Achtsamkeit bei jedem Wetter

Das klingt jetzt nach Strebertum beim Achtsamsein, aber ich kann Euch versichern, dass ich phasenweise sowas von unachtsam und zerstreut und abgelenkt bin, dass es quasi auf keine Kuhhaut geht. 😉 Und wenn ich dann mal achtsam bin, habe ich meistens keine Kamera dabei, um es zu dokumentieren! Vor ein paar Tagen habe ich es aber doch mal geschafft und die Schwarznuss abgelichtet, die mich dieses Jahr begleiten soll. Wieso, weshalb, warum? Das gibt es hier bei Mirjam und der Haselmaus nachzulesen. Zeit für längere Meditationen bleibt normalerweise nicht, aber die paar Minuten am und um den Baum herum (meistens in wild schnüffelnder und hektischer Hundebegleitung) bringen tatsächlich einen Ruhemoment in den Alltagswahnsinn. Danke, Miri. 🙂

Das ist die Baumkrone, leider bei schlechtem Wetter, aber der Kontrast hat auch seinen Reiz. Man beachte den Piepmatz auf und die Mistel in der Krone.

Weiter unten gibt es noch eine Mistel. Die Zweige sind sehr verästelt, scheint mir, und das gibt dem Baum ein charakteristisches Aussehen. Was mir ohne Claudia vom Claudias Beitrag auf kraeuterklatsch.de und ihren Kommentar zu meinem Nussherz vermutlich gar nicht aufgefallen wäre , weil ich den Baum im Vorbeigehen immer für eine WALnuss gehalten hatte. Wie war das Thema noch mal? Ach ja: Achtsamkeit. 😉

Unterm Baum schauts aus bei Hempels unterm Sofa und wer genau hinsieht, erkennt auf dem (schlechten) Foto vielleicht auch die Schwarznuss, die da noch liegt. Genauer gesagt lagen noch viele Nüsse unter dem Baum. Das ist ja die Strategie der Natur, die Nüsse irgendwann doch noch knackbar zu machen. Ich habe es bei einer probiert mit dem normalen Nussknacker – keine Chance.

So sieht die Wetterseite vom Stamm aus. Die Rinde ist auch sehr charakteristisch und irgendwie knorrig. Das Moos federt die harten Furchen optisch ein bisschen ab, findet Ihr nicht? Eine schöne Vorstellung, auch für das Leben ganz allgemein: Es gibt immer etwas Schützendes, das das Harte ein Stück weit nimmt.

Zum Schluss – man verzeihe mir die unscharfe Nahaufnahme, aber dafür ist meine Kamera nicht gemacht – noch ein Bild mit blauem Himmel und den ersten vorsichtigen Knospen. Wie ist das, der Nussbaum kommt als Letzter und geht als Erster? Da war doch was, das habe ich mal so oder ähnlich gehört. Ich bin gespannt, ob die Schwarznuss wirklich erst als einer der letzten Gäste zur Frühjahrsparty kommt oder ob das auch wieder nur so ein Vorurteil ist.

Frühling im Glas

Der Titel liegt auf der Hand und ist nicht sonderlich originell, aber was solls: Auf meiner Fensterbank grünt was, und das verbreitet Frühlingslaune. Draußen kommt und geht die besagte Laune nach Belieben, obwohl sich der Alpenrand bei dem Bombenwetter heute wirklich nicht beschweren konnte. Es waren Massen unterwegs, jeden zog es raus. Mich auch, wenn auch „nur“ in den Garten, wo ich Knospen an Haselnuss und Kornelkirsche und die ersten Krokusspitzen gefunden habe. Diese Krokusse sitzen schon ewig, aber in meinem Fundus lagen noch Blumenzwiebeln, die es im Herbst nicht mehr bis in die Erde geschafft hatten. Das hat die Tulpen, Muscari und Krokusse aber keineswegs vom Treiben abgehalten, woraufhin sie schon vor Wochen auf meine To-Do-Liste für ein Wochenende gewandert … und erst mal auf Wiedervorlage geblieben sind. Aber vor zwei Wochen oder so hat mich der Frühlingstatendrang ganz spontan erwischt, auch ohne To-Do-Liste. Sonne, blauer Himmel und laue Temperaturen rufen mir fast immer zu: „Do what!“. Also, jedenfalls so ungefähr. Mangels Bäumen zum Ausreißen – den Sommerflieder habe ich im Herbst schon gestutzt und der Garten ist noch ganz schön matschig – musste was Kreatives her. Kurz überlegt, und mir fiel was ein, was ich schon länger ausprobiert haben wollte: Blumenzwiebeln im Glas treiben.

