Frühlingsfreuden am Wegesrand

Ich bin wieder mit der Welt versöhnt und erkläre nun auch für Südbayern den Frühling als offiziell angekommen. Übers Wochenende war ich nämlich verreist und wurde nicht müde zu betonen, dass die Natur nördlich von uns hier ja schon viel, viel weiter sei. Alles war grüner, blühender, einfach frühlingshafter. Aber was ein bisschen Regen gefolgt von Frühlingswärme ausmachen kann, habe ich heute gemerkt: Auch hier ist es jetzt grün, blühend, einfach frühlingshaft. Das wurde aber auch Zeit! Ich zeige Euch mal, was mir heute alles am Wegesrand begegnet ist.

Buschwindröschen finden sich an sonnigen Waldhängen und zaubern weiße Sterne und grüne Tuffs in das alte Laub. Sie drehen ihr Gesicht der Sonne zu. Wenn die weg ist, schließt sich die Blüte wieder bis zum nächsten Sonnentag. Die Hahnenfußgewächse drehen jetzt richtig auf und kriechen zu meinem Leidwesen auch in meinen Gartenbeeten überall hin. Aber Buschwindröschen sind einfach nur zauberhaft!

Die Weidenkätzchen sind nicht mehr nur weiß-puschelig, sondern jetzt in der Blütephase gelbweiß-puschelig. Macht sich gut vor dem blauen Frühlingshimmel, wenn auch der Frühlingswind beim Fotografieren ein klein wenig hinderlich war. Der hat dafür aber bestimmt beim Bestäuben geholfen.

Und am Rand einer bewirtschafteten Wiese ohne irgendwelche Blüten ist mir diese Schlüsselblume begegnet. Das hat mich ganz besonders gefreut, weil das Grünland ansonsten eben nur eintönig grün war. Was für ein Kontrast – wilde Natur in einer öden Graslandschaft.

Welche Frühlingsfreuden habt Ihr denn in den letzten Tagen so entdeckt? Die ersten Frühlingsblüher sind schnell wieder dahin, deshalb schaut Euch um und freut Euch an den Farben und Düften, die man wirklich nur ein einziges Mal im Jahr genießen kann. Carpe diem und viel Spaß! 🙂

Frühlingsblüher gesichtet!

… um einen geflügelten Spruch zu bemühen: Ja, ist denn schon Frühjahr? Na logisch! Wollt Ihr einen echten Frühlingsboten sehen, der nur auf ein bißchen Märzsonne gewartet hat, damit er loslegen kann? Tadaaa, darf ich Euch mein Fundstück vom Wochenende vorstellen: Klein, aber oho – der Huflattich!

Da steht er und blüht nach Leibeskräften, ohne Blätter oder irgendwelchen Firlefanz, und Bienen und Insekten freuen sich über die erste Nahrung in der noch kargen Natur. Bei schlechtem Wetter bleibt die Nektarbar geschlossen, denn die Bütenköpfe öffnen sich nur bei Sonnenschein. Beim flüchtigen Hinschauen könnte man den Huflattich für einen Löwenzahn halten, aber der blüht natürlich erst viel später und hat dabei schon seine langen, spitz zulaufenden und gezähnten Blätter. Beim Huflattich erscheinenen die hufeisenförmigen Blätter erst, wenn die Blüten schon verblüht sind und sich ähnlich wie beim Löwenzahn in weiße Schirmchen verwandelt haben. Der Frühlingsbote wächst mit Wurzelausläufern auf mageren, steinigen Böden, am liebsten in voller Sonne. Dabei darf es auch gern etwas feucht und lehmig sein; diese Pflanze gilt allgemein als Staunässezeiger und Pionierpflanze, die gerne aufgelassene Kiesgruben oder Bauschutt besiedelt.

