Knoblauchduft in Knallgrün

Es gibt Traditionen, über die man nie groß nachdenkt, sondern sie einfach einhält, weil man das eben so tut. Eine davon ist für mich der Brauch, am Gründonnerstag etwas Grünes zu essen. Warum genau der Gründonnerstag so heißt und warum man grünes Gemüse oder Kräuter isst, ist nicht ganz eindeutig belegt. Sei’s drum, wahrscheinlich ist es ein alter Brauch, der irgendwie in die christliche Mythologie und Liturgie eingewoben wurde. Eine nette Tradition ist es allemal, denn wir sehnen uns doch alle nach frischem, würzigem Grün auf dem Teller, wenn der Winter endlich vorbei ist.

Da völlig spinatfrei, ist unser Gründonnerstagsgericht dieses Jahr unklassisch, aber auch sehr schmackhaft ausgefallen. Was soll ich sagen, ich habe mich die ganze Woche drauf gefreut: Spaghetti mit Bärlauchpesto. Dieser Duft! Diese Farbe! Diese Kombination aus zartem Knoblauchgeschmack und Olivenöl! Und in die Hände gefallen ist er mir auch noch, denn unsere Nachbarn haben am Wochenende beim Waldspaziergang einen ganz jungen Bärlauch gefunden und mir eine Handvoll geschenkt. Ich habe die zarten Blätter zu einem knallgrünen Pesto verarbeitet und das Glas bis zum großen Moment im Kühlschrank verwahrt. Salz, etwas Pfeffer, mehr Würze braucht es eigentlich nicht.  Parmesan hatte ich keinen, der kam erst später direkt zum Pesto auf die Nudeln. Köstlich, wirklich wahr. Wenn das Essen so „richtig natürlich“ ist und nicht gekauft aus dem Glas, ist das einfach ein anderes Gefühl.

Beim Bärlauchsammeln sollte man es nicht übertreiben, denn er gilt in manchen Gebieten Deutschlands als gefährdet. Inzwischen kann man ihn ja auch auf vielen Märkten aus Zuchtanbau kaufen. Ich setze das zwar als mittlerweile bekannt voraus, aber nochmal zur Vorsicht: Achtung, beim Sammeln muss man wirklich aufpassen, damit keine Verwechslungen mit Herbstzeitlose, Aronstab oder Maiglöcken passieren. Die sind allesamt giftig. Wer sich unsicher ist, bitte Hände weg und die Blätter lieber stehen lassen!

Allium ursinum gehört zur Familie der Zwiebelgewächse. Wenn man ein Bärlauchblatt schneidet oder zerreibt, steigt einem der typische Knoblauchduft in die Nase. Wie sein kultivierter Verwandter wirkt auch der Bärlauch antibakteriell und blutreinigend. Er reguliert den Blutdruck, putzt die Adern durch, macht sie geschmeidig und senkt nebenbei auch noch den Cholesterinspiegel – eine wahres Allheilmittel für uns Zivilisationsgeschädigte. Kein Wunder, dass der wilde Knoblauch oder Knoblauchspinat in den letzten 10 oder 15 Jahren eine wahre Renaissance erlebt hat. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, ihn vorher auf irgendwelchen Speisekarten gesehen zu haben. Übrigens: Wenn Ihr die Gelegenheit habt, probiert mal eine Bärlauchblüte. Ihr werdet über den unerwartet intensiven Geschmack staunen, versprochen.

Ich finde, der Bärlauch ist ein gutes Beispiel dafür, wie man altes Kräuterwissen auf leckere Weise wieder in den Köpfen der Menschen verankern kann. In diesem Sinne wünsche Euch grüne, blühende und rundherum köstliche Ostern!

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7 Kommentare zu “Knoblauchduft in Knallgrün

  1. Ja, Bärlauch ist ein feines Wildkraut. Und hat längst auch in den besseren Restaurants Einzug gehalten. Einfach und lecker, kann ich absolut bestätigen: Das Pesto. Auch sehr fein: Bärlauch-Gnocchi 🙂

    Übrigens vor giftigen Pflanzen braucht man keine Angst haben, einfach an den Blättern reiben, und man weiß dank intensivem Knoblauchduft sofort, dass man das richtige Kraut hat 🙂

    LG, Heidrun

  2. Hallo Heidrun,
    ja, ich denke auch, dass die Verwechslungsgefahr relativ gering ist, wenn man mit offenen Augen sammelt und nicht einfach „abmäht“. Nach einer Weile riecht halt alles nach Knoblauch und wenn man sich nicht ganz so gut auskennt, kann sowas schon mal ins Auge gehen. Deshalb sage ich es lieber dazu.

    Frohe Ostern!
    Doris

    • Hallo Dina,

      dankeschön für das Kompliment! Schön, dass Du bei uns vorbei gelesen hast. Ich habe auch schon auf Deinem Blog gestöbert und finde ihn sehr interessant.

      Auf Wiederlesen :-),
      Doris

  3. Momentan sprießen die Blätter der hochgiftigen Herbstzeitlose auf den Wiesen an meinem Jogging-Weg. Und ich muss sagen, sie haben fatale Ähnlichkeit mit dem Bärlauch. Ich kann sie zwar gut unterscheiden, aber fürs ungeübte Auge besteht schon Gefahr. Und deshalb gibt es immer wieder Vergiftungsfälle …
    Liebe Grüße
    Renate

    • Hallo Claudia,
      danke für Dein Lob. Dein Blog ist auch sehr schön und informativ.
      Den Tipp mit der Bärlauchblüte habe ich von einer Kräuterpädagogin. Sie hat uns alle eine Blüte probieren lassen und alle waren wirklich platt, wie toll die schmecken.

      Wir lesen uns wieder! 🙂

      Viele Grüße,
      Doris

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