Von Beinwellsalben und -tinkturen

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag „Neues aus der Hexenküche“ nennen, weil ich mir gerade wie eine Art Zauberlehrling vorkomme. Salben und Tinkturen aus Pflanzen und Wurzeln brauen hat irgendwie das Flair von düsteren Küchen, in denen alte (bucklige?!) Frauen mit einem Raben auf der Schulter Zaubersprüche murmeln und obskure Zutaten in einen Kessel über dem lodernden Herdfeuer werfen. Der schleimige Griff in eine Schüssel mit geriebener Beinwellwurzel bringt ganz schnell Erinnerungen an genau solche Figuren aus den Grimmschen Märchen zurück, ehrlich!

Dabei ist mein Vorhaben harmlos, und das Rezept verlangt zum Glück auch nicht nach Krötenaugen: Ich möchte im Verlauf der nächsten Wochen mittels „Learning by Doing“ eine Beinwellsalbe herstellen. Spannende Sache. Ich muss gestehen, ich bin ein bißchen hibbelig. Mache ich das alles soweit richtig? Sind die Wurzeln auch fein genug gerieben? Wie lange müssen sie jetzt ziehen? Dunkel oder hell? Ich werde in der nächsten Zeit über den weiteren Verlauf der Dinge berichten.

Der Echte oder Gemeine Beinwell (Symphytum officinale) gilt seit vielen Jahrhunderten als der Knochenheiler unter den Heilpflanzen. Modern übersetzt könnte man sagen, Beinwell ist Wellness fürs Bein, aber tatsächlich leitet sich das „-well“ im Namen von „wallen“ ab, was soviel heißt wie „zusammenwachsen“. Die Pflanze gilt als besonders hilfreich bei verschiedenen Erkrankungen des Knochensystems, unter anderem eben Knochenbrüchen, aber auch Verstauchungen, Prellungen und Entzündungen. Man findet den Stickstoffzeiger in feuchten, nährstoffreichen Wiesen oder an Wegrändern. Hummeln lieben seine nach unten gerichteten lila-blauen Blüten. Das Raublattgewächs mit den spitz zulaufenden und starrigen  Blättern kann bis zu einem Meter hoch werden. Dabei gibt ihm seine Pfahlwurzel mit bis 50 cm Länge die nötige Stabilität.

In der Heilkunde ist hauptsächlich die Wurzel von Interesse. Man erntet sie im Spätherbst, denn dann ist die Wirkstoffkonzentration in der Wurzel am höchsten. Die heilkräftige Wirkung wird dem hohen Gehalt an Allantoin und Kieselsäure zugeschrieben: Die Kieselsäure wirkt stärkend auf Knochen, Sehnen und Bänder, während das Allantoin Verletzungen heilt und die Kallusbildung bei Knochenbrüchen anregt. Dadurch fügen sich die auseinandergerissenen Teile leichter wieder zusammen.

Eine faszinierende Pflanze, die da in unseren Breiten wuchert, wenn man sie lässt. Ich wollte schon länger einmal ausprobieren, ob sich die Wirkung einer selbstgemachten Salbe von der einer gekauften unterscheidet. Dummerweise habe ich bis jetzt kaum Bestände in der freien Natur gefunden und wollte dann auch nicht in einer bewirtschafteten Wiese nach Wurzeln graben. Aber wie das Leben so spielt, habe ich neulich bei einem Vortrag eine Kräuterpädagogin kennengelernt, die offenbar wahre Beinwelldschungel in ihrem naturnahen Garten beherbergt und mir freundlicherweise eine gute Handvoll ausgegraben hat.

Dieser Reichtum wäre für ein Töpfchen Salbe viel zu viel gewesen, und darum habe ich einen Teil mit hochprozentigem Alkohol als Tinktur und den anderen Teil mit einem guten Olivenöl angesetzt. Damit kann ich ein paar Wochen die Salbe zubereiten und den Rest für Einreibungen oder Umschläge verwenden.

Ich hoffe, die Wurzeln nehmen es mir nicht übel, dass ich sie vielleicht etwas zu gründlich gewaschen habe. Eigentlich hätten sie wohl dunkler bleiben sollen. Naja, wie gesagt – „Learning by Doing“. 🙂

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9 Kommentare zu “Von Beinwellsalben und -tinkturen

  1. Hallo Doris, du musst mich mal am Ammersee besuchen – hier gibt es viele Beinwellpflanzen.

    Es ist schon lustig – mit den Pflanzen. So suchte ich beispielsweise verzweifelt Kletten und habe keine gefunden. Bei Karin dagegen, in der Dachauer Gegend, wuchern sie.

