Kräuter und Blüten in Ölauszügen und Tinkturen

Mir Hautcremes selber herzustellen wäre mir bis vor kurzem nie in den Sinn gekommen. Viel zu kompliziert, die ganze Abwiegerei und Abmesserei, die Temperaturüberwachung, die absolute Hygiene – all das hat mich abgeschreckt. Dann habe ich vor ein paar Monaten einen kleinen Kurs besucht, selbst eine Handcreme gerührt und war verblüfft, wie einfach das eigentlich ist. Macht total Spaß und bringt ein gutes Gefühl, weil man weiß, was in der Kosmetik drin ist. Davon abgesehen funktioniert die Technik auch für Heilsalben, und die interessieren mich noch mehr als der rein kosmetische Aspekt.

Viele Heilkräuter und deren Blüten sammelt man jetzt im Hochsommer. Da darf man sich nicht von Regengüssen und Windböen irritieren lassen, sondern muss einfach einen sonnigen Abschnitt abwarten. Der späte Vormittag ist die beste Sammelzeit, wenn die Sonne die Pflanzen wieder abgetrocknet hat. Dann ist auch der Wirkstoffgehalt am höchsten. Hochprozentiger Alkohol oder gute Öle ziehen die Wirkstoffe aus den Blüten und Blättern. Wenn man es eilig hat, kann man die Mischung für einen warmen Ölauszug leicht erwärmen. Sonst lässt man das Ganze einfach für mehrere Wochen auf der warmen Fensterbank in der Sonne stehen. Diese Ölauszüge und Tinkturen bilden die Basis für Salben und Cremes, die man ganz bequem später im Jahr herstellen kann, wenn die Temperaturen wieder sinken und man ganz gern am warmen Herd steht. Bei mir sonnen sich gerade Ringelblumen- und Johanniskrautblüten in Öl. Spitzwegerich muss ich mir auch noch holen für eine Tinktur, die man wegen der heilenden Fähigkeiten des Wegerichs sehr gut in Handcremes einsetzen kann. Ich benutze ein kaltgepresstes Olivenöl, weil ich das gerade direkt aus dem Schrank greifbar habe, aber ein Mandelöl wäre auch gut. Mandelöl hat eine leichtere Konsistenz als Olivenöl und fettet nicht so stark.

Ich merke gerade, dass der Sommer mit Riesenschritten voranschreitet. Da gibt es noch einiges zu tun und zu sammeln zur Verarbeitung in der kühleren Jahreszeit. Habt Ihr Eure Kräutervorräte schon unter Dach und Fach?

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Ein dekorativer Zaungast

Mittagspause. Schnell zum Einkaufszentrum und ein paar Besorgungen machen, dann schnell wieder zurück, den Kopf schon wieder halb in den Aufgaben, die am Nachmittag zu erledigen sind. Wie meist laufe ich am Firmengelände gegenüber entlang, dem mit dem neuen grünen Zaun. Doch plötzlich nehme ich etwas aus dem Augenwinkel war, das da vorher nicht war. Was ist das denn? Mal genauer hinschauen …

Ein Vorhang aus Zaunwinden! Wie cool ist das denn? Die Natur hilft sich mal wieder selber und begrünt alles, was sich begrünen lässt. Ich zücke mein Handy und fotografiere. Entgegenkommende Passanten gucken ein bisschen komisch, halten mich vielleicht für eine Industriespionin bei der Arbeit, aber das ist mir egal. Ich habe schon lange keine Zaunwinde mehr gesehen, jedenfalls nicht richtig bewussst – ein schöner Mittagspausenabschluss. Dabei ist das gar nicht so außergewöhnlich für die Ecke von München, in der ich arbeite, denn die ist eigentlich ziemlich grün und naturbelassen.

Calystegia sepium windet sich an Stützen wie Zäunen oder Bäumen in die Höhe, ähnlich wie es Stangenbohnen auch tun: Die Pflanzenspitze beschreibt in ungefähr 2 Stunden einen Kreis und sucht damit nach einer Unterlage zum Festhalten. Die Zaunwinde zählt zu den Linkswindern, weil sie sich gegen den Uhrzeigersinn in die Höhe rankt. Für Leute mit leichter Links-Rechts-Schwäche so wie mich ist so eine Information völlig sinnlos, aber ich dachte, ich erzähle es Euch trotzdem. 😉 Die Blätter haben eine schöne Herzform und sind sattgrün. Die Blüten sind einfarbig weiß und haben einen Durchmesser von ungefähr 5 cm.  Bei gutem Wetter sind sie in der Blütezeit von Juni bis Oktober Tag und Nacht geöffnet, denn die Bestäubung erfolgt meistens durch Nachtfalter. Zaunwinden verbreitet sich über Wurzelausläufer oder die eiförmigen Kapselsamen, die jeweils vier Samenkörner enthalten.

Gärtner finden diese Pionierpflanze häufig nervig, weil sie so ausdauernd wuchert und nur schwer in Schach zu halten ist. Ich dagegen finde es toll, dass der olle  Gitterzaun so dekorativ verhüllt wird. Die Natur ist eben der bessere Gärtner.