Der ewige Kletterkünstler

Was hat man ihm nicht schon alles an Schlechtigkeiten unterstellt: Der bringt Bäume um, der macht Hausfassaden kaputt, der ist giftig, hieß es. Und welches von diesen Vorurteilen stimmt denn nun? Eigentlich nur das letztgenannte: Er ist tatsächlich giftig. Aber der alte Beiname „Baumwürger“ ist schlichtweg falsch, die Bezeichnung „Mauerwurz“ mag lediglich auf seine Haftwurzeln deuten, mit denen er sich an Mauern festhalten kann, und die giftigen Pflanzenbestandteile werden heute zu medizinischen Zwecken genutzt. Nicht umsonst war er die Arzneipflanze des Jahres 2010. Die in den Blättern enthaltenen Saponine wirken heilsam bei Husten und Bronchitis und werden heutzutage in einigen gängigen Hustensäften verwendet. Die Rede ist natürlich vom Efeu.

Schon seltsam, wie eine Pflanze polarisieren kann. Mir scheint, man liebt ihn oder man hasst ihn. Ich gehöre definitiv zu den Efeuliebhabern und habe vor vielen Jahren meine ersten Erfahrungen in der Pflanzenzucht mit ihm gesammelt: Schon als Kind liebte ich es, Efeupflanzen aus Ablegern zu ziehen. Mein Rekord war eine Ranke mit 2 Metern, die rund um mein Zimmerfenster gewachsen ist. Leider waren die Spuren der Haftwurzeln trotz intensiven Schrubbens noch jahrelang am Fensterrahmen sichtbar.Ich glaube, meine Mutter war damals nicht unbedingt begeistert von meinem Pflanzenexperiment. Aber sie hat es mit Fassung ertragen. 😉

In den blattlosen Jahreszeiten fällt das kräftige Grün von Hedera helix besonders ins Auge. Kunstvoll, wie sich der Efeu an Baumstämmen hochrankt und sich nur mit kleinen Wurzeln festhält. Er ist kein Schmarotzer; Bäume oder Mauern dienen lediglich als Kletterhilfe. Sein Gewicht kann mit zunehmendem Umfang zum Problem werden, doch in der Regel wird er seinen  Kletterbaum sowieso überleben – Efeu kann an die 400 Jahre alt werden. Habt Ihr schon mal die unterschiedlichen Blattformen bemerkt? Da gibt es herzförmige Blätter mit drei Lappen und eher rundliche oder birnenförmige Blätter. Die jungen Sprossen, also die, die sich an der Unterlage festhalten und tendenziell eher im Schatten liegen, tragen die eckigen Blätter. Die rundlichen Blätter gibt es nur in größerer Höhe, wo die Efeuranken keine Haftwurzeln mehr haben. Das ist die sogenannte Altersform beim Efeu, die dann auch Blüten und die charakteristischen blau-schwarzen Beerenfrüchte trägt. Wie gesagt, alles am Efeu ist giftig, deshalb sollte man die Beeren nicht essen. auch wenn sie noch so verlockend aussehen mögen, und auch mit dem Pflanzensaft ist nicht unbedingt zu spaßen. Bei Gartenarbeiten sollte man deshalb aufpassen, um keine allergischen Hautreaktionen zu riskieren.

Wo der Efeu einmal Fuß gefasst hat, wuchert er immer weiter und höher. Standhaft ist er, und auf ewig mit seinem Standort verbunden. Die Efeu-Symbolik begleitet uns bis zum heutigen Tag: Bräute tragen das Symbol der Treue im Brautbouquet. Und so mancher mit Efeu überwucherter Grabstein auf einem vermeintlich ungepflegten Grab ist eigentlich ein Symbol für das ewige Leben …

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Wintergras bei bayerischem Föhn

Es gibt Januartage, die einen mit den Unbillen des Winters aussöhnen. Man weiß, es dauert noch eine halbe Ewigkeit, bis der Frühling kommt, aber an solchen Tagen ist das völlig egal. Solche Tage sind schneebedeckt und klirrend kalt, aber dabei so sonnig und so winterwunderbar, dass dem Spaziergänger einfach nur das Herz aufgeht. Die Berge stehen gefühlt direkt vor der Haustür, Föhn sei Dank. Das Himmelsblau, das Schneeweiß, das Immergrün, und dazu das beige Gelb der winterlich vertrockneten Rispengräser – was für eine Farbkomposition. Sowas sieht man wirklich nur einmal im Jahr.

Bei uns war der vergangene Mittwoch genau so ein Tag. Leider hat das Winterwunder nicht lang angehalten, und schon war  die Wetterlage gekippt. Heute hat es zunächst so viel geschneit wie den ganzen Winter noch nicht und dann postwendend drauf geregnet. Schade, vor allem die Kinder haben sich bestimmt riesig über den Schnee gefreut. Aber ich hoffe auf ein paar weitere Wintertage, an denen die Kälte klirrt und die Farben leuchten.