    Viel Erfolg mit deinem Vorhaben!

    Herzliche Grüße
    Renate

    • Hallo Renate,

      stimmt, Du erzählst ja immer wieder von köstlichen Beinwellschnitzeln! Doch, ein Besuch bei Dir wäre schön. Das kriegen wir sicher auch mal hin.

      Was hast Du denn mit denn Kletten vor? Ich weiß gar nicht genau, ob ich hier schon mal welche gesehen habe. Ich kenne die noch aus meiner Kindheit. Ja, manche Pflänzlein lassen sich gerne suchen …

      Liebe Grüße,
      Doris

  2. Hallo Doris

    ein schöner Bericht – ich seh Dich richtig am Kessel stehen und Wurzeln kochen 😉
    Ergänzen kann ich noch, dass Beinweill auch durchaus delikat als Salat und Gemüse ist. Die rauen Blätter haben einen überraschend feinen Geschmack, ein bisschen nach Gurke, und können gut als Gemüse zum Einwickeln genommen werden.

    Ganz unumstritten ist der Genuss nicht, das Kraut enthält Pyrrolizidinalkaloide, die in großen Mengen leberschädigend / krebsauslösend sein können. Ein gelegentlicher Genuss wird aus meiner Sicht nicht schaden, aber das muss jeder für sich entscheiden….

    Viele Grüße!
    Martin

    • Hallo Martin,
      na, da hoffe ich doch, dass ich in Deiner Vorstellung nicht als alte Hexe am Herd stehe. 😉

      Ich habe auch gelesen, dass der Beinwell an sich bzw. die Blätter nicht ganz unumstritten sind, was den Verzehr angeht. Aber wie Du schon sagst, die Dosis macht das Gift und man wird ihn vermutlich nicht schüsselweise essen. Das ist ja mit einigen Wildkräutern so ein Thema. Den gurkenähnlichen Geschmack habe ich wegen der Verwandtschaft zum Borretsch schon vermutet. Wir können das Thema im Frühjahr wieder aufgreifen und dann mehr auf die Blätter und Blüten eingehen. 🙂

      Viele Grüße,
      Doris

    • Hallo zusammen,
      zufällig beim Googeln, komme ich auf diese Web-Seite. Der Artikel über den Beinwell hat mich zum Schmunzeln gebracht… sehr schön geschrieben.
      Wenn Sie Interesse haben,wie ich eine Beinwellsalbe „koche“ , dann kommen Sie doch am Freitag dem 2. Dezember 2011 zum Cafe Gut Kinderhaus. Dort veranstalten wir unseren Kräuterstammtisch, das Thema: Kräuter bei Muskel- und Gelenkschmerzen, die Hauptpflanze ist der Beinwell.
      Da wir ziemlich ausgebucht sind und erfahrungsgemäß immer wieder Gäste kurzfristig absagen, melden Sie sich bitte bei mir. Viele Grüße, Brigitte

      • Hallo Brigitte,
        schön, dass Ihnen die Beschreibung meines ersten Ausflugs in die Welt der „echten“ Kräuterhexen gefallen hat. Ich würde sehr gern zu Ihrem Stammtisch kommen, aber leider ist Münster für mich von Oberbayern aus etwas arg weit weg. Schade! Der Veranstaltungsort schaut jedenfalls schon mal sehr ansprechend aus. Ich wünsche Ihnen viel Spaß und Erfolg beim Beinwelltreffen!
        Viele Grüße, Doris

  3. Hallo Doris, danke für den Bericht, ich sollte dringend auch mal wieder an den Rhein und Beinwell ausbuddeln. Durch das gründliche Schrubben der Wurzeln sind sie auf jeden Fall sehr sauber, das kann niemals schaden 🙂
    Die Tinktur ist übrigens hervorragend bei Prellungen: zuerst kühlt der Alkohol und dann wirkt der Beinwell.
    Liebe Grüße, Susanne

  4. Hallo Susanne,

    schön, Dich zu lesen. 🙂 Ja, ich bin auch gespannt, ob meine hausgemachte Medizin meiner leichten Arthrose im Daumen helfen kann, wenn sie mal wieder total nervt.

    Wieso habt Ihr alle soviel Beinwell?! Vielleicht gucke ich irgendwie falsch und finde deshalb keinen? 😉

    Liebe Grüße,
    Doris

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