Andere Länder, andere Weckmänner

Neulich telefonierte ich mit meiner inzwischen in NRW ansässigen Freundin und wir kamen auf den bevorstehenden Martinstag und die damit verbundenen Kindheitsbräuche zu sprechen. Martinsfeuer, St. Martin auf dem weißen Pferd (oder wenigstens auf einem Haflinger und der St. Martin war sowieso meistens eine St. Martina), Laterne, Rabimmel Rabammel Rabumm – Hand hoch, wem das jetzt nichts sagt. In einigen Teilen Bayerns scheint das nämlich gar nicht so verbreitet zu sein, wie ich erst vor wenigen Jahren bemerkt habe. In Rheinland-Pfalz war das Spektakel fester Bestandteil unserer Kindheit und Jugend. Richtig cool war man als Teenie, wenn man eine Pechfackel tragen durfte anstatt so einen sicherheitsbewussten Faltballon mit elektrischem Glühbirnchen drin. Pah, das war nur was für kleine Kinder! Das Martinsfeuer bauten die Jungs aus dem Dorf, die am Martinstag von Haus zu Haus zogen, ein Lied sangen oder ein Gedicht aufsagten und als Dank für die geleistete Arbeit Süßigkeiten bekamen. (Foto: „Weckmann“ von Flammingo – selbst gebacken. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org(/wiki/File:Weckmann.jpg#/media/File:Weckmann.jpg)

Im Zusammenhang mit dem Martinsfeuer erwähnte meine Freundin dieses schicksalshafte Wort – den Weckmann. Oh, ihr süßen Kindheitserinnerungen, zumal ich noch in keiner bayerischen Bäckerei dieses wunderbare Hefegebilde gefunden habe. Weckmann, Stutenkerl, Piefekopp – je nach Ort und Region hat der süße Hefemann mit der charakteristischen Tonpfeife unterschiediche Namen, ist aber total egal, denn der schmeckt sooo gut. Jedes Jahr kriege ich lange Zähne, wenn ich nur dran denke, Damit hier keine Missverständnisse entstehen: „Stuten“ hat nix mit weiblichen Pferden zu tun, sondern bezeichnet ein vom Geschmack her süßes Hefegebäck. Beim Schwelgen in besagten Kindheitserinnerungen kamen wir aber dann ins Diskutieren, meine Freundin und ich. Sie war sicher, den Weckmann gibts zu St. Martin, aber in meiner Erinnerung gabs den Weckmann zu Nikolaus. Ja, watt denn nu? Ich muss meine Geschwister fragen, ob die das noch wissen, aber siehe da, Internet bildet! Unter anderem laut dieser Quelle hier war der Weckmann ursprünglich ein Gebildebrot, das dem Heiligen Sankt Nikolaus geweiht war. Nachdem St. Martin und St. Nikolaus quasi Berufskollegen waren, kam der Weckmann (vor allem im Rheinland) auch zum Martinstag in Mode. Was nun genau in meiner Kindheit in Mode war, weiß ich eben ich nicht mehr ganz genau, aber nachdem die Sitten und Gebräuche durchaus von Dorf zu Dorf variieren, kann es ja sein, dass es ganz früher noch den Weckmann zum Nikolaus gab. Weil, meine ganz frühere Kindheit ist ja nun doch schon ein paar Jahre her. 😉

Wie dem auch sei, es ging also wieder ein Martinstag ohne Weckmann oder Stutenkerl an mir vorüber. Stellt Euch meine Überraschung vor, als ich heute abend den gestern gekauften Brotlaib anschneiden wollte. Ist das nicht super? Von der „Message“ her ist dieses Gute-Laune-Brot doch ein würdiger Weckmann-Ersatz für 2017. Ich finds genial. Vielen Dank an den Bäcker mit Humor!

