Wildkräuter als Gartenhelfer: Kuschelige Powerdecken aus Beinwell

Jeden Februar die gleiche Frage: „Soll ich oder soll ich nicht?“. Tomaten selber vorziehen oder doch lieber einfach zum gegebenen Zeitpunkt das Gartencenter stürmen? Die Eisheiligen sind noch weit weg, und erfahrungsgemäß sind Tomatenpflanzen im Wohnzimmer auch nur bis zu einer bestimmten Größe dekorativ. Dann immer das Drama ums Abhärten – huch, jetzt ist es doch wieder zu frisch auf dem Balkon, schnell wieder rein damit oder schlimmer noch, das schlechte Gewissen, wenn das Wetter plötzlich umschlägt, ich aber leider nicht zur Rettung der zarten Pflänzchen nach Hause eilen kann. Tomaten sind solche Mimosen, wirklich wahr! Ihr seht, ich bin mit Herzblut bei der Tomatenzucht dabei, und bis jetzt hat der sportliche Ehrgeiz noch immer gesiegt. Macht ja auch Spaß, wenn es bei tristen Gartenaussichten auf der Fensterbank sprießt und grünt. Also doch wieder Samentütchen, Aussaaterde und recycelte Salatschalen-Gewächshäuser ausmotten, säen, pikieren, umtopfen und noch mal umtopfen (und wenn der Frühling zu lange auf sich warten lässt, eben noch ein weiteres Mal umtopfen). Wenn man sowieso schon dabei ist, kann man gleich noch ein paar Zucchini mit vorziehen oder was einem sonst noch so einfällt. Zwischenzeitlich ist das Wohnzimmer wieder tomatenfreie Zone, und alle Pflanzen sind in Kübeln und Eimern in die Gartenfrische umgezogen. Wobei „Frische“ bei uns momentan den unangenehmen Beigeschmack von „sehr kühl“ hat. 😉

Tomaten und Zucchini sind bekanntlich Starkzehrer, oder anders gesagt: Die fressen dem Gärtner die Haare vom Kopf bzw. den Dünger aus der Hand. Mein geliebter Gartenratgeber schwärmt seit langem von den Vorzügen des Beinwell im biologischen Gartenbau, aber ich hatte nie einen greifbar. Das hat sich letzten Herbst geändert: Jetzt wuchern zwei Beinwellstöcke in der feuchten Gartenbeetecke und werden bis in die späten Abendstunden noch von Hummeln und Bienen umsummt.

Beinwell hat nicht nur medizinisch und kulinarisch einiges zu bieten, sondern ist wegen seines hohen Gehalts an Kalium und Mineralstoffen auch ein ausgezeichnetes Stärkungsmittel im Pflanzenbau und soll speziell bei Tomaten für einen reichen Fruchtansatz sorgen. Mit einer Mulchdecke aus Beinwellblättern kann man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden: Die Erde wird vor dem Austrocknen geschützt und  gleichzeitig gedüngt. Soweit zumindest die Theorie. Austrocknende Pflanzkübel sind bei den aktuellen Regenmengen zwar nicht zu erwarten, aber Dünger brauchen die Vielfraße ja trotzdem. Ob das alles auch im Kübel so gut funktioniert, wird sich zeigen. Ich hatte eine Zwischenlösung mit einer dünnen Rindenmulchdecke gefahren, weil der Beinwell noch nicht ganz so weit war, aber vor ein paar Tagen habe ich ein regenfreies Sonnenintermezzo genutzt, den Beinwelldschungel ordentlich gestutzt und die Tomaten und Zucchini anstatt mit Rindenmulch mit einer Beinwelldecke versehen. Schützt, düngt und wärmt gegen die Schafskälte. Was will der Bio-Gärtner mehr? Die ganze Vorarbeit bei der Anzucht soll sich schließlich lohnen.

Es kann sein, dass ich die Blätter  schon vor der Blüte hätte schneiden müssen. Da gehen die Angaben ziemlich auseinander, aber Versuch macht klug. Und psssst … nicht den Nachbarn sagen … eine Jauche habe ich auch angesetzt, denn Wirsing und Kartoffeln wollen schließlich auch was futtern. Davon aber später mehr!

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7 Kommentare zu “Wildkräuter als Gartenhelfer: Kuschelige Powerdecken aus Beinwell

  1. Beinwell ist wirklich ein tolles Kraut. Ich habe zu meinen Gartenzeiten immer mit den Blättern gemulcht (hatte zwei riesige Stauden) und zusammen mit Brennesseln eine Stärkungs-Jauche angesetzt. Stinkt zwar erbärmlich, aber den Pflanzen tat die Brühe sichtbar gut. Ich hatte nie Probleme mit Blattläusen und anderen „Saugern“ ;-).

    Und ich schwöre auf Beinwellcreme bei Prellungen, Stauchungen usw. Oder, die Blätter in Bierteig getunkt und frittiert als kleine Leckerei z. B. zu einem Salat als essbare Deko.

    Ich glaube, ich muss unbedingt auch mal einen Beitrag zum Beinwell verfassen 🙂

    LG, Heidrun

    PS: Meine Tomaten und Paprika werde ich auch noch mulchen (Beinwell wächst hier auf ein paar Wiesen und am Waldrand).

