Notzeithilfe: Kräuter, Früchte und Getreide

Bitterkalt ist es geworden, und nicht nur die Menschen frieren. Die Vögel haben zur Zeit einen Riesenappetit. Ich muss spätestens alle zwei Tage Sonnenblumenkerne und Sämereien nachlegen. Auch für das Rehwild ist die Notzeit angebrochen. Die Schneelage ist nicht so sehr hoch, so dass es immer noch Flächen mit Gräsern, Brombeertrieben oder auch dem frisch aufgegangenen  Wintergetreide freischlagen kann. Doch der harte Frost fordert Reserven, und Beunruhigungen durch Wintersportler oder auch nur Spaziergänger tun jetzt nicht überhaupt nicht gut.

Wie gut, dass man den Tieren Kräuter, Früchte und Körner anbieten kann, um die schlimmste Not zu lindern und nicht zuletzt auch, um den gefürchteten Verbiss an Tannen, Fichten oder anderen jungen Bäumen zu vermeiden. Ich habe schon mal erwähnt, dass Rehe sehr wählerisch in ihrer Kost sind. Wenn ihr die Gelegenheit habt, beobachtet sie einmal bei der Nahrungsaufnahme: Hier wird ein Hälmchen verspeist, dort ein Trieblein geknabbert, wieder woanders eine Blüte verzehrt – ein typischer Konzentratselektierer. Nicht ganz einfach, einen solchen Gourmet anstandsgemäß zu verköstigen! Das Rehwild hat zwar den Stoffwechsel extrem reduziert und benötigt keine Unmengen an zusätzlichem Futter, aber das sollte von guter Qualität sein. Sonst nimmt man eben doch lieber den Trieb von der nächsten Jungtanne. Von unserem Revierpächter bekommen die Rehe den zarten zweiten oder sogar dritten Schnitt von einer sauberen, naturbelassenen Wiese mit feinen Kräutern und Klee, den sogenannten Grummet. Dazu gibt es Apfeltrester von ungespritzten Bauernäpfeln vermischt mit etwas Hafer und anderem Getreide.

Na dann: Bon appétit, und hoffentlich kommt bald der Frühling mit den ersten „richtigen“ frischen Wildkräutern.

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5 Kommentare zu “Notzeithilfe: Kräuter, Früchte und Getreide

  1. Hallo,

    immer langsam mit dem „die armen wilden Tiere füttern“. Als Ornithologin (Vogelkundlerin) sage ich ganz klar: pflanzt heimische Sträucher und Bäume in euren Gärten, legt im Herbst Laubhaufen an und lasst die Meisenknödel Knödel sein. Die Tiere haben noch genug draußen und finden ihr Futter oft da, wo wir Menschen längst verhungern würden. Die natürliche Selektion ist notwendig, auch wenn dies ungern gehört wird.
    Wildfütterung im Wald: freuen sich vor allem Jäger dran. Rehe knabbern Bäume nicht derart stark an, dass sie für die Forstwirtschaft nicht mehr genügen. Wildschweine haben wir genügend in den Wäldern. So viele, dass sie schon längst in Parks und Gärten der Peripherien größerer Städte ein neues Zuhause finden.
    Kleinsäuger wie Füchse, Dachse und Marder finden auch bei hohen Schneelagen noch etwas im Wald. Und wenn, falls, doch tatsächlich Fütterung sinnvoll sein sollte – lasst die Förster ihren Job machen und pfuscht ihnen nicht in´s Handwerk! Schaltet euren Verstand ein und lasst die Emotionen auf ganz, ganz kleiner Flamme warm.

    Grüße,
    Elli

  2. Heio!

    Danke Elli, guter Beitrag. Bin selbst von der „grünen Zunft“, wenn auch kein Biologe:-).

