Eine runde Sache: Eiche mal ganz dekorativ

Der Herbst ist nach dem holprigen Sommer eine wahre Wohltat mit seinen bunten Farben und milden Temperaturen. Nach dem langen und wunderschönen Altweibersommer ist er nun endgültig da mit seinen Nebelschwaden, den ersten Frösten und den Sonnenstrahlen, die durch schon angefärbte Baumkronen blinzeln und uns nach den kalten Nächten wärmen.

Wie viele Bäume tragen auch die Eichen in diesem Jahr reichlich Früchte. Die Mast, wie die Eicheln oft genannt werden, war früher genau dieses für die Schweine, die die Hirten zum Fressen in die Wälder trieben. Eicheln gehören nämlich zur Familie der Nüsse und sind dementsprechend sehr nahrhaft. Doch auch die Menschen machten sich die Frucht zunutze und verarbeiteten sie vor allem in schlechten Zeiten zu Mehl und Eichelkaffee. In der Heilkunde kam und kommt dagegen vorrangig die Eichenrinde zum Einsatz: Sie ist stark gerbstoffhaltig und wird daher gern als adstringierende Tinktur oder als Tee bei Haut- oder Magen- und Darmerkrankungen verwendet.

Heutzutage nährt Quercus robur hauptsächlich „echte“ Waldbewohner wie Eichelhäher, Eichhörnchen, Reh und Wildschwein, aber wohl kaum ein Spaziergänger hat nicht schon staunend und sinnierend vor dem imposanten Baum gestanden. So ging es jedenfalls mir vor ein paar Tagen, als ich am Waldrand plötzlich ein Meer aus Eicheln unter den Füßen hatte. So viele Früchte, so viel Nahrung, so viel Schönheit. Wow. Manchmal fällt einem angesichts des Reichtums der Natur einfach kein anderes Wort mehr ein. Ich hatte schon länger die Idee, einen Türkranz mit Blüten unserer Gartenhortensie zu gestalten und entschied mich spontan, auch Eichenästchen mit Blättern und Eicheln darin zu verarbeiten. Gedacht, getan. 🙂

Das ist jetzt sozusagen unser Stückchen Wildnis für den Hausflur, denn Wildkräuter sind schließlich nicht nur gesund und lecker, sondern auch ausgesprochen schön!

Fichtennadelsirup – löffelweise Frühsommer für Körper, Geist und Seele

Der Duft von Fichtennadeln hat doch etwas Gesundes, Tröstliches an sich, finden Sie nicht auch? Vor allem dann, wenn die Nase beinahe zu ist, der Hals sehr rau und trocken und der Schädel buchstäblich brummt. Im Frühsommer mag man angesichts der lauen Temperaturen und des zarten Grüns gar nicht daran denken, dass solche Zeiten wieder kommen könnten. Kräuterfans planen jedoch gern vorausschauend: Kochst du Fichtennadelsirup im Frühjahr, hast du chemiefreie, leckere Medizin in der kalten Jahreszeit. An dieses Prinzip halte ich mich, seitdem mich eine Bekannte vor ein paar Jahren auf die Idee brachte, mich selbst einmal an der Herstellung dieses traditionellen Hustensafts zu versuchen.


Seitdem mache ich ihn immer wieder gerne und verwandele die ganze Wohnung dabei duftmäßig in eine Sauna mit Fichtennadelaufguss. Hätte mir das jemand  über den Unterlagen zur Systematik der Nadelbäume im Bio-Leistungskurs geweissagt, hätte ich denjenigen vermutlich für verrückt erklärt. Aber immerhin ist mir seit jenen Tagen der lateinische Name der Gemeinen Fichte unauslöschlich ins Hirn eingebrannt: Picea abies. Das mag in die Kategorie des unnützen Wissens fallen, aber ich habe festgestellt, dass ein lateinisches Restwissen bei der Erforschung der heimischen Kräuterwelt durchaus hilfreich sein kann. 😉

