum ersten Mal so richtig mit Wildpflanzen beschäftigt habe. So kann ich mich auch daran erinnern, dass ich in jenem Spätsommer auch zum ersten Mal Holunderbeeren gesammelt und zu Saft verkocht habe.

Ungefähr 10 Jahre später kam ich auf einem Markt im oberbayerischen Miesbach an einem Stand der ersten Kräuterpädagoginnen vorbei. Ich glaube, das waren die ersten Absolventinnen der Gundermannschule. Was die da alles anboten – Marmeladen, Kräutersalze, Liköre, Tinkturen. Wieder war ich fasziniert, aber leider durften damals nur Bäuerinnen/Landfrauen an diesem Kurs teilnehmen, was ich zwar vom Ansatz her verstehen konnte, weil man dadurch neue Betätigungs- und Einkommensfelder eröffnen wollte, aber trotzdem ein bisschen unfair fand. Heute sind die Kurse an der Gundermannschule oder auch woanders ja für jedermann frei zugänglich. Das Angebot ist zwischenzeitlich schier unüberschaubar – so ändern sich die Zeiten.

Wie lange beschäftigt Ihr Euch denn schon mit Wildpflanzen, Wildkräutern, Bäumen und all diesen Dingen? Könnt Ihr Euch konkret an eine Initialzündung erinnern? Ist es für Euch „nur“ Hobby, „schon“ Beruf oder das alles gepaart mit Berufung? Ich werfe einfach ein paar neugierige Fragen in die Runde und bin gespannt auf Euer Feedback. 🙂

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5 Kommentare zu “Am Anfang war die Springkrautkunst

  1. Hallo Doris
    Man kann wirklich erkennen , dass es das gelbe Springkraut ist alleine schon an dem Sporn.
    Interesse hatte ich schon immer aber wusste die Namen, Heilkraft oder die Bedeutung nicht. In der Schule in Biologie mussten meine Kinder Blättersammlungen oder Blumenbestimmungen machen und das fand ich total klasse und war immer eifrig mit dabei. Vor ca. 10 Jahren war ich auf einer Kräuterführung in Maulbronn mit der Kräuterhexe und das war die Wende.
    Ab da habe ich die Kräuter/ Pflanzen gesucht und meinen Garten umgewandelt in einen Kräutergarten.
    Meine Söhne hatten dann vor ca. 1 Jahr die Idee , dass ich alles in einem Blog notieren sollte und darüber bin ich auch froh so kann ich nichts mehr vergessen und lerne immer mehr dazu.
    Ich bin Hausfrau und eigentlich ist es Hobby, aber ich denke es ist schon mehr als nur Hobby vielleicht doch ein bisschen Berufung.
    Als kleines Kind habe ich schon Frösche, Kaulquappen Blindschleichen und sämtliches Krabbelgetier gesammelt und gefüttert und noch heute freue ich mich wenn ich eine mir unbekannte Spinne, Wespe….fotografieren kann und herausbekomme um was für eine Sorte, Gattung, Art es sich handelt.
    Du hast mich jetzt ganz schön zum Nachdenken gebracht.
    Liebe Grüße
    Claudia

  2. Hallo Doris, hallo Claudia,

    irgendwie muss es da vor etwa zehn Jahren eine Art Virus gegeben haben. Denn ungefähr so lange ist das auch bei mir schon her, das es intensiver wurde mit dem Interesse für das Wildkraut. Aber auch als Kind habe ich schon den Nektar aus den Nesselblüten genascht und den „magst du Butter“ Test mit Hahnenfußblüten gemacht und vieles mehr. Kinderspiele eben.
    Heute fasziniert mich mehr die Verwendbarkeit und diese unendliche Vielfalt und Schönheit der wilden Pflanzen.
    Für meine Qualifikation zur Wild und Heilkräuterpädagogin habe ich weite Wege auf mich genommen, da das nördlichste Angebot in Leopoldshöhe zu finden war. Angefangen habe ich noch bei Holtermann. Doch dann hat unser Kurs komplett gekündigt, weil er zwischen die „Fronten“ geraten war. Wir haben dann mit allen die noch weitermachen wollten einen neuen Anbieter gefunden und dann im Kloster Vinnenberg bei Warendorf weitergemacht.
    Doch die weite Entfernung hat sich für mich nicht nur wegen der Kräuter gelohnt. Ich befand mich damals mitten in Trennung und Scheidung und bin Martin im Kurs begegnet. Inzwischen sind wir verheiratet und haben alleine und auch gemeinsam schon Kurse in Sachen Kräutern veranstaltet. Diese sind sehr gut angekommen und haben uns neben viel Arbeit auch viel Freude gemacht.
    Doch zur Zeit ruht die „berufliche“ Ausübung aus zeitlichen Gründen. Leidenschaft und Berufung ist es auf jeden Fall. Neben Beruf, Kindern, Hausumbau und anderen „Baustellen“ kommen wir momentan nur nicht dazu sie zu leben.

    Alles Liebe von Andrea!