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Der Reiher wirds wissen

Weiß der Geier, warum ich noch dazu gekommen bin, über den bzw. die Reiher zu bloggen, die ich seit Monaten immer wieder mal sehe, wenn ich mit unserem Hund unterwegs bin. Da ist dieser kleine verborgene Fischweiher, der sie magisch anzuziehen scheint. Kommt es Euch auch so vor, als ob es irgendwie viel mehr Graureiher gibt als früher? Mir schon, die stehen hier öfters pulkweise in der Landschaft rum. Meine Spazierroute scheint das Revier von mindestens einem Graureiherpaar zu sein, und einer davon landet gern in seinem Ausguck auf einer Fichtenspitze.Ich bin immer wieder platt, dass diese Riesenviecher überhaupt in einem Baum landen können und das auch noch so präzise. Wobei, der oder die Gute hat schon manchmal Gleichgewichtsprobleme. Wahrscheinlich waren die Fische, Frösche und Mäuse im Kropf gerade ungünstig verrutscht oder sie hatten noch mal gezappelt!  😉 Die Verwandtschaft oder die Nachbarschaft aus der Kolonie kommt gern vorbei und schaut, ob sich der Fichtenspitzenreiher vielleicht von seinem Plätzchen vertreiben lässt. Mitnichten, das fällt dem im Traum nicht ein. Stoisch bleibt er/sie sitzen und kreischt den Fliegern höchstens mal empört hinterher. Auf dem Foto (das natürlich nicht brandaktuell ist, sondern aus dem Frühjahr stammt) erkennt man leider nur zwei Punkte, denn kaum zücke ich Kamera, drehen die Reiher ab. Das konnte ich heute auch wieder beobachten. Die müssen eine extrem gute Sicht haben und sind außerdem ganz schön vorsichtig. Und dass, obwohl sie nur eine relativ kurze Jagdzeit haben (in Bayern: 16.09.-31.10. im Umkreis von 200 m um geschlossene Gewässer, d.h. angelegte Fischgewässer) und meines Wissens auch nicht sonderlich bejagt werden.Heute nachmittag hatte ich mich kurz auf die untersten Leitersprosse von einem Hochsitz gesetzt, der auf dem Hügel vor dem Reiherausguck steht. Während ich so meinem Hund beim Mäusesuchen und den Eintagsfliegen beim Schwärmen zuschaute, fiel mir der nie gepostete Reiher-Post ein. Genau in dem Moment tauchte besagter Reiher in meinem Sichtfeld auf! Zufall oder Gedankenübertragung? Der Reiher wirds wissen, der Geier eher … nicht. Er kam direkt auf mich zu geflogen, aber als ich nach einiger Pfriemelei endlich die Kamera aus der Jackentasche und in der Hand hatte, drehte er wieder ab. Kamerascheu, sag ich doch! Er ließ sich auf einem Baum ganz weit weg nieder, wo ich ihn kaum noch sehen konnte. Na gut, dachte ich, dann tue ich desinteressiert und warte einfach ab. Es dauerte tatsächlich nicht lange, bis er wiederkam. Aber nicht wegen mir oder um zu schauen, wo mein Hund die Mäuse vermutete, sondern um eben die nervige Verwandtschaft in die Schranken zu weisen. Auf der Fichte ist nur Platz für einen, basta!Die Aussicht da oben muss ziemlich gut und erfolgversprechend sein. Wiesen, Felder, Weiher – was will Reiher mehr? Ich sah ihm noch eine Weile zu, wie er den Kopf nach hier und nach da verdrehte, und fühlte mich ein kleines bisschen beobachtet.Die Reiher wissen wohl nicht, wie sehr sie gegen einen dunklen Hintergrund hervorstechen, aber ist es ihnen wahrscheinlich auch ziemlich egal. Wenn man das Bild vergrößert, erkennt man links bei den Fichten etwas Weißes – das ist der Fichtenspitzenreiher. Warum er da so gern sitzt … er wirds wissen.

Verlinkt zum Naturdonnerstag bei Ghislana

Herbstübergänge

In Übergangszeiten läuft das Leben manchmal schneller ab als in Zeiten, in denen alles gesetzt und geordnet ist. Was waren das noch für goldene Tage in der Monatsmitte, und jetzt ist alles dahin. Dabei war am 11. Oktober noch alles ganz prächtig golden und saftig. So hätte es ewig bleiben können!

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Doch mit jedem Tag und jedem Windstoß wurde die Blätterpracht ein klein bisschen weniger und dafür die Zahl der Nüsse am Boden immer mehr. Manchmal lief man direkt wie auf Eiern, das war echt der Wahnsinn. Am 18. Oktober war die Stimmung schon ganz deutlich spätherbstlich.