    Fütterungen sind oftmals unsinnig, auch und gerade im Winter. Für das Vogelkino vor der Wohnzimmerscheibe mag es, wer Kinder hat, manch einer mit Vogelfutter hantieren. Zu Beachten ist aber: nicht jeder Vogel wird vom Meisenknödel satt und frißt deren Innenleben. Und auch Mäuse und Ratten mögen´s gar gerne.
    Ich weiß, die Naturschutzverbände wie Nabu und Bund machen es vor – Öffentlichkeitsarbeit um Spenden zu erhalten. Habe jahrelang als Referent für einen großen Verband dieser Art gearbeitet. Vorne sind Kulissen und hinten knallharte Politik. Egal.

    Der Sauerampfer schmeckt heute schon gut, seit Ende Januar um genau zu sein und auch bei dieser Kälte zeigen sich noch Blättchen dieser frühen Ernte. Vögel und KLeinsäuger finden so allerhand unter Sträuchern, Schnee und Hecken. Sogar in Parks! Mäuse sind findig und plündern ihre eigenen Vorratskammern im Boden, Maulwürfe sind auch so schlau und manch ein Fuchs oder Dachs plündert deren Kammern manchmal mit. Räuber gibt es auch im Winter.

    Vor dem Füttern erstmal schlau machen und mit-DENKEN. Und, wie oben bereits mitgeteilt wurde: lasst die Gefühle aus dem Spiel, die behindern das scharfe Denken.

    Wir Menschen sind erst seit wenigen Jahrhunderten zivilisiert. Und die unzivilisierten wilden Tiere gibt´s immer noch. Woran das liegt? Sie haben coole Strategien zum Überleben mit den Jahrtausenden entwickelt. Lasst ihren Verstand nicht durch Fütterungen verkümmern.

  3. Hallo Elli und Michael,

    danke für Eure Kommentare. Es mir war fast klar, dass das Thema Wildfütterung zu kontroversen Diskussionen führen würde. Ich habe das aus Jägersicht geschrieben. Gerade mit Förstern hat es diesbezüglich in vielen Revieren schon viele, viele Diskussionen gegeben, die aber hier zu weit führen. Leider sehen viele Förster und Waldbesitzer das Reh als Schädling an, der Bäume schädigen kann und deshalb weg muss. Wie gesagt, das Thema führt hier zu weit, ich wollte es nur erwähnt haben.
    Fütterung, wenn überhaupt, darf keines falls übertrieben werden, ganz klar. Sie hilft aber meiner Ansicht nach dennoch, den Stress beim Wild ein Stück weit zu kompensieren, der einfach durch häufiges Aufgeschrecktwerden durch den hohen Freizeitdruck einfach da ist. Das kann man nicht weg diskutieren, zumindest nicht im direkten Einzugsgebiet von München. Klar finden die Tiere noch was, das habe ich auch gar nicht in Frage gestellt. Nur brauchen sie auch die Ruhe dazu. Das andere ist wie erwähnt die Geschichte mit dem Verbiss. Es gibt Jagdgenossen, die sowas mit Augenmaß als natürlich akzeptieren. Dann gibt es aber auch andere, die darin ein Lizenz zum Gelddrucken sehen und beim Revierpächter Forderungen stellen. Wir reden hier nicht von Wildschweinen (die übrigens u.a. deshalb auch so gern in Städten oder Parks wohnen, weil sie da von vermeintlich wohlmeinenden Mitmenschen, die aber weder von Wild noch von Jagd eine Ahnung haben, gefüttert werden!). Wildschweine sind eine ganz andere Kategorie, die jeder Revierpächter scheut – da kostet der Wildschaden nämlich richtig Geld.
    Mein Ansatz für diesen Beitrag war nicht „oh, man muss die armen Tiere füttern“, sondern „so werden Kräuter oder Wildkräuter auch verwendet“. Nicht mehr und nicht weniger. 🙂

    VIele Grüße,
    Doris

  4. Hallo Doris,

    danke für Deine Antwort – sie hilft mir weiter! Und ich werde diesen Blog gerne weiter aufsuchen:-)

    Frohe Grüße,
    Michael

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