  2. Der Beinwell ist aus meinem Garten nicht mehr wegzudenken und ich schätze ihn sehr zur Düngung und Schädlingsbekämpfung, auch wenn ich allergisch auf die Berührung mit der Pflanze reagiere. Aber wozu gibt es Handschuhe?
    Ich freue mich immer wieder zu lesen, wenn auf ihn aufmerksam gemacht wird. Diese Pflanze kann gar nicht genug gewürdigt werden. Herzlichen Dank!
    Liebe Grüße Joona

  3. Hallo Doris,

    ja, das kenne ich auch gut, das hegen und pflegen. Dieses Jahr bange ich um meine Kürbisse, Zuccini, Rondini und Freilandgurken.Ende Mai war es so schön warm, da habe ich mich getraut sie auszupflanzen. natürlich auf schwarzer Mulchfolie und ordentich Kompost mit ins Loch. Die Gurken haben zusätzlich noch ein Vlies als Schutz bekommen. Doch einen Tag später kam der Kälteeinbruch mit Dauerregen und Wind und das hat einigen der mit sooo viel Liebe, Geduld und Erfolg vorgezogenen Pflanzen das noch so junge Leben gekostet:(.
    Die Schnecken gaben ihr Bestes und haben noch ordentlich an den schon geschwächten Pflänzchen rumgeknabbert.
    Aber 🙂 jetzt ist die Sonne zurückgekehrt und ein paar haben tatsächlich überlebt. Sollten sie es schaffen, ist die Ernte gesichert. Denn ich pflanze immer viel zu viele Kürbisse, Zuccini und Co., weil ich es nicht übers Herz bringe, den so mühsam und liebevoll gezogenen Pflänzchen keine Chance zu geben, nur weil sie eigentlich zu viel sind…

    Inzwischen blühen die ersten 😉

    Andrea

  4. Ihr Lieben,

    lauter Beinwell-Fans! Wie schön. 🙂 Doch, ich muss sagen, dass mich diese Pflanze fasziniert und dass ich mich riesig drüber freue, jetzt endlich nach und nach die vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten testen zu können. Die Salbe habe ich übrigens vor Monaten gekocht, das erzähle ich bei Gelegenheit noch ausführlicher.

    @Heidrun,
    hihi, von wegen „stinkt wie die Pest“ – ich glaube, meine Nachbarn werden bald erschnuppern können, was los ist. 😉 Nee, mal schauen, wie es wird. Ich nehme an, der Duft entfaltet sich erst so richtig bei höheren Temperaturen. Brennesseln habe ich auch ein paar mit drin. Dann wundert sich für die nächsten paar Wochen keiner über die Brennesseln neben dem Gartenbeet …

    @Joona,
    oh, ich wusste noch nicht, dass die Beinwellpflanze so reizend sein kann (im wahrsten Sinne des Wortes). Wie äußert sich denn die Allergie? Ich habe bisher keine Hautreaktion bemerkt, aber wenn man weiß, dass man empfindlich ist, sollte man wohl aufpassen. Wieder was gelernt! 🙂

    @Andrea,
    ach, Du sprichst mir aus der Seele … Dieses Jahr habe ich mich wirklich am Riemen gerisssen und meine Tomatenausaat nicht ins Uferlose laufen lassen. Dafür hat mir meine Nachbarin gleich noch ein paar Pflänzchen vermacht, die sie wiederum nicht wegwerfen wollte. Noch so eine Leidensgenossin! Ja, es ist wirklich etwas schwierig mit dem Wetter und den wärmeliebenden Pflanzen. Mein Wirsing (Premiere!) ist schon lange draußen, aber die Tomaten und Zucchini habe ich lange in der Wohnung oder auf dem Balkon gehabt. Jetzt habe ich über den meisten Tomaten Plastikhauben drüber, damit sie nicht gleich total verregnen. Eine oder zwei bekommen jetzt Blüten. Die Zucchini sind aber noch nicht so weit. Schnecken werden jetzt auch vermehrt ein Thema nach den ganzen Regengüssen. Ich habe schon einige gefunden, und es muss auch eine irgendwo im Frühbeetkasten hocken, die die Kohlrabi anknabbert. Gegen Schnecken hilft Beinwell wohl leider nur bedingt. 😉 Weiter viel Erfolg mit Deiner Gärtnerei im neuen Garten!

    Viele Grüße an Euch alle
    von Doris

  5. Hallo Doris
    Meine Beinwellpflanzen sind noch zu klein, ich versuche dieses Jahr mit Pechnelke meine Tomaten,Gurken,Bohnen.. zu schützen. Da ich gerade so viel Borretsch habe dünge ich damit noch zusätzlich meine Tomaten.
    Ich hatte die Hoffnung, dass die meisten Schnecken den kalten Winter nicht überlebt haben, stimmt leider nicht sie sind auch bei mir wieder da 😦
    Ich bin gespannt wie Beinwell deinen Pflanzen hilft.
    Grüße Claudia

  6. Hallo Claudia,

    ich hatte auch schon überlegt, ob man Borretsch nicht ähnlich wie Beinwell zum Düngen verwenden könnte, zumal die beiden doch verwandt sind. Wie machst Du das dann, mulchst Du oder machst Du eine Jauche mit dem Borretsch? Mein Borretsch beginnt jetzt blühen. Das sieht einfach zauberhaft aus; ich mag dieses Blau.

    Die Schnecken haben nur auf Regenwetter gewartet, damit ihre Beutezüge besser flutschen. 😉 Aber jetzt ist es wieder warm bei uns und der Boden wird trockener, dann ziehen sie sich vermutlich wieder etwas zurück.

    Schönen Sonntag!
    Doris

  7. Hallo Doris
    Ich habe Brühe angesetzt und 1 Woche ziehen lassen, diese Woche setze ich nochmal an, aber möchte es diesmal 2 Wochen stehen lassen (Wenn ich den Gestank aushalte) Ich geb dann immer noch Brenneseln dazu..
    Ja die Blüten sind wunderschön da kommt manche Orchidee nicht mit.
    Gruß Claudia

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