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Seit dem Wochenende ist alles dahin: Die Schwarznuss ist von allen Blättern befreit. Novemberstimmung!Schwarznuss_01_20171023Die Misteln künden schon von der bevorstehenden Weihnachtszeit. Dieser Übergang ging wahnsinnig schnell. Gern hätte ich die goldenen Tage noch ein bisschen festgehalten, aber es geht nicht. Die Welt bleibt ganz kurz stehen und dreht sich dann ruckelnd weiter. Gut so. Die Walnussbäume haben ihr Laub noch nicht abgeworfen, so wie viele andere Bäume auch nicht. Das scheint alles irgendwie verrückt, aber wahrscheinlich ist es ganz normal. So wie das Leben an sich halt auch oft.

Farbwechsel zum Endspurt

Der Herbst hält unübersehbar Einzug, auch beim Achtsamkeitsbaum. Die Blätter der Schwarnuss verfärben sich augenscheinlich schneller als die der Walnussbäume in der Nähe und seit ein paar Tagen fällt mir die Gelbfärbung auf.  Ich bin gespannt, wie es im Jahresendspurt weitergeht.Schwarznuss_Blatter_02_102017Die Nüsse haben noch einmal zugelegt und sind inzwischen so groß wie kleine Äpfel. Sie sehen beim flüchtigen Hinsehen auch so ähnlich aus. Die Fruchthüllen sind nicht mehr so pelzig wie noch im September, sondern viel glatter. Sie duften immer noch ein bisschen nach Zitrone.Schwarznuss_Frucht_01_102017Gegen einen blauen Himmel sieht die grün-gelbe Komposition recht hübsch aus und wiegt mich noch in Sicherheit, dass es ja doch noch nicht soooo herbstlich ist.Schwarznuss_Blatter_01_102017Aber der Nebel und die kalten Regenfälle der letzten Tage lassen keinen Zweifel zu – der Herbst ist da. Wie immer mischt sich ein kleines bisschen Trauer in die Freude über bunte Ahornblätter und schöne Nebelmorgenstimmungen. Typisch Übergangsphase.Schwarznuss_Krone_01_102017Morgen früh schaue ich wieder bei der Schwarznuss vorbei und gucke, was sich verändert hat.

Wachstumsfortschritte

Mensch, schon Anfang September und seit Monaten kein Post mehr zum Thema „Achtsamkeitsbaum“. Dabei gab es dort durchaus öfter Neues zu beobachten, unter anderem eben die Wachstumsfortschritte. Die Schwarznüsse machen ganz schöne Sprünge!

Die beiden linken Bilder sind vom Juni, das rechte ist von ungefähr Anfang August. Die Früchte werden immer dicker und praller. Der Wind hatte auch schon einige Nüsse vom Baum geholt, die waren wohl überzählig? Die Natur hilft sich selber, denke ich mal, und verwirft die Früchte, die überzählig sind oder sowieso nichts werden. Eine – inzwischen getrocknete – Schwarznuss liegt hier vor meiner Tastatur. Ich war total überrascht über den zitrusartigen Duft der grünen Fruchthülle, der scheint mir recht ungewöhnlich. Übrigens habe ich gestern gesehen, dass wenigstens ein Walnussbaum hier im Dorf doch Früchte trägt. Nachbarn haben mir von Komplettausfällen ihrer Walnussbäume erzählt, aber demnach hat der Frost nicht alles erwischt. Ein bisschen was geht halt immer.

Sommer im Hexengarten mit Rätselbild

SonnenhutZeit für ein kleines Sommerrätsel: Wie heißt die hübsche weiße Blume mit den großen Blütenköpfen? Nein, nicht die mit den kleinen weißen Blütenköpfen links daneben, sondern das Riesending in der Mitte. Naaa? Naaaaaa? Achtet auf die Hilfestellung im Bild. Jetzt aber! Sagt ja  nicht „…. Walter?“. Wer nicht weiß, was ich meine, möge sich das Video ansehen. 😀

Ich hatte das schon ewig nicht mehr gesehen – es ist immer noch komisch. 😀 Was war das noch mal für eine Show, in der die Kandidaten in diesen komischen Kugeln gesessen haben, war das „Der große Preis“? *grübel* Aber ich komme total vom Thema ab … Also, die besagte weiße Blume, von der ich keine Ahnung mehr hatte, wohin ich sie letztes Jahr verpflanzt hatte. Und ob ich sie überhaupt verpflanzt hatte oder ob nicht doch die Schnecken sie direkt im Frühjahr dem Erdboden gleich gemacht hatten. Irgendwie war es dann schon der große Preis, als ich die Staude neulich inmitten der Wolken von Berufkraut entdeckt habe. Auf einmal war sie wieder da, genauso wie die gelbe Blume, die ebenfalls zur Familie der Korbblütler gehört und die auch versetzt und vergessen hatte. Die gelbe heißt Rudbeckia (nicht im Bild), die weiße heißt Echinacea. Groschen gefallen?