muscariglas

Leere Gläser horte ich ein bisschen, muss ich zugeben, denn es kann doch schließlich immer sein, dass man sowas noch brauchen kann. Kann man ja auch, so wie das große Olivenglas hier. Bisschen Blähton rein (das geht auch mit Erde, hatte ich halt zufällig da), Traubenhyazinthe, Tulpe und Krokus einigermaßen drin verankern, mit Moos aus dem Garten abdecken (Schattengarten, deshalb massenhaft vorhanden), anfeuchten, ins helle und relativ kühle Zimmer stellen und dann abwarten. Letztes Wochenende war ich nicht da, drum konnte ich nicht jeden Tag ungeduldig gucken gehen, aber wie groß war meine Freude, als ich bei der Heimkehr das erste Grün und weiße Wurzeln entdeckt habe. Es erfüllt mich immer wieder mit Staunen, wie das Prinzip „Zwiebel“ funktioniert: Kaum stimmen die Faktoren so einigermaßen, kommen die Wurzeln und fast zeitgleich der grüne Austrieb. Irre. Die Muscari wachsen gut, dafür lässt sich Krokus und Tuple noch betteln, aber ich bin sehr gespannt, wie das kleine Experiment weiter verläuft. So lassen sich auch Kälte- und Nebeleinbrüche im Vorfrühling gut verkraften, denn mein persönliches Frühlingswunder steht ja jetzt auf der Fensterbank.

Recycling auf Lateinisch

Ich benutze diesen Kaffeebecher aus einer Bäckereikette schon seit einem Jahr als Mixbecher fürs Vogelfutter, aber erst neulich habe ich den Aufdruck so richtig registriert.

pane_bavariaBayerisches Brot für bayerische Piepmätze, das ist doch nett. Wobei, stimmt das grammatikalisch überhaupt? Meine Güte, wie habe ich nur das Abi mit Latein bestanden … Brot gibts bei uns aber keins im Futterhäuschen, sondern nur Sonnenblumen- und Erdnusskerne gemischt mit Haferflocken. Ab und zu gibt es auch den obligatorischen Meisenknödel. Normalerweise mache ich das Fettfutter selber, aber diesen Winter fehlte mir die Zeit dazu. Dann muss es mal was Gekauftes tun. Die Haferflocken schmeißen die Spatzen meistens erst mal raus. Die Feinschmecker picken sich anscheinend lieber  auch die gehaltvollen Kerne raus, so wie die Kohl- und Blaumeisen. Später sind die Haferflocken aber trotzdem weg. Ab und zu höre ich ein zartes Piepsen, das es in unserem Garten nur im Winter zu hören gibt – das Rotkehlchen ist wieder da. Ich finde es jedes Jahr aufs Neue total erstaunlich, wie sich die Kunde vom Lieblingsfutter in der Gegend verbreitet. Haben Vögel Buschtrommeln?! Das Rotkehlchen jedenfalls mag die verschmähten Haferflocken recht gern. Naja, die Spatzen nehmen sie schon auch. Aber nur, so lange es nichts Besseres gibt. Es gibt halt nix Besseres als wia was Guads. 😉

Januarfeuer und Jahresmotto

Angeblich ist es noch bis zum 15. Januar okay, jemandem ein gutes neues Jahr zu wünschen. Das habe ich wenigstens am Wochenende so in der Zeitung gelesen, und zwar im Jobteil bei den Karrieretipps. Haben die Leute Probleme! Aber dann liege ich noch gut in der Zeit nach meinem ersten Arbeitstag nach der staaden Winterpause: Ein gutes, gesundes und liebevolles neues Jahr wünsche ich Euch! Ja, liebevoll, genau. In der Zeit der Rauhnächte habe ich das Walnussherz gefunden und denke, das ist ein Zeichen für mein Jahresmotto, nämlich den liebevolleren und rücksichtsvolleren Umgang mit mir selbst (und natürlich auch anderen) zu pflegen. Achtsam sein, eigene Grenzen erkennen und anerkennen. Das könnte meine Jahresaufgabe sein, an die mich das Herz in der rauhen Schale erinnern will.