Die Fichte ist in unseren Breiten das häufigste Nadelholz und hat traurigen Ruhm erlangt, weil sie über Jahrzehnte hinweg in Monokulturen angebaut wurde, von denen einige zumindest teilweise den Orkantiefen der letzten Jahre zum Opfer gefallen sind. Die Bäume sind nach etwa 80 Jahren schlagreif und deshalb für den Waldbauern relativ schnell ertragreich, können aber einige hundert Jahre alt werden, wenn man sie lässt. In naturnahen Wäldern findet man durchaus riesige Exemplare mit beeindruckenden Stammdurchmessern. So manche Fichte wurde schon für eine Tanne gehalten und umgekehrt, was vielleicht auch daran liegt, dass der Volksmund sie gern als „Rottanne“ bezeichnet. Deshalb noch mal kurz zur Erinnerung: Im Gegensatz zu Tannennadeln stehen die Fichtennadeln rund um den Ast herum und sind stachelig-hart; Tannennadeln sind im Vergleich dazu weich und biegsam. Betrachtet man den ganzen Baum, sind die Zapfen das auffälligste Unterscheidungsmerkmal: Bei der Fichte hängen die Zapfen von den Ästen herab, während sie bei der Tanne aufrecht stehen. Was wir für Tannenzapfen halten sind übrigens eigentlich Fichtenzapfen: Tannenzapfen zerfallen nämlich am Baum und fallen deshalb nicht im Ganzen auf den Boden.

Der Fichtenaustrieb erfolgt im Mai/Juni und ist leicht an den puschelig-weichen hellgrünen Trieben am Astende zu erkennen.
Fichtentrieb

Zugegeben, das allererste Kosten hat mich damals irgendwie Überwindung gekostet. Ich bin zwar kulinarisch aufgeschlossen, trotzdem kam ich mir komisch vor. Kräuter, Blätter, Blüten, alles ganz klar einzuordnen, aber Triebe von einem Baum?! Aber wenn Rehen sowas schmeckt – und die sind wirklich sehr wählerisch, was ihre Kost angeht! – , kann es so schlimm doch nicht sein, dachte ich mir. Sieht ja auch keiner zu. Also einfach mal so einen Puscheltrieb zupfen und kauen. Aha, der schmeckt zitronensäuerlich mit einer süßen Note und gleichzeitig wunderbar aromatisch-harzig. Gar nicht schlecht! Man könnte sicher auch Salate gut mit diesen Maitrieben aufpeppen; das habe ich allerdings selbst noch nicht ausprobiert.

Fichtentriebe bzw. Fichtennadeln sind unter anderem reich an Vitamin C und ätherischen Ölen, die schleimlösend wirken und die Atemwege befreien. Ich habe eine Fülle an Rezepten mit Zucker oder Honig im Internet gefunden; mein Lieblingsrezept ist allerdings eins von Eva Aschenbrenner.

Die Herstellung braucht ein wenig Zeit und Geduld, weil die Triebe mehrfach aufgekocht und wieder abgekühlt werden müssen, aber das kreative Tun gehört zum Prozess und wirkt auch auf eine Art heilend, finde ich. Das Ergebnis spricht jedenfalls für sich: Der Sirup schmeckt ausgezeichnet, hat eine schöne Farbe, ist sehr aromatisch und dabei nicht zu süß. Er wirkt gut bei festsitzendem Husten und dürfte auch Kindern eine angenehme Medizin sein. Ich nehme ihn bei Bedarf löffelweise pur oder im heißen Tee.

Wenn dann aus der heißen Teetasse dieser einzigartige Duft aufsteigt, stehe ich ganz schnell in Gedanken auf einer sonnenbeschienen Lichtung im Fichtenwald. Erholung pur für Körper, Geist und Seele!

Noch ein Hinweis: Fichtentriebe sollte man vorzugsweise von den Bäumen im Garten nehmen, so man hat. Im Wald am besten nur mit Erlaubnis des Waldbesitzers sammeln (es ist nämlich verboten), und dort auch nur von ausreichend großen Pflanzen. Auf keinen Fall den Haupttrieb abzwicken und nicht zu viele Triebe vom gleichen Baum zupfen, um das weitere Wachstum nicht zu schädigen!

Jetzt wird’s aber Zeit!

Rainbow

Mit dem Bloggen ist es ein bisschen so wie mit dem Fitnessstudio. Wenn man einmal aus dem Tritt gekommen, ist der Neustart schwer („Boah, nee, eigentlich habe gar keine Zeit, ich hab‘ ja noch so viel zu tun. Ich weiß ja überhaupt nicht mehr, wie ich das früher alles geschafft habe…“). Dabei ging es vorher doch auch. Komisch, oder? Heute soll es endlich losgehen mit „was Eigenem, ohne Jodeldiplom“: Willkommen in der Efeuwildnis! :-).

Es ist noch nicht alles perfekt, es wird Umbauten und so manches Ausprobieren geben, aber das macht nichts. Es ist ein neues Abenteuer. Ich freu‘ mich drauf.