Beinwell. Geschüttelt, nicht gerührt.

Nein, da mache ich mir gar keine Illusionen: James Bond ist zwar durchaus leidensfähig, aber er würde definitiv seinen geliebten Martini meinem Beinwellschnaps vorziehen. Mit hochgezogenen Augenbrauen. Ehrlich gesagt könnte ich ihm das auch nicht verübeln, denn Cocktails mit schleimiger Konsistenz und Bodensatz sind schließlich nicht jedermanns Geschmack. Auch dann nicht, wenn sie streng nach Vorschrift geschüttelt anstatt gerührt werden.

Die beiden Beinwellansätze (1x Alkohol, 1x Öl) stehen seit drei Wochen auf der Fensterbank. Ich dachte, Sonne und Wärme können nicht schaden und habe mich letztendlich für einen hellen Standort entschieden. Geschüttelt wird fast jeden Morgen; mit der Kaffeetasse in der Hand werfe ich dann kritische Blicke in die Gläser. Wie gesagt, das Ganze entwickelt sich zu einer schleimigen Angelegenheit: Die Auszüge bekommen langsam eine gallertartige Konsistenz, so wie eine viel zu dünne Götterspeise.

Die geriebene Beinwellwurzel ist anscheinend etwas aufgequollen, denn ich musste zumindest beim Alkoholansatz Flüssigkeit nachgießen. Vielleicht hatte ich aber auch nicht ganz auf das empfohlene Verhältnis 1:2 geachtet. Übrigens habe ich zunächst Wodka verwendet, aber beim Nachfüllen mit 70%igem Alkohl nachgerüstet, um den Prozentgehalt etwas zu steigern. Die Empfehlungen zum benötigten Alkohlgehalt weichen nämlich in den verschiedenen Rezepten ziemlich voneinander ab. Die beiden Ansätze werden mit der Zeit immer dunkelbrauner, vor allem die alkoholische Variante. Das Aroma ist wider Erwarten gar nicht mal so unappetitlich – es erinnert ein wenig an Oliven. Das Ölglas hatte ich nach dem Abfüllen leicht im Wasserbad erwärmt, damit die Schleimstoffe leichter in das Öl übergehen. Vielleicht wiederhole ich das Ganze vor dem Abseihen noch einmal.

Die beiden Gläser bleiben noch eine Weile auf der Fensterbank stehen, bis der nächste Punkt auf meiner Beinwell-Liste erledigt ist: Ich brauche ein geeignetes Tuch zum Durchseihen. Wie wärs mit einer Mullwindel, was meint Ihr? Ich werde wohl in den nächsten Tagen Münchens Kinderabteilungen durchstreifen. Komisch, mit so profanen Kleinigkeiten haben sich die Hexen in den Grimmschen Märchen nie aufgehalten. Mir scheint, die Autoren haben uns da ein paar Details unterschlagen!

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2 Kommentare zu “Beinwell. Geschüttelt, nicht gerührt.

  1. Liebe Doris, Windel zum Durchseihen ist gut. Feinstrümpfe sind besser 🙂 Sehr feinmaschig und dabei schön durchlässig und sie saugen sich nicht voll. Allerdings sind die eher ein Einmal-Produkt, denn auskochen für den nächsten Gebrauch ist nicht gut mögich. (Dann eher waschen und anziehen, dann hast Du gleich den Beinwell an den Gelenken *gg*)
    Was auch geht, ist eine gewöhnliche Kaffee-Filtertüte. Das dauert recht lange, lässt sich aber schön umweldfreundlich entsorgen.

    Ich freu mich auf Deinen nächsten Bericht!
    Grüßle, Susanne

  2. Liebe Susanne,
    danke für den tollen Tipp! Meine Mutter hat früher zum Durchseihen von Brombeersaft für Gelee immer eine Mullwindel benutzt, das weiß ich noch. Aber die Dinger saugen sich halt immer so total voll. Das mit dem Strumpf probiere ich auf jeden Fall aus. Ich nehme bisher für meine Liköre o.ä. auch Kaffeefilter, aber ich glaube nicht, dass das mit dem Öl so gut funktioniert. Da klingt die Strumpfvariante besser. Ich bin gespannt, wie es wird.

    Liebe Grüße & ein schönes Adventswochenende!
    Doris

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