walnussherzWie sieht es bei Euch aus? Habt Ihr Euch auch in der Rauhnachtzeit ein bisschen nach innen orientiert und reingehört, was so los ist und was vielleicht ansteht? Ich war nicht so konsequent und dauermeditativ, wie sich das jetzt vielleicht anhört, aber ich habe die ruhigen Tage nach dem Weihnachtswahnsinn sehr genossen. Das Walnussherz liegt auf meinem Schreibtisch und erinnert mich immer wieder daran, nach innen zu horchen. Also, zumindest dann, wenn ich im Home Office bin. 😉 Manchmal bringt es mich auch einfach nur zum Lächeln, und das ist ja auch eine schöne kleine Pause im täglichen Betrieb, der bei mir seit heute wieder anläuft.

Am Samstagmorgen sah ich zufällig dieses Januarfeuer, das mich auch mit Hoffnung und Vorfreude auf das Jahr erfüllt hat. Für einen ganz kurzen Moment war der Himmel offen und blau, und der Wald spiegelte den Sonnenaufgang in tiefen Farbtönen, die für den Januar eigentlich untypisch sind.

januarfeuer_2017Es ist alles da, was wir brauchen. Ein beruhigender Gedanke.

Geschenke aus der Hexenküche: Ein Früchtebrot im wahrsten Sinne des Wortes

Wer wie ich zu Rosinen, Zitronat und Orangeat ein gespaltenes Verhältnis pflegt, ist vermutlich bis dato mit einem weihnachtlichen Früchtebrot auf dem Adventstisch auch nicht so direkt glücklich gewesen. Außerdem sind die klassischen Früchtebrote mehr Kuchen als Brot und dabei noch sehr süß. Muss ich ehrlich gesagt nicht unbedingt haben, aber manchmal kann man ja nicht aus. Deshalb ging meine Laune ganz leicht nach unten, als es neulich bei einem ansonsten ganz tollen Seminar hieß, zur Pausenverpflegung gebe es ein leckeres Früchtebrot. Und das mir. Hmpf. Meine Besorgnis war aber völlig umsonst, denn das  Café der Blumenschule Schongau hat mir das ungeliebte Naschwerk völlig neu präsentiert. Herzhaft trifft trocken-fruchtig-süß und gipfelt in einer Art „Frucht im Brotteig“ – gekrönt mit etwas Butter oder auch eine Scheibe Käse eine ganz tolle Sache! Wieder zuhause habe ich mich sofort auf die Suche nach einem passenden Rezept gemacht und bin hier fündig geworden für die Grundidee. Dieses Rezept habe ich ein bisschen abgewandelt mit Roggen- und Dinkelmehl plus zwei Handvoll Haselnüssen und dachte mir, hui, da habe ich ja prima Weihnachtsgeschenke, wenn das was werden sollte. Es wurde was und, äh … nein, ist nichts mit Weihnachtsgeschenken, denn die erste Charge haben wir glatt innerhalb kürzester Zeit verspeist. Der nächste Sauerteig ist aber fast schon wieder soweit. 😉

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Die Trockenfrüchte (Apfel, Pflaume, Feige in meinem Fall, aber da gibt es noch so viel mehr Möglichkeiten) geben dem Brot ein bisschen Süße und die Mandeln und Nüsse den richtigen Biss. Es macht als kleine Zwischenmahlzeit schön satt und passt eben gut zu Käse (Ziegenkäse wäre bestimmt super) oder auch einem Salat. Gar nicht süß-pappig, sondern herzhaft-lecker. Und ohne Zitronat und Orangeat, yeah! Danke, liebe Blumenschule, für die neue Erkenntnis und die neue Rezeptidee. Das wäre vielleicht auch für Euch was zum Nachbacken. Kann man auch gut verschenken, vorausgesetzt, man futtert nicht vorher schon alles selber. Aber wenn es doch auch so gut ist …

Auch das ist ein Beitrag zu Miris Aktion „Geschenke aus der Hexenküche“. Der Teig ist keine Hexerei, den Sauerteig kann man auch weglassen, und beim Kneten kann man etwaigen Adventsstress richtig gut ablassen. Also: Frisch ans Werk!

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Geschenke aus der Hexenküche: Was für Warmduscher!

