Wildkräuter als Gartenhelfer: Echt dufte, die Beinwelljauche

Manchmal ist es direkt ein Segen, dass es noch kein Geruchsinternet gibt, denn wenn Ihr riechen könntet, worüber ich hier schreibe …. klick und weg wärt Ihr. 😉 Die Beinwelljauche ist fertig, genauer gesagt etwa 8 Liter davon. Die Herstellung war total einfach und irgendwie magisch: Da packt man einen Eimer halb voll mit Blättern und Stängeln, gießt das Ganze mit Regenwasser auf und eine gute Woche später ist eine „dufte“ Düngebrühe fertig, ohne dass man viel mehr machen muss als das Gebräu jeden Tag umzurühren. Ohne Chemie, viel Arbeit oder Zusatzstoffe, ganz simpel und absolut naturbelassen. Die einfachsten Rezepte sind und bleiben die besten.

Mein Jauche-Rezept war wie so oft  „alles auf ungefähr“ (und außerdem hatte ich es gerade eilig, weil der nächste Regenguss schon wieder bedrohlich am Himmel stand.) Zwei große Brennesseln sind mit in die Mischung gewandert, nachdem die Kombination aus beiden Pflanzen für das Wachstum von Tomaten, Zucchini, Mais und vielen anderen nährstoffhungrigen Gemüsepflanzen wahre Wunder wirken soll. Nur die Stängel haben sich nicht komplett  zersetzt, alles andere hat sich einfach aufgelöst. In den ersten drei oder vier Tagen hatte das Gebräu immer eine kleine Schaumkrone, die sich aber dann verloren hat. Anfangs dachte ich noch, ach, das ist ja gar nicht so schlimm mit dem Gestank, aber weit gefehlt – der wurde mit der Zeit immer intensiver. So kann man sich täuschen!

Nach 10 Tagen fand ich, die Brühe müsste nun fertig sein, habe die groben Pflanzenteile aus dem Eimer gefischt und die Brühe in einen Kanister gefüllt. Ich weiß den genauen Nährstoffgehalt ja nicht, deshalb verdünne ich lieber noch etwas großzügiger als im landläufig angegebenen Verhältnis 1:10. Man darf die Beinwelljauche niemals pur gießen, denn sonst verbrennen die Pflanzen regelrecht. Jetzt bin ich gespannt, wie es weitergeht und ob wir hier bald in Tomaten- und Zucchinibergen versinken.

Vielleicht ist das mit dem unangenehmen Geruch so ein bisschen wie bei der Medizin, die der Volksweisheit nach umso besser hilft, je ekliger sie schmeckt? Dieser Gedanke ist mir zumindest ein schwacher Trost, wenn die Nase sich beim Schöpfen oder Ausgießen des Gartenhelferleins unfreiwillig rümpft.

 

Wildkräuter als Gartenhelfer: Kuschelige Powerdecken aus Beinwell

Jeden Februar die gleiche Frage: „Soll ich oder soll ich nicht?“. Tomaten selber vorziehen oder doch lieber einfach zum gegebenen Zeitpunkt das Gartencenter stürmen? Die Eisheiligen sind noch weit weg, und erfahrungsgemäß sind Tomatenpflanzen im Wohnzimmer auch nur bis zu einer bestimmten Größe dekorativ. Dann immer das Drama ums Abhärten – huch, jetzt ist es doch wieder zu frisch auf dem Balkon, schnell wieder rein damit oder schlimmer noch, das schlechte Gewissen, wenn das Wetter plötzlich umschlägt, ich aber leider nicht zur Rettung der zarten Pflänzchen nach Hause eilen kann. Tomaten sind solche Mimosen, wirklich wahr! Ihr seht, ich bin mit Herzblut bei der Tomatenzucht dabei, und bis jetzt hat der sportliche Ehrgeiz noch immer gesiegt. Macht ja auch Spaß, wenn es bei tristen Gartenaussichten auf der Fensterbank sprießt und grünt. Also doch wieder Samentütchen, Aussaaterde und recycelte Salatschalen-Gewächshäuser ausmotten, säen, pikieren, umtopfen und noch mal umtopfen (und wenn der Frühling zu lange auf sich warten lässt, eben noch ein weiteres Mal umtopfen). Wenn man sowieso schon dabei ist, kann man gleich noch ein paar Zucchini mit vorziehen oder was einem sonst noch so einfällt. Zwischenzeitlich ist das Wohnzimmer wieder tomatenfreie Zone, und alle Pflanzen sind in Kübeln und Eimern in die Gartenfrische umgezogen. Wobei „Frische“ bei uns momentan den unangenehmen Beigeschmack von „sehr kühl“ hat. 😉

Tomaten und Zucchini sind bekanntlich Starkzehrer, oder anders gesagt: Die fressen dem Gärtner die Haare vom Kopf bzw. den Dünger aus der Hand. Mein geliebter Gartenratgeber schwärmt seit langem von den Vorzügen des Beinwell im biologischen Gartenbau, aber ich hatte nie einen greifbar. Das hat sich letzten Herbst geändert: Jetzt wuchern zwei Beinwellstöcke in der feuchten Gartenbeetecke und werden bis in die späten Abendstunden noch von Hummeln und Bienen umsummt.

Beinwell hat nicht nur medizinisch und kulinarisch einiges zu bieten, sondern ist wegen seines hohen Gehalts an Kalium und Mineralstoffen auch ein ausgezeichnetes Stärkungsmittel im Pflanzenbau und soll speziell bei Tomaten für einen reichen Fruchtansatz sorgen. Mit einer Mulchdecke aus Beinwellblättern kann man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden: Die Erde wird vor dem Austrocknen geschützt und  gleichzeitig gedüngt. Soweit zumindest die Theorie. Austrocknende Pflanzkübel sind bei den aktuellen Regenmengen zwar nicht zu erwarten, aber Dünger brauchen die Vielfraße ja trotzdem. Ob das alles auch im Kübel so gut funktioniert, wird sich zeigen. Ich hatte eine Zwischenlösung mit einer dünnen Rindenmulchdecke gefahren, weil der Beinwell noch nicht ganz so weit war, aber vor ein paar Tagen habe ich ein regenfreies Sonnenintermezzo genutzt, den Beinwelldschungel ordentlich gestutzt und die Tomaten und Zucchini anstatt mit Rindenmulch mit einer Beinwelldecke versehen. Schützt, düngt und wärmt gegen die Schafskälte. Was will der Bio-Gärtner mehr? Die ganze Vorarbeit bei der Anzucht soll sich schließlich lohnen.

Es kann sein, dass ich die Blätter  schon vor der Blüte hätte schneiden müssen. Da gehen die Angaben ziemlich auseinander, aber Versuch macht klug. Und psssst … nicht den Nachbarn sagen … eine Jauche habe ich auch angesetzt, denn Wirsing und Kartoffeln wollen schließlich auch was futtern. Davon aber später mehr!