SonnenhutNa klar ist der gefallen, denn die Echinacea kennt hierzulande doch inzwischen fast jeder als immunstärkende Erkältungsmedizin. Genau, der „Sonnenhut“ ist es, der da unter meinem alten Stroh-, äh, Sonnenhut blüht. Der Sonnenhut ist keine heimische Pflanze, sondern stammt ursprünglich aus den USA. Muss ein toller Anblick sein, wenn er dort die Prärie zum Blühen bringt. Die Indianer nutzten die Wurzel bei Hals- oder Zahnschmerzen und nach und nach wurde dieses Wissen und die Pflanze wohl in die alte Welt transportiert. Ganz unumstritten ist die medizinische Wirkung allerdings nicht, so viel ich weiß, aber das tut der Beliebheit der einschlägigen Präparate keinen Abbruch, wenn ich mir die Apothekenwerbung und -schaufenster so anschaue. Ein Millionengeschäft! Mir selbst hat Echinacea bei akuten Erkältungen noch nicht so viel gebracht, aber das ist einerseits vielleicht eine Sache der persönlichen Einstellung und andererseits auch eine Frage der Erkältungsviren, die es gerade zu bekämpfen gilt. Ich mag meine Echinacea lieber im Garten als im Medizinschränkchen. Der neue und trockenere Standort scheint ihr zu gefallen, ebenso wie die Tatsache, dass die Schnecken hier am Gartenzaun nicht gar so gehäuft auftreten wie am alten Platz. Oder hatten die Schnecken alle Schnupfen?! Nein, wahrscheinlich schmeckt der Sonnenhut einfach nur gut. Meiner ist weiß, aber es gibt den Sonnenhut in vielen, vielen Farben. Ich wollte damals gern so einen weißen „Strahler“ im Garten haben. Für die Vase schneide ich ihn nur selten, dafür ist er mir fast zu schade. Bei mir steht der Sonnenhut den ganzen Winter über, wenn er schon längst verblüht und vertrocknet ist. Die Vögel haben Freude dran und holen sich die Samen, und auch trocken und mit Reif überzogen sieht er schön aus. Ein Sonnenhut-Rezept habe ich leider nicht zu bieten, aber ich denke mir, er hat schon allein durch seine reiche Blüte und den schönen Anblick eine positive Wirkung auf Gesundheit und Seele. Kommt mir wenigstens so vor. 😉

Auch dieser Beitrag wandert zu Miris Hexengartenaktion Und weil es sich gerade noch anbietet, verlinke ich ihn auch bei Ghislanas Natur-Donnerstag:

Fast-VoMo ohne MoFi

Ich übe mich im Neudeutsch-Abkürzungssprech und komme nicht hinterher mit meinen ganzen Fotos und Themen, deshalb mal ganz schnell noch der Vollmond im August, ehe schon wieder alles zu spät ist! Wann war noch mal die partielle Mondfinsternis, auf Neudeutsch „MoFi“? Vergessen, aber sie war nicht an dem Abend, als ich den Mond fotografiert habe. Mal wieder typisch – von dem Ereignis hatte ich nichts mitbekommen und wunderte mich bei der Fahrt zur Eisdiele noch über diesen komischen blauen Fleck am Mond. Eine Wolke, dachten wir. Ja, Pfiffkas. Stell Dir vor, es ist MoFi und keiner merkts. Hätte ich besser mal die Zeitung vorher gelesen statt hinterher. Immerhin, ein paar Tage vorher konnte ich dem Beinhahe-VoMo beim Aufgehen und Strahlen zuschauen.Vollmond_082017_02Jeder Vollmond ein Erlebnis, und jeder ist anders. Dieser Hochsommermond war irgendwie außergewöhnlich. Vollmond_082017_01Zwischen den Bildern liegt eine Viertelstunde, da war es dann schon mondhell-dunkel. Taschenlampe fast überflüssig, und es war so still. Lange konnte ich den grauen Kater im gedroschenen Getreidefeld noch gut ausmachen. Wie ein Panther sah er aus, muskulös und geschmeidig. Der Vollmond war ihm wurscht, glaube ich, dem gings nur um unvorsichtige mondsüchtige Mäuse. Romantik ist nur was für Menschen.