Leute ohne Badewannenzugang sind ein klitzekleines bisschen vom Leben benachteiligt, kommen sie doch nie in den Genuss von Köstlichkeiten wie sprudelnden Badebomben oder cupcake-ähnlichen Gebilden aus Kakaobutter und Kokosöl. Was gibt es da für herrliche Sachen! Als mir eine Freundin vor vielen Jahren in London die damals brandneuen Lush-Läden zeigte, dachte ich wirklich, ich wäre im Paradies gelandet. Meine Güte, die gabs in Deutschland noch gar nicht und waren so eine andere Liga als der Body Shop. Body Shop war auch toll, aber eben anders. Lush hing das Flair des Handgemachten und Handgerührten an, das war für mich so besonders. Und siehe da, es dauerte nicht lange und die ersten DIY-Ideen schwappten rein. Badebomben selbermachen? Kein Problem, sogar ohne einen Einser in Chemie. Man brauchte nur was, was sprudelt, Farbe und einen Duft. Aber wie gesagt, ohne Badewanne macht es nur halb so viel Freude,  wenn man den Lush in der Fußgängerzone 20 m gegen den Wind erschnuppern kann. Was tun also die Warm- oder auch Kaltduscher, wenn sie zum Beispiel eine fiese Erkältung befallen hat oder wenn sie vorm Schlafgehen eine kleine Duftentspannung brauchen?

duschtabs_01Ganz einfach: Sie funktionieren die heimische Duschkabine mit dem entsprechenden Duschfizzie (Achtung, Neudeutsch!) zum Dampfbad um. Und das geht ungefähr so:

100 g Natron,
80 g Zitronensäure,
30 – 50 Tropfen ätherisches Öl wie z. B. Pfefferminze, Thymian, Lavendel, Rosmarin, usw. (zwischendurch Schnupperprobe machen, damit es nicht zu heftig wird!),
evtl. etwas Lebensmittelfarbe und
wenige Tropfen Wasser

vermischen und mit den Fingern verkneten, bis die Masse eine Konsistenz hat wie Schnee, aus dem man einen festen Schneeball formen kann. Wirklich nur ganz wenig Wasser nehmen, am besten tropfenweise mit der Pipette, denn sonst sprudelt der Schüsselinhalt  fröhlich los.

Manche Rezepte verwenden auch etwas Stärke. Ob das ein Muss ist, weiß ich nicht genau, glaube ich aber nicht. Es funktioniert sowohl mit als auch ohne Stärke. Man knetet die Masse also schnell zusammen und presst diese in beliebige Förmchen (Eiswürfelbehälter, Muffinform, die Plastikschalen aus Pralinenschachteln, usw.). Fest pressen, gaaanz fest, damit nichts krümelt. Die Fizzies gut trocknen lassen, sanft aus den Förmchen klopfen, und schon kann es losgehen: Die Duschpraline (endlich fällt mir ein passendes deutsches Wort ein) auf den Boden in der Dusche legen, Wasser aufdrehen, tief einatmen. Die kleine Duschbombe löst sich sprudelnd auf und setzt die ätherischen Öle frei, die durch den warmen Wasserdampf ihre wohltuende Wirkung tun. Herrlich. Die Benachteiligung hat ein Ende. Natürlich kann man die Duftbömbchen auch ganz nach Geschmack mit Vanille, Zimt, Kaffee, Schokolade oder zitronigeren Duftnoten versehen. Mir fiel das Ganze nur wieder ein, weil ich eben eine Erkältung hatte und nach einer Wohltat für Kopf und Nase gesucht habe.

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Einziger Wermutstropfen: Meine Fizzies ziehen ganz schön Feuchtigkeit an; die sind leider nicht strohtrocken. Vielleicht sollte man sie besser ein bisschen im Backofen trocknen. Und noch etwas: Die Dinger duften wirklich extrem intensiv und müssen unbedingt in einem Glas mit Schraubverschluss oder sonstwie luftdicht aufbewahrt werden. Es braucht eine gute Dosis an ätherischem Öl für das Dufterlebnis unter der Dusche. Damit muss man vermutlich ein bisschen experimentieren, bis man die passende Menge gefunden hat. Aber ist das nicht toll? Endlich sind die Warmduscher mal im Vorteil!

Diese kleine Geschenkidee schicke ich zu Miri in die Hexenküche.

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