Sonnengelbe Trotzköpfchen

Man sollte doch meinen, das Tagwerk der gängigen Sommerpflanzen sei zu dieser Jahreszeit getan. Alles friert und bibbert, hat sich in den Boden zurückgezogen und ist damit zufrieden, dass die Samen in Warteposition bereit liegen. Aber weit gefehlt: In den letzten Wochen fallen mir Blüten auf, die ich im Frühjahr oder Sommer als selbstverständlich hinnehmen würde, aber doch jetzt nicht mehr. Oder sind die mir nur nie aufgefallen? Mir scheint, so ein paar Kräuterpflanzen denken sich, „Wie, es hat Nachtfrost und tagsüber ist es auch oft nur nebelkaltgrau? Ja, und? Mann, seid Ihr alle Warmduscher!“

Mein Favorit unter den sonnengelben Trotzköpfen ist die letzte Ringelblume in unserem Gartenbeet, die mich jeden Morgen auf dem Weg zu meinem meist vereisten Auto begrüßt. Ich schlottere, sie blüht. Knallgelb, versteht sich. Okay, ein bißchen Kälteschutz hat sie schon, aber die paar Blätter machen soviel auch nicht her. Irgendwie komme ich mir fast blöd vor. Also stehe ich innerlich stramm und denke mir, na gut, was dieses Blümchen kann, kann ich auch: Auf gehts, Auto frei kratzen und ab in den Nebelmorgen fahren.November-Ringelblume

Den nächsten Dickschädel habe ich heute morgen buchstäblich im Vorbeifahren am Straßenrand entdeckt – einen Löwenzahn mit Eisdeko. In der Nebelsuppe war das ein total unwirklicher Anblick. Wann ist noch mal Weihnachten?!

Bereits Anfang November habe ich bei einer Reise ins Rheinland einen Rainfarn gefunden, der zu der Zeit aber auch schon den ersten Frost hinter sich gehabt haben muss. Wer genau hin schaut, findet den kleinen Glücksbringer, der sich in dem Bild versteckt hat. Hoffentlich hat der sich inzwischen in ein wärmeres Winterlager verkrabbelt.Wirklich erstaunlich, wie zäh und ausdauernd manche Kräuter sind. Hut ab und besten Dank für das Gute-Laune-Gelb. Da scheint die Sonne auch dann, wenn die Novembersonne uns (aber dieses Jahr wirklich nur ausnahmsweise!) mal im Stich lässt.

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5 Kommentare zu “Sonnengelbe Trotzköpfchen

  1. Hallo Doris,

    aufgefallen sind sie uns auch schon, die Trotzköpfe in diesem Jahr.
    Vielen Dank für die schönen Fotos und Deinen lebendigen Bericht.
    Schon der letzte, von Deiner schleimigen Küchenschlacht mit dem Beinwell hat
    mir prima gefallen.

    Und heute scheint sie bei mir, die Novembersonne!

    Herzliche Grüße!

    Andrea!

    • Hallo Andrea,
      ich finde es außergewöhnlich, dass so viele Pflanzen so spät noch blühen, aber der Herbst war ja wirklich sehr mild. Meine kleine Ringelblume hat aber jetzt doch die Waffen gestreckt; die letzten Nächte war der Frost schon strenger bei uns. Die schleimige Küchenschlacht (klasse, der Begriff gefällt mir richtig gut!) geht voraussichtlich bald weiter.

      Viele Grüße & ein sonniges Wochenende!
      Doris

  2. Ich nehme alles zurück – die Ringelblume hat mitnichten die Waffen gestreckt. Der 1. Advent war bei uns supersonnig und warm. Da ist sie wieder aufgestanden und hat knallgelb in die Sonne geblinzelt. 🙂

  3. Trotzköpfchen – oder lieber Vorwitzchen? Überall trifft man auf frisch glänzende Butterblumen, auf knospende Schafgarben und beharrlich erblühende Wiesenflockenblumen. Ein Wunder? Morgens vor Frost starrend, mittags in der Sonne fast kochend, abends vom Nebel verhangen…
    Ungeheuer, was Natur alles kann!
    Dezemberblühende Grüße
    Karin Greiner

  4. Egal, ob Neugierde oder ein gesunder Trotz – ich finde beides schön und bewundernswert. 🙂 Vielleicht schaffen sie es dieses Jahr bis Weihnachten. Das wäre doch mal ganz was anderes!

    Viele Grüße,
    Doris

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