Tussilago farfara ist schon seit dem Altertum als probates Hustenmittel bekannt. Man erkannte bereits früh die wohltuende Wirkung bei Reizhusten und Bronchitis: Die reichlich enthaltenen Schleimstoffe kleiden die entzündete Schleimhaut aus und blockieren so den Hustenreiz. Ich habe gelesen, dass man früher der Rauch von Huflattichblättern als Hustenkur auch inhaliert und die Blätter als Lungenstärkung sogar als Tabak geraucht (!) hat, was ich als Hustentherapie bemerkenswert finde. Wegen ihrer entzündungshemmenden und adstringierenden Eigenschaften wurden die Blätter auch gern für Umschläge bei Venenerkrankungen und ähnlichem verwendet. Die Verwendungsarten beim Huflattich sind ja wirklich erstaunlich vielseitig. aber am häufigsten werden die Blätter und Blüten vermutlich in Teemischungen eingesetzt. Von einem Heilpraktiker habe ich ein Rezept für einen Erkältungstee, das ich aber noch nicht selber ausprobiert habe. Darin werden Schlüsselblumen, Holunderblüten, Malvenblüten und Huflattichblüten zu gleichen Teilen gemischt. Die Mischung müsste eigentlich ziemlich gut schmecken, und die Zutaten sind alle für ihre gute Wirkung bei Erkrankungen der oberen Atemwege bekannt. Wäre einen Versuch wert, wenn man die Frühlingssonne überschätzt und sich leider doch erkältet hat.

Aber wie so oft muss auch an dieser Stelle ein Warnhinweis sein: Huflattich hat einen hohen Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden, die laut neueren Untersuchungen als leberschädigend und krebserregend gelten. Man sollte ihn deshalb nur streng nach Dosierungsvorschrift und nicht länger als 2 bis 4 Wochen zu sich nehmen. Schwangere und stillende Frauen sollten wie immer noch vorsichtiger sein und lieber ganz auf Huflattich in jeglicher Zubereitung verzichten.

Beinwellsalbe auf der Zielgeraden

Eigentlich wäre der trübe und verregnete Sonntag heute wie geschaffen für den letzten Akt im Projekt „Beinwellsalbe“, aber es gibt noch so viele andere Dinge zu erledigen, dass ich wohl auf einen nächsten Sonntag von diesem Kaliber warten werde. Dabei wird es allmählich wirklich Zeit, denn erfahrungsgemäß fallen mir im Frühjahr und Sommer wieder neue Sachen ein, die ich machen oder ausprobieren möchte, und dann wird es zeitlich eng. Aber wer weiß, der Abend ist noch lang – mal schauen, ob es mich nicht doch noch an den Herd treibt.

Immerhin ist die schleimige Küchenschlacht (noch einmal danke für diese treffende Bezeichnung, Andrea!) jetzt in der Endphase und kurz vor der Vollendung. Die Beinwellauszüge in Alkohol und Öl durften länger als geplant in aller Ruhe auf der Fensterbank reifen, nur gestört durch mein gelegentliches Geschüttle und Geschaue, ob denn auch alles in Ordnung ist. In einem Seminar habe ich neulich gelernt, dass man Teefilter recht gut zum Abfiltern von derlei Flüssigkeiten verwenden kann. Stimmt, prima Tipp. Man kann die Filter gut auftrennen und in einem Sieb ausbreiten, das ist total praktisch. Damit war das Thema Mulltuch passé.

Der alkoholische Auszug lief erwartungsgemäß recht flott und flüssig durch. Das zäh-schleimige Beinwellöl ließ sich dagegen etwas bitten und verschliss insgesamt 3 Teefilter auf dem Weg vom Glas in die Flasche.


Hier seht Ihr die Salbenzutaten auf einem Gruppenfoto vereint. Die Tinktur ist ganz dunkelbraun geworden, während sich das Öl farblich kaum verändert hat. Der Geruch hat sich allerdings im Laufe der Zeit bei beiden wesentlich intensiviert, und der ist nichts für hochempfindliche Nasen. Das Bienenwachs duftet zwar sehr schön nach Honig, aber ob das allein zum „Abfedern“ der Duftnote reicht? Na, ich habe vorsichtshalber ein Lavendelöl besorgt, damit ich zur Not eingreifen kann. Wenn die Salbe auch noch aromatherapeutisch entspannend wirkt, hätte ich zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen. 😉 Ich bin wirklich gespannt auf das Endergebnis und freue mich aufs Köcheln.