  3. Oh, was hab ich denn da angerichtet? 🙂 Herzlichen Glückwunsch!
    Jetzt verstehe ich auch manchen Beitrag in Martins Blog 🙂

    Morgens bei einem gemeinsamen Hundespaziergang gab mit eine Freundin einen Zeitungsausschnitt „Das könnte dich interessieren!“ Jutta Becker-Ufermann stellte sich vor, schwärmte von ihrer Ausbildung zur Kräuterpädagogin und lud zu einem Kräuterspaziergang mit kulinarischen Snacks ein.
    Bis dahin konnte ich Gänseblümchen und Löwenzahn auseinander halten und erkennen – glaubte ich 🙂 Als Großstadtkind hatte ich gelernt, das alles was man nicht pflanzt keinen Namen braucht und ausgerissen wird – Unkraut halt!
    Ich war neugierig, habe angerufen und am nächsten Tag war ich dabei.
    Jutta und ihr Wissen hat mich begeistert und kurze Zeit später war ich in der Gundermannschule angemeldet.
    Ich hatte noch das Glück in Bad Münstereifel Brigitte Klemme kennenzulernen und zu erleben. Ihr Tod ließ aber auch unseren Kurs auseinanderfallen.
    Aus persönlichen Gründen musste ich in dem laufenden Jahr meine Ausbildung abschließen. Deswegen wechselte ich – nach langem hin und her – in die „andere“ Gundermannschule.
    In meinem Blog hatte ich von der Ausbildung geschrieben, hier hat dann Martin Feuer gefangen 🙂 So schließt sich der Kreis „ggg“
    Jetzt bin ich staatlich zertifizierte Kräuterpädagogin, und ich bin immer wieder überrascht, wieviel mir die Ausbildung gegeben hat.

    Liebe Grüße auch an Martin
    Christel

  4. Hallo zusammen,

    lieben Dank für Eure Kommentare und Eure Geschichten, die ja nun wirklich das Leben geschrieben hat. Toll, vor allem auch, wie sich manche Kreise so schließen. 🙂
    Ich war damals in der Reha nach einer Bandscheibenoperation, als ich das Bild gemalt und begonnen habe, mich für Wildpflanzen zu interessieren. Interesse hatte ich im Grunde auch schon immer, aber als Bauerntochter lernt man halt auch als erstes die Unkräuter kennen, die weg müssen und nicht, was für eine Heilwirkung oder sonstige Verwendung diese Pflanzen eigentlich haben. 😉 Einige Jahre später habe ich begonnen, einen Lebenstraum endlich anzupacken, der auch in die Natur führte, aber doch in eine andere Richtung: Ich wollte die Falknerprüfung machen. Dafür musste aber zuerst die Jägerprüfung sein. Im Jagdkurs habe ich auch wieder viel über Pflanzen gelernt. Nach dem „Umweg“ über die Tierwelt bin ich wieder zurück zu den Pflanzen gekommen und kombiniere jetzt eigentlich beides. Nur die Falknerei kommt beruflich bedingt immer noch zu kurz, leider.
    Ab und zu gehe ich bei Kräuterwanderungen mit oder mache mal einen Kurs zu bestimmten Themen, aber eine richtige Ausbildung habe ich immer noch nicht.
    Im Laufe der Zeit haben sich einige Heilkräuter im Garten angesammelt, die ich hege und pflege und für Tinkturen, Tees und Leckereien nutze. Draußen in der Natur halte ich die Augen offen nach Fotomotiven und interessanten Geschichten, und über eine Suchmeldung von Martin in einem Forum bin ich zum Wildkräuterbloggen gekommen. Ich würde sehr, sehr gern noch viel mehr machen und aus der Passion den Beruf heraus entwickeln, aber bisher hat das noch nicht geklappt.
    Es ist bemerkenswert, wie sehr das Interesse allgemein an Wildkräutern und Heilpflanzen gestiegen ist in den letzten 20 Jahren. Das ist eine richtige Bewegung geworden, finde ich. Es ist gut, dass wir uns wieder besinnen auf das, was schon immer funktioniert hat – das gibt Sicherheit in dieser schnellen und manchmal unsicheren Welt.

    Wie schaut es denn bei den Herren aus, verehrte Leser, wie seid Ihr denn zum Thema gekommen? 🙂 Ich bin gespannt!

    Viele Grüße,
    Doris

  5. Tja die jüngere Vergangenheit wurde ja nun schon ausführlich beleuchtet 😉
    Ich komme ganz klar von der kulinarischen Seite, brauchte mal wieder ein paar neue Ideen. Schon vor 10 Jahren hab ich mal in Frankfurt an einem VHS-Kurs teilgenommen, das war schon interessant. Dann schlief das Thema wieder eine Weile, bis ich Christels Beitrag las. Der Rest ist bekannt 🙂

    Die Weiterbildung hat mich dann weit über das Kulinarische hinausgeführt und viele neue Impulse in Richtung Biologie, Kultur, Heilkunde, Kreativität gegeben. Das wollen wir weitergeben. Ein paar Kurse haben wir nun veranstaltet, das Feedback ist immer sehr positiv, aber um dauerhaft etwas auf die Beine zu stellen, fehlt noch die zündende Idee. Da ja die einzig funktionierende Geschäftsidee im Bereich Wildkräuter die Ausbildung weiterer Kundiger ist, müssten ja nach dem Schneeballprinzip irgendwann alle versorgt sein…

    Grüße!
    Martin

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