Endlich Weihnachten

Dreimal dürft Ihr raten, wer sich hier so leuchtend in Szene setzt. Kleiner Tipp: Es ist kein Tannenbaum, auch wenn sie gern als solcher besungen wird.

Tagsüber ist diese Fichte schon eine recht imposante Erscheinung, aber zur Zeit gefällt mir der abendliche Anblick noch besser. Mein Heimweg führt mich abends an diesem Christbaum vorbei, und jeden Abend freue ich mich aufs Neue über das Glitzern und Funkeln der Lichter, die sich im Wind wiegen. So war es auch heute – endlich Schluss nach einer letzten hektischen Vorweihnachtswoche. Ich freue mich auf Kerzenschein und Tannenduft. Der Heilige Abend kann kommen.

Frohe Weihnachten und schöne Feiertage an alle Blogleserinnen und -leser und natürlich an Andrea und Martin!

Flieg, Ahörnchen, flieg!

Es muss nicht immer eine herbstliche Farbenpracht oder ein sattes Frühlingsgrün sein. Nein, auch ohne Blätter kann ein Baum faszinieren. So bietet mir seit einiger Zeit ein Bergahorn in den unterschiedlichen Wetterlagen immer wieder neue Aspekte. Kurz vor dem ersten Advent saß ich auf dem Ahorn-Sitz, einem Hochsitz in besagtem Bergahorn. Wie viele Bäume hat auch dieser Ahorn in diesem Jahr reiche Frucht getragen. Wild gabs keins zu sehen, also hatte ich Zeit für eingehende Betrachtungen der geflügelten Samen, die wie eine frühe Weihnachtsdeko in den Ästen hingen. Ein schönes Bild, das sich im Laufe der Wochen immer wieder leicht verändert hat.

Ahornsamen sind so genannte Spaltfrüchte, die aus zwei rötlich gefärbten Nüsschen bestehen. Im Gegensatz zu Eicheln oder auch Bucheckern wird der Samen beim Ahorn nicht durch Tiere verbreitet, sondern durch den Wind. Jede Nuss hat einen Flügel, der eine ähnliche Wirkung hat wie ein Propeller: Der kleine Hubschrauber fällt nicht einfach auf den Boden, sondern dreht sich um die eigene Achse und erzeugt damit Auftrieb. Dadurch bleibt er länger in der Luft und kann mit Hilfe des Windes größere Entfernungen zurücklegen. Das hat die Natur mal wieder clever gelöst, denn so hat der Samen bessere Chancen, aus dem Schatten des Mutterbaums herauszukommen und einen helleren Standort zum Keimen zu finden. Je nach Ahornart stehen die Flügel in unterschiedlichen Winkeln zueinander; beim Bergahorn ist er beispielsweise kleiner als beim Spitzahorn. Außerdem sind die Nüsschen etwas unterschiedlich geformt und gefärbt. Die Ahornfrucht wird ab September reif und nach und nach vom Wind davon getragen. Die Nüsschen haben es aber nicht eilig – viele Samen bleiben einfach bis zum Frühjahr hängen und fliegen dann sozusagen per Last Minute in die Wärme. Da keimt es sich auch gleich viel leichter. 😉

Vielleicht wachsen einige von ihnen zu großen, starken Bäumen, die irgendwann mal eine Geige zum Klingen bringen. Ahornholz wird nämlich gern im Geigenbau eingesetzt. Das bekannteste Ahornprodukt ist wohl der süße Ahornsirup, der von lebenden Bäumen gezapft wird. Diese Nutzungsart war übrigens im Mittelalter auch in Europa bekannt und verbreitet, doch heutzutage verbindet man maple sirup hauptsächlich mit Kanada und Nordamerika.

Wir hatten heuer hier im Münchner Raum relativ wenige Herbststürme und Regen. Ich nehme an, dass sich die Ahörnchen deshalb so massenweise an ihrem Mutterbaum festhalten konnten und teilweise immer noch dichte Trauben bilden. Zwischenzeitlich sind aber doch die ersten Fröste, Regenschauer und Sturmtiefe übers Land gezogen. Die „Kindergärten“ haben sich sichtlich verkleinert, nur die ganz Hartnäckigen lassen sich noch vom Wind zausen. Na dann – guten Flug und gute Landung, ihr Ahörnchen.


Beinwell. Geschüttelt, nicht gerührt.

Nein, da mache ich mir gar keine Illusionen: James Bond ist zwar durchaus leidensfähig, aber er würde definitiv seinen geliebten Martini meinem Beinwellschnaps vorziehen. Mit hochgezogenen Augenbrauen. Ehrlich gesagt könnte ich ihm das auch nicht verübeln, denn Cocktails mit schleimiger Konsistenz und Bodensatz sind schließlich nicht jedermanns Geschmack. Auch dann nicht, wenn sie streng nach Vorschrift geschüttelt anstatt gerührt werden.

Die beiden Beinwellansätze (1x Alkohol, 1x Öl) stehen seit drei Wochen auf der Fensterbank. Ich dachte, Sonne und Wärme können nicht schaden und habe mich letztendlich für einen hellen Standort entschieden. Geschüttelt wird fast jeden Morgen; mit der Kaffeetasse in der Hand werfe ich dann kritische Blicke in die Gläser. Wie gesagt, das Ganze entwickelt sich zu einer schleimigen Angelegenheit: Die Auszüge bekommen langsam eine gallertartige Konsistenz, so wie eine viel zu dünne Götterspeise.

Die geriebene Beinwellwurzel ist anscheinend etwas aufgequollen, denn ich musste zumindest beim Alkoholansatz Flüssigkeit nachgießen. Vielleicht hatte ich aber auch nicht ganz auf das empfohlene Verhältnis 1:2 geachtet. Übrigens habe ich zunächst Wodka verwendet, aber beim Nachfüllen mit 70%igem Alkohl nachgerüstet, um den Prozentgehalt etwas zu steigern. Die Empfehlungen zum benötigten Alkohlgehalt weichen nämlich in den verschiedenen Rezepten ziemlich voneinander ab. Die beiden Ansätze werden mit der Zeit immer dunkelbrauner, vor allem die alkoholische Variante. Das Aroma ist wider Erwarten gar nicht mal so unappetitlich – es erinnert ein wenig an Oliven. Das Ölglas hatte ich nach dem Abfüllen leicht im Wasserbad erwärmt, damit die Schleimstoffe leichter in das Öl übergehen. Vielleicht wiederhole ich das Ganze vor dem Abseihen noch einmal.

Die beiden Gläser bleiben noch eine Weile auf der Fensterbank stehen, bis der nächste Punkt auf meiner Beinwell-Liste erledigt ist: Ich brauche ein geeignetes Tuch zum Durchseihen. Wie wärs mit einer Mullwindel, was meint Ihr? Ich werde wohl in den nächsten Tagen Münchens Kinderabteilungen durchstreifen. Komisch, mit so profanen Kleinigkeiten haben sich die Hexen in den Grimmschen Märchen nie aufgehalten. Mir scheint, die Autoren haben uns da ein paar Details unterschlagen!