Im Wald und auf der Heide …

Allerorten ist vom Frühling die Rede, von sprießenden Pflänzchen und zaghaften Blüten, die aus dem vertrockneten Laub und letzten Schneeresten lugen. Da habe ich meinen nächsten Beinwell-Post noch einmal vertagt und möchte lieber von einem grünen Überraschungsfund erzählen. Es war irgendwann im Januar und kalt, aber sonnig. Die Moose zeigten ihr schönstes Grün und stachen so richtig hervor aus den grau-braunen Kältewüsten um sie herum. Zunächst habe ich die Pflanze auch für ein ebensolches Moos gehalten, aber irgendwas hat mich dann doch irritiert. Die Form, die zarten lila Blüten? Wahrscheinlich. Also runter auf den Waldboden und genauer hingeschaut. Das ist doch ein Heidekraut. Oder?! Ich weiß gar nicht, warum mich das Pflänzchen so aus dem Häuschen gebracht hat. Ich habe schon ewig keins mehr „in freier Wildbahn“ gesehen. Irgendwie verbinde ich Heidekraut automatisch mit Norddeutschland, aber doch nicht mit Bayern.

Alles Klischees, wie ich beim Nachlesen feststellen durfte, denn egal, ob Norden oder Süden: Das immergrüne Kraut ist in ganz Europa verbreitet und mag unter anderem kalkarme Böden, Moore und lichte Kiefernwälder. Es gilt als Säurezeiger. Die Gegend um den Fundort wird von den Einheimischen „Fuizn“ genannt, was soviel heißt wie „Moor“ – der Pflanzenführer hatte also Recht. Nun war guter Rat trotzdem teuer, denn die Familie der Heidekrautgewächse ist nicht gerade klein. Welche Heide hatte ich denn nun fotografiert?! Die Blätter sind ledrig-hard und schuppig-dachziegelartig angeordnet, die Blüten zeigen ein zartes Blasslila – das spricht für Calluna vulgaris, die Besenheide. Sie ist ein Zwergstrauch, der nach einer langen Entwicklungsphase verholzt und im Einzelfall bis zu 1 m hoch werden kann. Die Pflanze lebt in Symbiose mit einem bestimmten Pilz, der ihre Wurzeln mit Mikronährstoffen versorgt. Die „Blüten“ sind gar nicht die eigentlichen Blüten, sondern die Kelchblätter der Blüten.

Diese Kelchblätter bleiben lange erhalten und geben der Pflanze sehr lange ein dekoratives Aussehen, was man sich heutzutage in der Gärtnerei zunutze macht. Kaum eine Herbst- oder Winterbepflanzung kommt ohne Erika oder Heidekraut aus. Umso mehr habe ich mich gefreut, die schöne wilde Heide im Wald anzutreffen, einfach so, mitten auf dem Waldweg. Im Frühjahr und Sommer laben sich die Insekten und Bienen wieder an ihr. Ach ja, der Name „Besenheide“ leitet sich übrigens auch dem griechischen Gattungsnamen Calluna ab. Das griechische Wort kallynein heißt „reinigen, saubermachen“. Möglicherweise wurden früher aus dem Heidekraut Besen gebunden, und so kam dann der deutsche Name zustande.

Woran mag es liegen, dass die Heide in unserem Denken oft einen leicht romantischen Touch hat? Vielleicht an alten Volksliedern, Gedichten oder einfach an Heimatfilmen aus der Kindheit, wer weiß. Heute schließe ich einmal ganz untypisch mit einem Gedicht. Ich hoffe, es gefällt Euch und gibt Euch den Schwung für einen lächelnden Wochenstart. 🙂

Die Heide

Über die Heide im Sonnenstrahl
Lief ich als Bub viel hundertmal,
Meinen Drachen am drahtharten Stricke,
Lief mit rückwärts gewendetem Blicke
Glühend im jubelnden Bubenglücke.

Was die Heide nicht alles kann!
Komm‘ heut‘ zurück als aufrechter Mann:
Kaum, daß die Füße die Heide berühren,
Kaum, daß die Sohlen die Heide verspüren,
Fühl‘ ich den Buben den Mann verführen!

Stürm‘ schon, wie einst, übers Heideland,
Halt‘ einen Sonnenstrahl fest in der Hand;
Mag sich das Wölkchen noch so sperren
Und am knatternden Faden zerren,
O, ich zeig‘ meinem Drachen den Herren!

Und es folgt mir! Ich stürme dahin,
Jung, weil ich wieder zu Hause bin,
Jung und stark und nicht zu zähmen!
Wenn nur die andern Buben schon kämen!
Wagt’s nur, wagt’s mit mir aufzunehmen!

Hugo Salus