Schönes Wochenende Euch allen!

Der Duft des Südens auf der Fensterbank

Leben wir nicht in großartigen Zeiten? Ein kleiner Kurzurlaub in den Duft des Südens ist nur einen Weg zum Supermarkt entfernt. In der Gemüseabteilung findet man in der Regel mehrere Töpfe voll duftig-grüner Blätter, die man einfach nur kurz durchwuscheln muss. Tief einatmen und voilà – Sommer, Sonne, Italien, alles da. Ein tiefer Atemzug gefüllt mit Basilikumduft wirkt Wunder gegen den Winterblues. Was ist das denn für eine Pflanze, die uns da rund ums Jahr angeboten wird? Ocimum basilicum gibt es in vielen Spielarten und Farben, aber die bekannteste Variante dürfte der grüne großblättrige Basilikum sein, auch Genoveser Basilikum genannt. Wir verbinden Basilikum automatisch mit Italien, weil das Kraut so viele wunderbare italienische Gerichte würzt, aber er stammt ursprünglich aus dem indischen und persischen Raum. Der Name kommt aus dem Griechischen (basilikos = königlich) und bedeutet so viel wie Königskraut oder königliche Heilpflanze. Eine treffende Bezeichnung, würde ich sagen, denn Duft und Geschmack sind wirklich einzigartig: Pfeffrig, aber nicht scharf, dabei unglaublich aromatisch, frisch und appetitlich. Auf jeden Fall eines Königs würdig. Na, zum Glück kann sich heutzutage jedermann diesen kleinen Luxus leisten.

In unseren Breiten wächst Basilikum nur einjährig, weil er keine Kälte verträgt. Für den Eigenanbau empfiehlt sich die Anzucht im zeitigen Frühjahr auf der Fensterbank, damit die Pflanzen bald nach den Eisheiligen ins Freie können. Der wärmste und sonnigste Platz im Garten oder auf der Terrasse ist gerade gut genug. Am besten erntet man die Triebspitzen, damit sich die Triebe weiter verzweigen und buschiger wachsen. Basilikum gehört zur Familie der Lippenblütler und ist zur Blütezeit ab Juni auch bei Bienen recht beliebt. Das Sommergewürz schmeckt einzigartig zu Tomaten, auf der Pizza oder zur Pasta. Aber Achtung, bitte die Blätter nicht kochen, sondern erst ganz zum Schluss zum Gericht geben, denn sonst sind Aroma und Farbe dahin.

Ich glaube fast, ich habe nach vielen Misserfolgen endlich gelernt, wie man einen Basilikum aus dem Supermarkt weiter kultivieren kann: Man muss ihn direkt nach dem Kauf in einen größeren Topf mit leicht sandiger Erde umpflanzen, warm und hell stellen und dann vorsichtig gießen. Im Sommer stand der Topf auf dem Balkon, und jetzt steht mein täglicher Duft-Kurzurlaub auf einer sonnigen Fensterbank. Wenn die Wintersonne intensiv ist, braucht er mehr Wasser und sonst eben weniger. Zu viel Wärme bemerkt man sehr schnell, dann macht die Pflanze nämlich buchstäblich  schlapp. Dann ist sofortiges Handeln angesagt – Wasser Marsch, aber eben nicht den Topf fluten, sondern ganz piano. Vielleicht hatte ich bisher einfach nur Glück oder habe eine besonders robuste Pflanze erwischt, was bei der im Supermarkt angebotenen Massenware nicht unbedingt selbstverständlich ist, aber bis jetzt funktioniert diese Technik recht gut. Frisches, duftendes Grün für den Salat oder fürs Brot tut der Seele echt gut, wenn es draußen duster und feuchtkalt ist!

Kleiner Tipp für alle, die der Arbeitsalltag nach den Weihnachtsferien wieder hat: Basilikum soll unter anderem hilfreich sein bei Stress und drohenden Magengeschwüren. 😉 Diese Medizin sollte man sich meiner Meinung nach ausschließlich in Form von Spaghetti mit Pesto alla Genovese zuführen. Denn Nudeln machen glücklich, und mit Basilikumpesto doch gleich noch mehr! Was sind Eure Lieblingsrezepte mit Basilikum? Habt Ihr noch andere Rezepte gegen den Winterblues?

Nur zur Vorsicht: Schwangere Frauen sollten nicht zu viel Basilikum zu sich nehmen, denn er enthält einen östrogenähnlichen Stoff, der den Hormonhaushalt beeinflussen kann!